14. April 2020 / 15:32 Uhr

Wolfsburgs Top-Schiri: Pfeifen kann er gerade nur vor dem Monitor...

Wolfsburgs Top-Schiri: Pfeifen kann er gerade nur vor dem Monitor...

Marcel Westermann
Wolfsburger Allgemeine / Aller-Zeitung
Bickel
In Zeiten von Corona: Wolfsburgs bester Schiri, Felix Bickel, kann derzeit nur vor dem Monitor pfeifen.
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Schiedsrichter zu sein, ist seine Erfüllung. Doch in diesen Wochen bleibt die Pfeife von Felix Bickel wegen der Corona-Krise stumm. Wolfsburgs bester Referee kämpft genau wie viele Sportler mit dem ruhenden Spielbetrieb. Spielszenen bewerten kann er derzeit nur am Monitor, fit hält sich der Unparteiische trotzdem - nicht nur körperlich.

Schon als kleiner Junge hantierte Bickel in seinem Elternhaus mit Gelben und Roten Karten. Die Trillerpfeife war stets an seiner Seite. Im Alter von 14 Jahren stieg der Unparteiische des SSV Vorsfelde dann ins Schiedsrichter-Geschäft ein, startete seine Karriere bei den Kleinsten - mit großer Begeisterung. Inzwischen ist Bickel in der Regionalliga angekommen, leitet dort unter anderem Topspiele und Derbys, wie Holstein Kiel II gegen den VfB Lübeck. Doch in diesen Wochen zwingt ihn das grassierende Coronavirus zum Pausieren. "Das ist schade, weil mir das Schiedsrichterwesen richtig Spaß macht und meine größte Leidenschaft ist", sagt Bickel, betont aber auch: "Die Gesundheit der Menschen hat Priorität."

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Klickt euch durch die Fotos zum Regionalliga-Nordderby zwischen Holstein Kiel II und dem VfB Lübeck:

Barne Pernot (2.v.re.) verpasst und Yannick Deichmann (3.v.re.) verlängert den Ball. Zur Galerie
Barne Pernot (2.v.re.) verpasst und Yannick Deichmann (3.v.re.) verlängert den Ball. ©

Nicht zu unterschätzen ist aber auch der finanzielle Aspekt, wenngleich Bickel betont: "Ich mache mich da nicht von abhängig und bin ja nicht wegen des Geldes Schiedsrichter." Der Wolfsburger, der zudem BWL studiert, wird pro Einsatz bezahlt, hat also kein Festeinkommen. "Ich hoffe, dass es bald für alle Menschen wieder einen geregelten Alltag gibt", sagt Bickel, der die fußballfreie Zeit überwiegend in sein Studium und Training investiert.

In Zeiten von Corona die Beine hochzulegen und sich auszuruhen - das wäre nicht das Naturell von Bickel. Der fleißige und ehrgeizige 24-Jährige gibt auch in der Spielpause Vollgas. Und das muss er auch, um auf den Punkt da zu sein, wenn wieder gekickt werden kann. "Wir haben auch als Schiedsrichter Home Office und müssen unter anderem Konformitätstests absolvieren", sagt Bickel.

Bei diesen Tests werden dem Schiedsrichter zusammengeschnittene Szenen aus der Champions League und aus dem Liga-Alltag gezeigt - aber nur ein einziges Mal, wie auf dem Platz eben. Dann muss der Unparteiische beispielsweise entscheiden: Gibt's einen Freistoß? Zieht das Foul eine Verwarnung oder gar einen Feldverweis nach sich? "Diese Übungen sind wichtig. Wir müssen immer up to date und fit bleiben. Ich darf es jetzt nicht als tote Zeit sehen", betont Bickel.

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Nicht nur geistig, auch körperlich arbeitet der Wolfsburger weiter. Stabilisationsübungen, Joggen und Yoga, um mentale und physische Anforderungen miteinander zu verknüpfen - Bickel lässt sich einiges einfallen, "um beweglich zu bleiben". Ohne das Training "wäre das Verletzungsrisiko viel zu hoch, wenn es wieder losgeht". Wann das sein wird, ist noch offen. Der Amateurfußball ruht vorerst bis auf Weiteres. Auch die Ernährung hat Bickel angepasst.

Dem sympathischen Referee ist anzumerken, mit welch großer Begeisterung und Ernsthaftigkeit er seiner Tätigkeit als Schiri nachkommt. Weil es ihm Spaß macht, aber auch, weil er noch einiges vor hat. Als nächstes hat er die 3. Liga im Blick. Ob und wann er den Sprung in den Profibereich schafft, darauf hat Bickel nur bedingt Einfluss. "Ich denke, ich pfeife bisher eine solide Saison. Zur Zukunft kann man nicht viel sagen, ich versuche einfach, mich auf dem Platz zu empfehlen", so Wolfsburgs bester Schiedsrichter.