22. Februar 2021 / 21:16 Uhr

Wolfsburgs Zu-Null-Serie: Hildebrand macht sich keine Sorgen um seinen Rekord

Wolfsburgs Zu-Null-Serie: Hildebrand macht sich keine Sorgen um seinen Rekord

Marcel Westermann
Wolfsburger Allgemeine / Aller-Zeitung
Sein Zu-null-Rekord ist in Gefahr: Ex-Stuttgart-Keeper Timo Hildebrand (r.) weiß, dass VfL-Torhüter Koen Casteels seine Bestmarke jagt.
Sein Zu-null-Rekord ist in Gefahr: Ex-Stuttgart-Keeper Timo Hildebrand (r.) weiß, dass VfL-Torhüter Koen Casteels seine Bestmarke jagt. © Roland Hermstein
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Koen Casteels vom VfL Wolfsburg ist auf dem Weg, den Uralt-Rekord von Timo Hildebrand zu knacken - dafür müsste der Torhüter noch 308 Minuten ohne Gegentreffer bleiben. Noch eine recht lange Zeit, weiß auch der Ex-Stuttgarter, der ganz entspannt bleibt.

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Fast 18 Jahre ist es her, dass Timo Hildebrand mit dem VfB Stuttgart 884 Minuten ohne Gegentreffer geblieben war - jetzt greift VfL-Keeper Koen Casteels den Uralt-Rekord des ehemaligen deutschen Nationaltorhüters an. Bei 576 Bundesliga-Minuten steht der Belgier bereits. Sorgen um seine Bestmarke macht sich Hildebrand aber nicht, wenngleich er Wolfsburgs Fußballern einen neuen Top-Wert durchaus zutraut. Denn: "Die Mannschaft erinnert mich schon ein bisschen an unsere damals", sagt der heute 41-Jährige dem SPORTBUZZER.

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Sechs Liga-Spiele in Folge spielte der VfL zuletzt zu null - großen Anteil daran hat auch Casteels, der immer mal wieder mit starken Paraden glänzte. Sollte er am Samstag (15.30 Uhr) gegen Hertha BSC sowie anschließend bei 1899 Hoffenheim, gegen den FC Schalke 04 und dann noch 39 Minuten im Duell mit Werder Bremen ohne Gegentor bleiben, hätte der Schlussmann einen Rekord aufgestellt. Zittert Hildebrand jetzt, der seine Bestmarke saisonübergreifend in den Spielzeiten 2002/03 und 2003/04 in Diensten des VfB Stuttgart unter Ex-VfL-Trainer Felix Magath aufgestellt hatte? "Gar nicht. Weil es mir nicht wirklich wichtig ist", sagt der gebürtige Wormser. Er wache nicht jeden Morgen auf und erinnere sich, dass er den Rekord hält. "Dennoch ist es schön, dass der Rekord so lange Bestand hat. Aber Rekorde sind auch dafür da, um geknackt zu werden."

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Und darauf arbeitet Casteels jetzt hin, zusammen mit seinem Team. Denn, so weiß auch Hildebrand aus eigener Erfahrung, geht so etwas nur gemeinsam. "Wenn eine Mannschaft super funktioniert und jeder weiß, was er zu tun hat, ist es brutal viel wert", so der Ex-Nationalspieler. Diesen Eindruck hat er beim VfL. "Wolfsburg macht gerade einen richtig guten Job", lobt Hildebrand und sagt über seinen Kontrahenten zwischen den Pfosten: "Er ist gerade richtig stark. Ich habe ein paar Zusammenfassungen gesehen, wo er gut gehalten hat."

Aber es gibt nicht nur Lob von Hildebrand, er sieht sogar Parallelen zwischen den Wolfsburgern und seinem Team von damals. "Die Mannschaft erinnert mich schon ein bisschen an unsere Zeit", so der Ex-Torhüter, der zurzeit im erweiterten Vorstand einer Stuttgarter Hilfsorganisation sitzt und demnächst ein eigenes veganes Restaurant eröffnen möchte. Er führt aus: "Bei uns waren damals Marcelo Bordon und Fernando Meira in der Innenverteidigung. Wenn ein langer Ball kam, musste ich mich nicht wirklich fokussieren, weil ich wusste, dass sie den abräumen. So ähnlich ist es gerade mit Jay Brooks und Maxence Lacroix." Im defensiven Mittelfeld waren mit Zvonimir Soldo und Silvio Meißner zwei erfahrene Jungs im Aufgebot, auf den Außenverteidiger-Positionen mit Philipp Lahm und Andreas Hinkel große Namen. Die Abwehr war kompakt - so wie jetzt beim VfL. Hildebrand: "Sie spielen eine außergewöhnliche Saison. Wenn du hinten kein Gegentor bekommst und vorn Wout Weghorst hast, dann hilft das enorm."


Etwas gedulden muss sich Casteels bis zum Rekord aber noch. Als nächstes kann er erst mal in die Top Ten der längsten Zu-null-Serien in der Bundesliga klettern. Bleibt der Belgier gegen Hertha 26 Minuten ohne Gegentor, würde er Jens Lehmann (FC Schalke) überholen. Spielt er gar komplett zu null, würde Casteels bis auf Rang sechs springen und Torwart-Größen wie Uli Stein, Tim Wiese und Frank Rost überflügeln. In Bremen könnte es den Rekord dann geben. "Das wäre witzig", sagt Hildebrand, dessen Serie ausgerechnet durch ein fragwürdiges Tor in Bremen riss. "Mit dem Videoassistent hätte das Tor nicht gezählt, weil der Balll vorher im Aus war", sagt der Ex-Stuttgarter, der aber auch weiß: "Vier Spiele sind noch ein langer Weg..."