24. März 2022 / 10:02 Uhr

Wütende Indians: Wie gegen Deggendorf aus einem fairen ein giftiges Play-off-Spiel wurde

Wütende Indians: Wie gegen Deggendorf aus einem fairen ein giftiges Play-off-Spiel wurde

Stephan Hartung
Hannoversche Allgemeine / Neue Presse
Zwischen den Hannover Indians und Deggendorf fliegen im dritten Duell die Fetzen.
Zwischen den Hannover Indians und Deggendorf fliegen im dritten Duell die Fetzen. © Florian Petrow
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Diese Partie bedarf noch eines Rückblickes: Mit 1:2 unterlagen die Indians in Spiel drei dem Deggendorfer SC und sind dadurch im Play-off-Achtelfinale wieder ins Hintertreffen geraten. Doch wie konnte aus dieser umkämpften, aber fairen eine am Ende extrem giftige Partie werden?

Bereits am Freitag können in der Oberliga unter Beteiligung der Hannover Scorpions und Hannover Indians Entscheidungen fallen. Die Scorpions führen in ihrer Play-Off-Serie gegen den SC Riessersee mit 2:1, ein Sieg beim SCR würde den dritten nötigen Erfolg und den Einzug ins Viertelfinale bedeuten.

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Die Indians liegen gegen den Deggendorfer SC mit 1:2 zurück und müssen Freitag in Deggendorf gewinnen, um die Serie für ein entscheidendes Spiel fünf am Sonntag zurück nach Hannover zu bringen. Dass die Indians vor dem Saison-Aus stehen, war mit viel Diskussionen verbunden. Ein Fakten-Check vom giftigen Dienstagspiel vom Pferdeturm.

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Der Aufreger

Zweieinhalb Drittel lang war es ein umkämpftes, aber faires Play-off-Spiel. Beim Zwischenstand von 1:1 deutete alles auf eine erneute Verlängerung hin. Den Auftakt zu den Nickligkeiten setzte DSC-Routinier René Röthke. ECH-Keeper David Miserotti-Böttcher hatte einen Schuss von Lukas Miculka gehalten und die Fanghand auf der Scheibe, die Begegnung war abgepfiffen. Dennoch fuhr ihm Röthke, ohne in die Richtung geschubst zu werden, in den Schoner. Einen Angriff auf den Keeper - das geht im Eishockey gar nicht, schon gar nicht wenn wie in diesem Fall die Partie schon seit zwei Sekunden unterbrochen war. Indians-Verteidiger Nick Aichinger schnappte sich Röthke und lieferte sich mit ihm ein Handgemenge. Die Schiedsrichter Eugen Berger und John Laudan verwiesen aber nur Aichinger auf die Strafbank.

Der Grundsatz

Wie Gregor Brodnicki, ehemaliger DEL-Schiedsrichter und mittlerweile Ausbilder und Beobachter von Referees, im Gespräch mit dem SPORTBUZZER oft betonte: „Die Spieler sollen das Spiel entscheiden, nicht die Schiedsrichter.“ Mit der unverständlichen Strafenverteilung griffen die Schiedsrichter, die bis dahin das Spiel gut im Griff hatten, aber aktiv ins Geschehen ein - was man nicht tun sollte in einer solch umkämpften Partie und das alles elf Minuten vor Schluss. Nur neun Sekunden nach Beginn von Aichingers Strafe traf Thomas Pielmeier zum 1:2. Auf Vorarbeit von Röthke.

Die Folge

Die Partie geriet nun, bedingt durch den Aufreger zuvor, völlig außer Kontrolle - zumal die Deggendorfer scheinbar ihre grenzwertige Linie fortführten. DSC-Stürmer Niklas Jentsch foulte Robin Palka mit einem Kniecheck. Es folgte ein Handgemenge mit mehreren Spielern auf dem Eis - erneut mit aus Sicht der Indians, die trotz des Fouls gegen Palka plötzlich in Unterzahl agierten, falscher Strafzeitenverteilung. Kurz danach rammte Röthke Branislav Pohanka in die Bande - ohne Strafe. Balsam für die Seele der Indians-Fans: Jayden Schubert gewann den Faustkampf gegen den das Publikum provozierenden Pielmeier.

Die Chancenwertung

Schuld für das 1:2 sind nicht die Schiedsrichter, sondern die mangelnde Chancenverwertung. Erneut vergab der ECH beste Gelegenheiten. In den beiden Heimspielen gegen Deggendorf haben sie jeweils ein Tor erzielt - dann reicht es eben nicht. Ein wenig fehlte ihnen aber auch das Scheibenglück - das wiederum der DSC hat. Drei ihrer vier am Pferdeturm erzielten Tore gelangen ihn im Powerplay - und immer sprang die Scheibe von Schlägern, Beinen oder Helmen so ab, dass sie am Ende frei zum Einschuss bereit lag.