05. Dezember 2020 / 18:38 Uhr

Wolfsburgs Weghorst: "Wenn wir eine Spitzen-Mannschaft wären, müssen wir dieses Spiel gewinnen"

Wolfsburgs Weghorst: "Wenn wir eine Spitzen-Mannschaft wären, müssen wir dieses Spiel gewinnen"

Engelbert Hensel, Marcel Westermann
Wolfsburger Allgemeine / Aller-Zeitung
Traf zum siebten Mal im siebten Spiel: VfL-Angreifer Wout Weghorst.
Traf zum siebten Mal im siebten Spiel: VfL-Angreifer Wout Weghorst. © Imago
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Nach drei Siegen in Folge musste sich der VfL Wolfsburg beim 1. FC Köln mit einem 2:2 begnügen. Das ärgerte Angreifer und Torschütze Wout Weghorst, denn aus seiner Sicht wäre am Samstagnachmittag mehr drin gewesen.

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Er hat momentan einen Lauf, aber für den vierten Erfolg in Folge hat sein Treffer am Samstag beim 1. FC Köln nicht gereicht: VfL-Torjäger Wout Weghorst sicherte seiner Mannschaft mit seinem Tor zum 2:2-Endstand immerhin noch einen Punkt beim 1. FC Köln. Damit blieb der Wolfsburger Fußball-Bundesligist auch im zehnten Spiel in Folge ungeschlagen, stellte damit einen vereinsinternen Start-Rekord auf und bleibt Fünfter mit Anschluss an die Champions-League-Ränge. Aber trotz seines Tores wirkte Weghorst hinterher nicht glücklich. "Wenn wir eine Spitzen-Mannschaft wären, müssen wir dieses Spiel gewinnen – ganz klar", sagte der Niederländer bei Sky.

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Wenn Weghorst trifft, verliert der VfL nicht - so war es in 16 von 17 Bundesliga-Spielen unter Trainer Oliver Glasner. Lediglich beim 2:3 gegen Werder im Dezember 2019 hatte der Sturm-Riese geknipst, Wolfsburg aber keinen Punkt geholt. Jetzt kam in Köln eine weitere Partie hinzu, in der Weghorst traf und der VfL immerhin einen Zähler holte. Kurz nach der Pause hatte Wolfsburgs Nummer 9 nach einer Flanke von Renato Steffen getroffen - wie schon auf Schalke und gegen Bremen per Kopf. Es war sein siebtes Tor im siebten Spiel, nur beim 1:1 bei Hertha BSC war er zuletzt leer ausgegangen. Und sieben Tore nach zehn Spielen, das haben bisher nur Wolfsburgs Ex-Stürmer Jonathan Akpoborie (1999/2000) und Edin Dzeko (2010/11) für den VfL geschafft.

<b>Koen Casteels</b>: Der Wolfsburger Schlussmann und Kapitän agierte bei den wenigen Offensivaktionen der Frankfurter souverän, beim Elfmeter machtlos.
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Koen Casteels: Der Wolfsburger Schlussmann und Kapitän agierte bei den wenigen Offensivaktionen der Frankfurter souverän, beim Elfmeter machtlos. - Note: 3 ©

Richtig freuen konnte sich Weghorst über seinen Treffer nach dem Schlusspfiff aber nicht. "Ich denke, das wir die bessere Mannschaft waren", sagte der Torschütze. "Leider verteidigen wir zweimal nach einem langen Ball nicht gut genug." Zunächst hatte Salih Özcan für Jan Thielmann das 1:0 der Kölner vorbereitet, kurz vor der Pause war die linke VfL-Seite nach einer geklärten Ecke komplett offen, Rückpass vom Ex-Wolfsburger Elvis Rexhbecaj auf Ondrej Duda - 2.1 für die Gastgeber. "Letzte Woche drei Schüsse, drei Tore, jetzt zwei Schüsse, zwei Tore – das darf eigentlich nicht passieren, andererseits haben wir Möglichkeiten, die wir auslassen", nahm sich Weghorst auch selbst in die Kritik. Vor dem frühen Rückstand war der VfLer frei vor FC-Torhüter Timo Horn aufgetaucht, an diesem jedoch gescheitert.

Trotz sechs Remis und vier Siegen und noch keiner Niederlage noch kein Spitzenteam - hat Weghorst Recht? "Ja, klar", sagt Manager Jörg Schmadtke. "Ein Stück weit schon. Wenn wir um Platz sechs herum spielen wollen, dann ist das okay, dann passt das alles. Wenn wir mehr wollen, dann musst du aus so einem Spiel mit einem Dreier herausgehen." Andererseits sei das ein Lernprozess. Die Mannschaft müsse lernen, mit solchen Situationen umzugehen, dass sie die Favoritenrolle hat. Schmadtke: "Das dauert, das ist nicht so einfach.“

Ähnlich sah es der Coach. Die Weghorst-Aussage zeige, "dass die Spieler sehr, sehr ehrgeizig sind", so Trainer Oliver Glasner, der direkt nach dem Spiel auch nicht so richtig wusste, ob er sich freuen oder ärgern soll. Die Defensivleistung seines Teams sei diesmal "nicht bei Hundert Prozent" gewesen, kritisierte der Österreicher. "Das ist das, warum wir uns alle ein bisschen ärgern. Denn es hat uns als Mannschaft über viele Wochen ausgezeichnet, sehr gut zu stehen und sehr konsequent zu verteidigen", sagte Glasner und fügte hinzu: "Ich denke, das hat Wout damit gemeint. Denn wir können nicht jedes Mal drei, vier oder fünf Tore schießen. Das wäre natürlich schön, aber es gibt einen Gegner, der da etwas dagegen hat." Sein Team müsse sich diese letzte Konsequenz in der Abwehr wieder "zurückholen. Wir werden im Training die richtigen Schwerpunkte setzen."

Aber nicht nur die Gegentore, auch das Auftreten in der Schlussphase hat Weghorst nicht gefallen, da hatte er sich noch mehr gewünscht. "Die letzten 15, 20 Minuten – da war das Spiel ein bisschen tot. Das verstehe ich nicht, denn ich glaube, dass wir sehr gut drauf sind, es ist schade, dass es nicht für drei Punkte gereicht hat", so der Stürmer, der jetzt bei insgesamt 40 Treffern in 76 Erstliga-Spielen für Wolfsburg steht und damit in der Bundesliga-Torjägerliste des Klubs an Ex-VfLer Andrzej Juskowiak vorbei auf Platz vier zog.