25. April 2021 / 17:29 Uhr

Wolfsburgs Schult: "Einfach schön, wieder mit den Mädels auf dem Platz zu stehen"

Wolfsburgs Schult: "Einfach schön, wieder mit den Mädels auf dem Platz zu stehen"

Jasmina Schweimler
Wolfsburger Allgemeine / Aller-Zeitung
Feierte ihr Comeback gleich in der Startelf: Almuth Schult vom VfL Wolfsburg.
Feierte ihr Comeback gleich in der Startelf: Almuth Schult vom VfL Wolfsburg. © imago images/foto2press
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Beim Comeback von Almuth Schult gab's mit dem 4:0 beim MSV Duisburg den zehnten Bundesliga-Sieg in Folge für Wolfsburg! Seit der Hinspiel-Niederlage in München hat der VfL also keinen Punkt mehr liegen gelassen. Lohn für die Wolfsburgerinnen: Im Gipfeltreffen gegen die Bayern können sie am 9. Mai die Tabellenspitze erobern. Die Stimmen zum Schult-Comeback und zur Jagd auf die Bayern.

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Frauenfußball-Bundesligist VfL Wolfsburg bleibt dank eines 4:0 bei Schlusslicht MSV Duisburg zwei Punkte hinter Spitzenreiter Bayern. Die Niedersächsinnen haben die Titelverteidigung weiter in der eigenen Hand - doch das war nicht der einzige Grund zur Freude beim Tabellenzweiten. VfL-Keeperin Almuth Schult feierte in Duisburg überraschend ihr Comeback, da die eigentliche Nummer 1 Katarzyna Kiedrzynek sich im Abschlusstraining eine Finger-Verletzung zuzog. "Wir haben drei wichtige Punkte geholt und auf einem Platz, der schwierig zu bespielen war, zu Null gespielt. Perfekt", so Schult nach Abpfiff unaufgeregt. Viel zu parieren gab es im PCC-Stadion nicht, vom Schlusslicht kam wenig Gegenwehr und der VfL war über 90 Minuten spielbestimmend. Dass es wenig zutun gab, so die 30-Jährige, sei "Nebensache. Ich bin froh, dass wir gewonnen haben. Es ist einfach schön, wieder mit den Mädels auf dem Platz zu stehen."

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Ihr letztes Pflichtspiel für die Profi-Mannschaft des VfL absolvierte sie im Mai 2019 beim 1:0-Auswärtssieg in Hoffenheim. Die ehemalige Nationaltorhüterin musste sich nur einige Wochen später einer Schulter-OP unterziehen und freute sich vergangenen April über die Geburt ihrer Zwillinge. Es war kein leichter Weg zurück für Schult, die sich in der Hierarchie der Torhüterinnen seit ihrer Rückkehr mit der Rolle der Nummer 3 zufriedengeben musste. Um wieder an ihr altes Leistungsniveau anknüpfen zu können, lief Schult auch mit den U20-Fußballerinnen in der 2. Bundesliga auf. "Ich bin der zweiten Mannschaft sehr dankbar, dass ich da etwas Spielpraxis sammeln durfte", so Schult, denn: "Ich bin ganz froh, dass man nicht ganz ins kalte Wasser geschmissen wird. Ein bisschen Routine ist als Torhüterin sehr schön."

Wolfsburgs Trainer Stephan Lerch konnte in Sachen Kiedrzynek derweil noch keine Entwarnung geben. "Wir müssen bei ihr von Tag zu Tag schauen und das neu bewerten. Wir müssen abwarten, wie sich das entwickelt und drücken die Daumen, dass das schnell wieder vorbei ist", so der 36-Jährige. Und lobte zugleich: "Wir haben exzellente Torhüterinnen, die alle einen guten Job machen im Training." Was sprach besonders für einen Einsatz von Schult? "Zum einen ist es ein Momentum gewesen, zum anderen war Friederike mit ihrem Knie etwas angeschlagen und in der Summe hatte Almuth zuletzt mehr Spielpraxis", begründete Lerch. Für den Meistercoach war es dementsprechend eine logische Schlussfolgerung. Zum Spiel sagte er: "Das war souverän und am Ende haben wir völlig verdient gewonnen. Wir haben erst ein paar Minuten gebraucht, um reinzukommen. Wir haben aber das Tempo hochgehalten, haben viel Stress erzeugt und schöne Tore erzielt, auch wenn wir noch einige Chancen liegen gelassen haben."

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Gegen Duisburg verzichtete Lerch auf einen Einsatz von Top-Stürmerin Ewa Pajor, stattdessen spielte die Schwedin Rebecka Blomqvist von Beginn an. Eine reine Vorsichtsmaßnahme! "Wir müssen bei Ewa immer noch aufpassen. Sie ist auf einem guten Weg und wir wissen was, wir an ihr haben, aber es waren jetzt schon wieder viele Spiele", begründet Lerch. Die Polin feierte nach monatelanger Pause aufgrund einer Knie-OP erst Anfang März ihre Rückkehr auf den Platz und erzielte seitdem in wettbewerbsübergreifend neun Partien stolze fünf Tore. Lerch weiter: "Dazu war sie auch mit der Nationalmannschaft unterwegs. Wir wussten, wie hier die Platzbedingungen sein werden und haben uns auf einen tiefstehenden Gegner eingestellt - da war es also eine Kombination aus allem, sodass ich entschieden habe, das, wenn es nicht sein muss, wir sie auch mal draußen lassen." Dementsprechend "konnte sie mal durchatmen und für ihr Knie war das sicher auch nicht so verkehrt".

In Duisburg feierte der VfL seinen zehnten Liga-Sieg in Serie. Seit dem 1:4 am 15. November 2020 in München hat Wolfsburg keinen Punkt mehr liegengelassen. Eine längere Siegesserie hatte der VfL zuletzt zwischen Februar und November 2019 (17 Spiele).

Als nächstes gastieren die Bayern im AOK-Stadion, am 9. Mai kommt es in dieser Saison ein letztes Mal in der Liga zum direkten Duell, mit Sieg Nummer 11 am Stück könnte der VfL an den Münchnerinnen vorbeiziehen, darf in den letzten zwei Liga-Spielen gegen Eintracht Frankfurt und Werder Bremen dann aber möglichst keine Punkte liegen lassen, um den Titel zu verteidigen. "Wir haben genau die Situation, die wir uns gewünscht haben. Ich denke schon, dass es sich im nächsten Spiel vorentscheiden wird", so Schult, die weiß: "Es ist das direkte Duell und wir können endlich wieder an den Bayern vorbeiziehen. Das ist unser Ziel, dafür haben wir unsere Hausaufgaben erledigt." Es werde ein Spitzenspiel, das diesen Namen verdient. "Es sind gute Mannschaften und die Münchnerinnen spielen an sich eine konstante Saison."

Bayern siegt im CL-Halbfinal-Hinspiel

Während der VfL in der Liga wieder an die Bayern ranrückte, erkämpften sich die Münchnerinnen am Sonntagabend im Halbfinal-Hinspiel der Champions League gegen Wolfsburg-Bezwinger FC Chelsea einen 2:1-Erfolg und damit eine gute Ausgangslage für das Rückspiel am 2. Mai (13.30 Uhr). Das Team von Coach Jens Scheuer erwischte im heimischen Campus den besseren Start: Shootingstar Sydney Lohmann erzielte bereits nach zwölf Minuten die 1:0-Führung für den Spitzenreiter der Frauen-Bundesliga, Ex-Münchnerin Melanie Leupolz brachte die Gäste aus London aber nur zehn Minuten später überraschend zurück ins Spiel und erzielte das wichtige Auswärtstor für die Engländerinnen. Die Bayern verteidigten diszipliniert und konnten mit ihrem schnellen Umschaltspiel Nadelstiche setzen, ein Weltklasse-Tor von Hanna Glas brachte die Deutschen nach Wiederanpfiff wieder in Führung. Vor allem in der Schlussphase der Partie konnte der FCB den FC Chelsea vermehrt unter Druck setzen und im Gegenzug mit viel Zielstrebigkeit verteidigen.

Im zweiten Halbfinale trennten sich der FC Barcelona und Paris Saint-Germain mit 1:1. Das Finale steigt am 16. Mai im Gamla Ullevi in Göteborg. Für den FC Bayern wäre es in der Königsklasse die erste Finalteilnahme der Vereinsgeschichte.