23. Juli 2020 / 11:21 Uhr

Würzburgs Dominic Baumann aus Nordsachsen: „Musst ein Teamplayer sein“

Würzburgs Dominic Baumann aus Nordsachsen: „Musst ein Teamplayer sein“

Redaktion Sportbuzzer
RedaktionsNetzwerk Deutschland
Markenzeichen Zungenjubel: Dominic Baumann bejubelt mit seinen Würzburger Teamkollegen einen Treffer.
Markenzeichen Zungenjubel: Dominic Baumann bejubelt mit seinen Würzburger Teamkollegen einen Treffer. © foto2press
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Dominic Baumann aus Nordsachsen ist mit den Kickers aus Würzburg in die 2. Fußball-Bundesliga aufgestiegen und erklärt im SPORTBUZZER-Interview den Erfolg.

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Wermsdorf/Würzburg. Ein waschechter Wermsdorfer ist mit den Würzburger Kickers in die 2. Fußball-Bundesliga aufgestiegen. Stürmer Dominic Baumann, 25, spricht im Interview über das Herzschlagfinale, eine schwere Verletzung und Heimatverbundenheit.

Glückwunsch zum Aufstieg mit den Würzburger Kickers in die 2. Bundesliga, Herr Baumann!

Herzlichen Dank.

Dramatik pur am letzten Spieltag in der 3. Liga – der Hallesche FC führt in Würzburg mit 2:1. Die reguläre Spielzeit ist abgelaufen – damit ist der direkte Aufstieg futsch. Wird man da langsam nervös?

Was heißt nervös, wir haben an uns geglaubt. Nach dem Strafstoßtor unseres Spielführers Sebastian Schuppan in der 93. Minute zum 2:2 war der Jubel natürlich riesig.

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Dieses Ergebnis bedeutete den direkten Aufstieg in die 2. Bundesliga. Danach war noch nicht Schluss. Das Spiel lief noch einige Minuten.

Vor dem Ausgleich wollten wir, dass die Nachspielzeit nie endet. Danach sollte sie so schnell wie möglich zu Ende gehen. Nach dem Abpfiff in der 97. Minute waren wir überglücklich.

Am 17. Spieltag standen die Rothosen auf Tabellenplatz 16. Denkt man da über einen Aufstieg nach?

Nicht unbedingt. Wir wussten, dass wir das Potenzial haben und wollten oben ranschnuppern. Damit haben wir allerdings nicht gerechnet, dass es so ausgeht.

Die coronabedingte Zwangspause und das straffe Restprogramm bis zum Saisonfinale hat das Team mit 23 Punkten in 11 Spielen gut gemeistert.

Wir haben in dieser Zeit extrem viel gearbeitet und hatten dann mit den Erfolgen auch den gewissen Flow, der uns in die 2. Liga getragen hat.

Sie hat es in der Hinrunde arg getroffen. Am 6. Spieltag beim Spiel in Braunschweig: Diagnose Knöchelbruch und lange Zwangspause. Wie verarbeitet man das mental?

Natürlich ist man erst einmal geschockt. Mein Ziel war, so schnell wie möglich wieder auf dem Platz zu stehen und der Mannschaft helfen zu können. Dem habe ich alles untergeordnet.

Nach der Winterpause waren Sie wieder fit und haben die erfolgreiche Rückrunde mitgespielt. Sie sind Stürmer, die werden oft an ihren Toren gemessen. Wie würden Sie Ihre Rolle auf dieser Position beschreiben.

Natürlich versuche ich selbst einzunetzen. Gleichzeitig erledige ich die Drecksarbeit und schaffe so die Räume für meine Mitspieler. Du musst ein Teamplayer sein, der dem Erfolg der Mannschaft alles unterordnet.

Dominic Baumann als F-Junior in Wermsdorf Anfang der 2000er (stehend 2.v.l.) mit Mannschaft und Gerd Roßberg (l.), Holger Lüderßen (Betreuer 2.v.r) und Trainer Matthias Winkler (rechts).
Dominic Baumann als F-Junior in Wermsdorf Anfang der 2000er (stehend 2.v.l.) mit Mannschaft und Gerd Roßberg (l.), Holger Lüderßen (Betreuer 2.v.r) und Trainer Matthias Winkler (rechts). © Privat
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Sie sind in Wermsdorf geboren und haben bis zu den E-Junioren beim FSV Blau-Weiß Wermsdorf am Fuße der Hubertusburg gekickt, sind dann in die Fußballwelt hinausgezogen. Hat sich Ihr Blick auf die Heimat verändert?

Ich blicke mit Dankbarkeit zurück und würde mich als sehr heimatverbunden bezeichnen. Hier leben meine Familie und meine alten Freunde. Vom Wohnhaus meiner Eltern sind es nur wenige Schritte bis zum Sportplatz an der Sachsendorfer Straße.

Wer waren Ihre Wermsdorfer Trainer?

Hartmut Bruder, Gerd Roßberg, Matthias Winkler und Roland Büchner haben mich bis zu den E-Junioren in Wermsdorf trainiert.

Sie kommen aus einer sportbegeisterten Familie. Ihr Bruder Jeremias und Ihre Schwester Helene spielen dort ...

Ich informiere mich natürlich über das Spielgeschehen und die Ergebnisse der Wermsdorfer Mannschaften. Auf der blau-weißen Vereinshomepage gibt es immer die aktuellen Nachrichten. Ein kleiner, aber feiner Verein, der eine tolle Arbeit leistet. Wenn ich in der Heimat bin, schaue ich mir die Spiele meiner Geschwister und der Männer an. Die Männer haben in den letzten Jahren im Amateurbereich einen Leistungssprung gemacht und spielen nun oben in der Nordsachsenliga mit – Kompliment an die Mannschaft.

Wie wichtig waren Ihre Eltern für Ihre sportliche Entwicklung?

Meine Eltern haben mich all die Jahre unterstützt. So wurde ich mehrfach in der Woche zum Jugendtraining nach Leipzig gefahren und auch wieder abgeholt. Ich bin meinen Eltern sehr dankbar.

Sportliche Familie: Dominic Baumann mit Vater Roccom Schwester Helene (spielt E-Junioren in Wermsdorf), Mutter Claudia und Bruder Jeremias (spielt A-Junioren in Wermsdorf).
Sportliche Familie: Dominic Baumann mit Vater Roccom Schwester Helene (spielt E-Junioren in Wermsdorf), Mutter Claudia und Bruder Jeremias (spielt A-Junioren in Wermsdorf). © André Kamm

Über die Stationen FC Sachsen Leipzig ging es für Sie als Nachwuchsspieler nach Dresden zur SG Dynamo.

In Leipzig und Dresden habe ich viel gelernt. Das Fußballinternat in Dresden war eine schöne Zeit. Auch die Selbstständigkeit und das eigenverantwortliche Handeln lernt man im Internat schneller (schmunzelt). Wir spielten damals mit den B- und A-Junioren in der höchsten deutschen Spielklasse. Ich durfte als Kapitän die Mannschaften führen.

Über die Zwischenstation 1. FC Nürnberg sind Sie 2017 zu den Würzburger Kickers gekommen und haben 117 Drittligaspiele bestritten. Jetzt warten nach dem Aufstieg neue Herausforderungen. Im Profifußball ist der Erfolgsdruck immens hoch. Beschäftigt Sie dieses Thema?

Natürlich ist der Druck da, aber den gibt es auch in anderen Berufen. Im Verein wird ruhig daran gearbeitet, die sportlichen Ziele zu erreichen.

Für welche Dinge im Leben sind Sie am dankbarsten?

Für die Unterstützung durch meine Familie und dass ich professionell Fußball spielen darf.

Was macht Ihnen an Ihrem Job am meisten Spaß?

Dass ich vor tausenden Zuschauern Fußball spielen darf. Ich hoffe, dass die Zuschauer in der kommenden Saison in den Stadien wieder mit dabei sein können.

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Wenn Sie einen Wunsch frei hätten – welcher wäre das?

Gesundheit ist wichtig – der Rest kommt von ganz alleine.

Wenn Sie sich nach Ihrer Fußballkarriere ein Land zum Leben aussuchen könntest. In welches würden Sie ziehen?

Deutschland – ich fühle mich sehr wohl hier.

Was würden Sie den jungen Nachwuchskickern raten, die in der Collmregion von einer Profikarriere träumen?

Fleißig trainieren, nicht aufgeben und nicht vergessen: Es gibt auch ein interessantes Leben neben und nach dem Fußball.

Interview: André Kamm