11. Oktober 2020 / 15:45 Uhr

Wolfsburgs Manager Fliegauf mahnt: Mit Zuschauern darf die DEL nicht kalkulieren 

Wolfsburgs Manager Fliegauf mahnt: Mit Zuschauern darf die DEL nicht kalkulieren 

Jürgen Braun
Wolfsburger Allgemeine / Aller-Zeitung
Wie geht es weiter? Wolfsburgs Manager Charly Fliegauf, der lange stets Optimismus ausgestrahlt hatte, ist ungewohnt schweigsam geworden.
Bleiben die Hallen leer? Wolfsburgs Manager Charly Fliegauf mag dieses Szenario nicht ausschließen, wenn die DEL startet. © B. Schulze/Baschin
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Im deutschen Eishockey-Oberhaus arbeiten die Klubs daran, einen Saisonstart am 18. Dezember hinzubekommen. Charly Fliegauf, Manager der Grizzlys Wolfsburg, ahnt: Mit Zuschauern dürfen die Klubs dabei nicht großartig kalkulieren. Und: Die Grizzlys geben zwei Spielern zusätzliche Möglichkeiten die Vorbereitung zu optimieren.

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Keiner wolle weg, keiner wird verliehen, hatten die Grizzlys Wolfsburg unter der Woche erklärt, als sie ihr Team wegen des verlegten Saisonstarts wieder in Kurzarbeit schicken mussten. Das mit dem „weg“ kommt nun doch ein wenig anders. Es ist aber auch kein Verleih, es spart kein Geld, sondern soll vor allem den Akteuren helfen. Steven Raabe und Jan Nijenhuis werden an der Vorbereitung des Oberligisten Hannover Indians teilnehmen und können dort zusätzlich üben. Bei Drittligist Indians beginnt in Kürze das Training. Sie meldeten: „Steven Raabe war bereits in der vergangenen Saison eine wichtige Stütze im Kader der Indians und konnte in der Oberliga wichtige Spielpraxis sammeln. Unvergessen ist sein Game-Winning Goal im letzten Saisonspiel, der dann abgebrochenen Saison.“

Eingeplant sind die beiden erst einmal für die Vorbereitung. Denn die beginnt in Kürze bei den Indians, bei den Grizzlys ist Kurzarbeit, hier können sich die Akteure nur freiwillig fit halten. Die Wolfsburger Einheiten sind meist vormittags, die der Hannoveraner eher abends. Fliegauf auf Sportbuzzer-Nachfrage: „Hannovers Coach Lenny Soccio und unser Trainer Pat Cortina werden noch absprechen, wie es am besten passt.“

Beide sollen viel Praxis bekommen. Raabe hatte sich im Juni einer Hüftoperation unterzogen, ihm kann jede Eis-Einheit helfen. Nijenhuis ist ein Kandidat für die U-20-Nationalmannschaft. Die startet ab Dezember in Kanada bei der Junioren-Weltmeisterschaft. Und diese WM soll - wegen Corona ohne Fans und abgeschottet - auf jeden Fall steigen. Beide Talente sollen nach den Vorstellungen der Grizzlys viel Praxis kriegen - wo sie, außer für die Grizzlys, im Ligabetrieb zum Einsatz kommen würden, ist allerdings noch offen.

Denn: es kann nur für ein Team eine Förderlizenz geben. Und die Youngster sollen möglichst hochklassig spielen. Die Grizzlys haben aber noch keinen Zweitliga-Kooperationspartner. Die Zusammenarbeit mit Kassel hatte sich bewährt, angesichts der Aufstiegsmöglichkeit für ambitionierte Zweitligisten wie Kassel hatten die Grizzlys mit einer Verlängerung noch gezögert.

Die Neuen der Grizzlys Wolfsburg

Phillip Bruggisser. Zur Galerie
Phillip Bruggisser. © Grizzlys Wolfsburg / City-Press GmbH

Die Zweitligisten wollen ihre Saison am 6. November starten. Die DEL hat ihren Start zweimal verschoben. Erneut haben die Klubs Kurzarbeit angemeldet. Die Grizzly bis Ende des Monats. Mitte November will die DEL befinden, ob es nach zwei Startverschiebungen nun am 18. Dezember losgehen kann. Problem der Klubs: Mit den bislang zugelassenen Kapazitäten an Fans kommen sie mit ihren Kalkulationen teils knapp, teils kaum und teils gar nicht hin. Die angekündigten Staatshilfen sind schwer zu erlangen, noch nicht da und wären nur ein Teilaspekt. Die Corona-Zahlen machen keinen Mut, dass überhaupt mit Fans gespielt werden kann. Und selbst wenn, könnte sich das wahrscheinlich jederzeit wieder ändern.

Fliegauf: „Ich bin weiterhin optimistisch, dass gespielt werden wird.“ Aber: „Die Entscheidung darüber, ob wir starten, kann nur auf der Basis fallen, dass es für die jeweiligen Klubs möglich ist, die Saison ohne Zuschauer zu spielen.“ Denn: Man könne die Spieleinnahmen nicht mehr ernsthaft einkalkulieren. „Es kann doch jederzeit passieren, dass man am Freitag noch vor 5000 spielen darf, ein paar Tage später dann vor null.“

Abgesehen davon könnte es für die Klubs mit großen Hallen möglicherweise sogar günstiger sein, ohne Fans zu spielen, als für erlaubte 1000 große Arena zu öffnen. Zum Teil könnten Klubs in ihre kleineren und kostengünstigeren Trainings-Arenen auswandern. Klar sei so Fliegauf: „Alle Klubs müssen versuchen, Lösungen zu finden, einfach wird es bestimmt nicht werden.“