26. Dezember 2021 / 14:08 Uhr

Wolfsburgs Waldschmidt: "Wir wissen, dass wir es besser machen müssen"

Wolfsburgs Waldschmidt: "Wir wissen, dass wir es besser machen müssen"

Marcel Westermann
Wolfsburger Allgemeine / Aller-Zeitung
Konnte die Erwartungen in Wolfsburg noch nicht erfüllen: VfL-Offensivmann Luca Waldschmidt.
Konnte die Erwartungen in Wolfsburg noch nicht erfüllen: VfL-Offensivmann Luca Waldschmidt. © imago images/regios24
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Luca Waldschmidt ist den Erwartungen beim VfL Wolfsburg noch nicht gerecht geworden. Im Interview spricht der Offensivmann unter anderem über die schwierige Hinrunde, seine Familie, Ernährung und Social Media.

Er war im Sommer von Benfica Lissabon zum VfL gewechselt und konnte die Erwartungen bislang noch nicht erfüllen: Bei Luca Waldschmidt ist noch viel Luft nach oben. Im SPORTBUZZER-Interview spricht der Offensivspieler des Wolfsburger Fußball-Bundesligist über die harte erste Saisonhälfte, die Bedeutung seines Vaters Wolfgang Waldschmidt, der selbst einst in der 2. Bundesliga kickte, und die immer größer werdende Belastung durch immer mehr Spiele.

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Herr Waldschmidt, hätten Sie vor Ihrem Wechsel zum VfL gedacht, dass Sie an Weihnachten aus der Champions League ausgeschieden sind und in der Liga gegen den Abstieg spielen?

Nein, ehrlich gesagt nicht. In der Liga sind wir richtig gut gestartet, hatten dann einen kleinen Knick drin. Nach dem Trainerwechsel haben wir wieder gut angefangen und hatten dann den nächsten Rückschlag. Und die Champions-League-Gruppe wäre machbar gewesen, da hatten wir es selbst in der Hand. Wir wissen, dass wir es besser machen müssen. Uns fuchst das am meisten.

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Warum?

Wir haben viel Qualität in der Mannschaft. Und wenn du weißt, die Qualität ist groß, aber die Mannschaft kann die Leistungen gerade nicht abrufen, dann tut es doppelt weh. Jeder muss wieder eine Schippe drauflegen, jeder muss für jeden kämpfen und als Team müssen wir eine Einheit sein.

Sind das Phasen, in denen Sie lieber einen anderen Job hätten? Es heißt, Sie wären früher gern Lehrer geworden.

Nein, ich mache meinen Job gern. Aber das war tatsächlich mal eine Idee. Meine Mutter ist Lehrerin, dementsprechend lag das nah. Aber ich musste mich nie wirklich entscheiden, weil ich zwei Monate vor dem Abitur meinen ersten Profi-Vertrag unterschrieben habe.

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Die Kindheit mit einer Lehrerin als Mutter dürfte nicht immer leicht gewesen sein…

(lacht) Das stimmt, es war aber auch eine Hilfe für mich in gewissen Fächern. Die Schule war im Teenager-Alter nicht das Schönste für mich. Mit 15 Jahren war ich im Internat. Wenn die Jungs dann an der Tür klopfen und sagen: Lass’ uns mal Playstation spielen, dann sagst du selten: Nein, ich muss jetzt lernen. Daher war es auch wichtig, dass meine Mutter da immer etwas hinterher war.


Welche Fächer wären es als Lehrer geworden?

Also auf jeden Fall Sport. Ansonsten habe ich ein Wirtschafts-Abitur gemacht. Das fand ich auch ganz spannend. Und eventuell eine Sprache.

Für welche Sportarten abseits des Fußballs interessieren Sie sich denn noch?

Ich spiele sehr gern Tennis. Golf gefällt mir auch ganz gut. Ich habe die Platzreife gemacht, das Handicap ist aber noch ausbaufähig (lacht). Ansonsten spiele ich im Sommer gern Volleyball mit meinen Kumpels, im Tischtennis bin ich immer für ein Match zu haben.

Der Fußball hat sich aber offenbar durchgesetzt…

Ja, ich war das erste Mal mit vier Jahren bei meinem Heimatverein im Training. Ich habe schon immer gern gegen den Ball getreten. Meine Mutter erzählt immer, Lego oder Playmobil wollte ich nie haben. Wenn ich einen Ball hatte, war ich glücklich.

Ihr erster Verein war der SSV Oranien Frohnhausen. Haben Sie noch Kontakt dorthin?

Mein Vater war dort noch lange Trainer. Ich selbst gern mal da, bin gern zu Hause. Wenn’s passt, schaue ich mir von Frohnhausen auch Spiele an. Im Sommer habe ich dort ein Fußball-Camp gemacht. Und alle Einnahmen wurden gespendet.

Wer war denn in Ihrer Laufbahn Ihr größter Förderer?

Mein Vater spielt da eine große Rolle. Ich habe viel mit ihm alleine trainiert und mit ihm gesprochen. Manchmal war meine Schwester meine Gegenspielerin. Meine Mutter hat sich um die Themen außerhalb des Fußballs gekümmert. Mein Opa hat mich nach Frankfurt zum Training gefahren. Die Omas haben das Essen gemacht, es gab Lunchpakete für die Fahrt (schmunzelt). Jeder hat viel dazu beigetragen, dass ich jetzt da angekommen bin, wo ich bin. Dafür bin ich sehr dankbar.

Ihre Schwester ist drei Jahre jünger, sie musste doch bestimmt das eine oder andere Mal zurückstecken…

Ja, schon ab und an. Sie ist aber bis heute viel und gerne dabei. Aber es war schon so, dass meine Eltern am Wochenende oft bei meinen Spielen waren. Ich weiß, dass ich da schon etwas den Vorzug erhalten habe. Aber weil ich genau das weiß, will ich meiner Schwester auch immer mal was zurückgeben. Sie hat mich damals unterstützt, jetzt unterstütze ich sie. Wir haben ein super Verhältnis.

Jetzt sind Sie in Wolfsburg angekommen. Was war Ihr erster Gedanke, als der Anruf vom VfL kam?

Ich habe mich gefreut, weil ich schnell raushören konnte, was der Verein vorhat. Damit konnte ich mich sofort identifizieren, weil es zu meinen Ambitionen passt.

Trotzdem lief es in der Hinrunde nicht optimal.

Ich denke, dass wir eine gute, entwicklungsfähige Mannschaft haben. Auch ich kann noch besser werden.

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Sie waren schon in Frankfurt, Hamburg und Lissabon. Was sagen Sie zu Wolfsburg?

Wolfsburg kann man mit diesen Städten nicht vergleichen. Es ist etwas überschaubarer, aber gemütlich. Ich fühle mich wohl, habe kurze Wege von zu Hause zum Trainingsgelände.

Weihnachten ist gerade vorbei. Mögen Sie diese besinnliche Zeit?

Ja, ich finde, Weihnachten ist ein besonderes Fest. Ich bin bei meiner Familie in der Heimat – also ein klassisches Weihnachten.

An Weihnachten wird bekanntlich viel gegessen, dabei heißt es, Sie achten sehr auf Ihre Ernährung…

Ich achte schon darauf, was ich esse. Aber an Weihnachten mache ich dann auch mal eine Ausnahme. Ich esse gern mal eine Schokolade. Das gehört dann auch dazu. Wir leben das ganze Jahr für den Fußball, um alles aus dem Körper rauszuholen. Da darf man, glaube ich, an Weihnachten schon mal ein bisschen genießen. Unsere Laufpläne haben wir, daher passiert da nicht viel (lacht).

Haben Sie einen eigenen Koch?

Nein, den habe ich nicht. Oft werden wir ja vor den Spielen oder rund ums Training versorgt. Ich gehe gern mal essen, aber koche auch selbst zu Hause. Ich bin kein großer Fleisch-Esser, versuche, Milchprodukte wegzulassen. Ich würde nicht sagen, dass ich vegan bin, aber ich achte darauf, weil es mir guttut. Es gibt viele gute und gesunde Alternativen.

Es gibt ja auch viele Koch-Tipps in den sozialen Netzwerken. Oder ist das nicht so Ihres?

Ich schaue schon gern in die sozialen Netzwerke. Hauptsächlich nutze ich Instagram.

Dann machen Sie auch das eine oder andere Kabinen-Selfie?

Eher selten (lacht). Es kommt auf die Situation an. Aber es gibt auch gewisse Grenzen. Es gibt Dinge, die bleiben in der Kabine. Aber ob ich ein Bild von mir auf der Couch oder aus der Kabine poste, macht für mich keinen großen Unterschied.

Bleiben wir in der digitalen Welt. Bei Fifa22 haben Sie eine Bewertung von 77. Sind Sie zufrieden damit?

Ehrlich gesagt, nein (lacht). Ich habe selbst auch noch nicht so oft gespielt. Eine Bewertung von 80 beim Schuss gehe ich mit, aber in Sachen Geschwindigkeit, Dribbling und Passspiel hätte es schon etwas mehr sein können. Aber das ist bei Fifa eine Endlos-Diskussion.

Was sind Ihre Ziele mit dem Verein?

Wir müssen eine gute Rückrunde spielen. Im Gegensatz zur Hinrunde wollen wir konstant unsere Leistungen bringen und möglichst viele Punkte sammeln. Das Wichtigste ist erst mal, dass wir – und dazu zähle ich mich auch – schnell den Schalter umlegen.

Den Schalter umlegen - auch mit Blick auf die Nationalmannschaft?

Auf jeden Fall will ich da wieder hin. Aber es bringt nichts, darüber zu reden. Wichtiger ist, dass ich im Verein meine Leistungen bringe. Das ist das Tagesgeschäft. Der Rest kommt dann.

Die Belastung wird im nächsten Jahr ohnehin hoch sein wegen der WM in Katar.

Das Anstrengende werden die Reisen sein. Darauf sollte man schon Acht geben. Es sollte nicht unnötig viele Spiele geben, die nicht unbedingt notwendig sind. Es gibt genug Wettbewerbe. Da jetzt noch Spiele reinzupacken, die nur dafür da sind, um noch etwas mehr Geld zu erwirtschaften, die brauchen wir nicht. Eine WM alle zwei Jahre würde für mich beispielsweise keinen Sinn machen.