14. Januar 2022 / 10:50 Uhr

Wundertüte mit Potenzial: Das deutsche Handball-Team vor dem EM-Auftakt im Check

Wundertüte mit Potenzial: Das deutsche Handball-Team vor dem EM-Auftakt im Check

Jens Kürbis
Lübecker Nachrichten
Die deutschen Handballer starten am Freitag gegen Belarus in die Europameisterschaft.
Die deutschen Handballer starten am Freitag gegen Belarus in die Europameisterschaft. © IMAGO/Rene Schulz (Montage)
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Die deutschen Handballer starten in das Unternehmen EM. Was ist möglich für das junge Team? Bundestrainer Alfred Gislason zeigt sich vor Turnierstart zuversichtlich. Der SPORTBUZZER macht den Team-Check.

Es ist bitterkalt. Die Hände im wärmenden Parka versteckt, steht Alfred Gislason vor dem Hotel Lindner Bratislava. Drinnen in der für Medien und Fans zur Tabuzone erklärten Vier-Sterne-Herberge stimmen sich Deutschlands Handballer in den Etagen zwölf und 13 auf den EM-Start gegen Belarus an diesem Freitag (18 Uhr, ARD) ein, draußen steht der Bundestrainer einem Dutzend Journalisten Rede und Antwort. Ein um Almosen bettelnder Mann pirscht sich heran, ein hupendes Auto rollt direkt dahinter vorbei. In Pandemiezeiten ist vieles improvisiert, auch ein Pressegespräch. Ein Thema ist weiterhin die Nummer eins: Corona. Denn mit den Teams ist auch das Virus bei der EM angekommen.

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Polen, Deutschlands letzten Vorrundengegner, hat es am schwersten erwischt. Nach zwei Fällen im Vorfeld wurden jetzt fünf weitere Spieler positiv getestet.„Bei uns ist alles in Ordnung. Wir können uns in der Halle und im Hotel über nichts beschweren. Jeder läuft mit Maske herum. Das ist alles sehr professionell. Ganz anders als das, was man aus Ungarn hört“, sagt Gislason.Beim Co-Gastgeber wird die Umsetzung des Hygienekonzeptes anders interpretiert. "Wir waren alle fassungslos und sogar schockiert, als wir nicht maskierte Gäste gesehen haben, und dass wir am selben Ort wie andere Gäste essen“, schimpfte Frankreichs Superstar Nikola Karabatic über die Zustände in Szeged.

Serbiens Trainer Toni Gerona übte via Twitter Kritik: "Chaotische Organisation. Normale Gäste ohne Masken im selben Bereich mit den Teams, keine Tests für alle Teams, Verspätungen beim Test.“ Ähnliche Töne sind aus Budapest zu hören. Der europäische Verband EHF ist alarmiert.


Mit Weißrussland wartet zum Auftakt ein starker Gegner

Der erste Gegner: Minimalziel ist, die Vorrunde zu überstehen. Für Gislason ist der Auftakt gegen Belarus „wegweisend“. Der Isländer hat sein Team auf die Partie eingeschworen. Er warnt: "Die Weißrussen sind eingespielt, gerade die erste Sechs ist stark, ein Klasseteam. Die Spieler sind jede Woche in der Champions League aktiv.“ Für Gislason wird es ein 50:50-Spiel. Das deutsche Team: Neun Spieler sind EM-Debütanten, acht haben weniger als 15 Länderspiele. Es ist das jüngste, unerfahrenste DHB-Team, das in eine EM startet. Aber: „Die Stimmung in der Mannschaft ist anders als zuletzt bei der WM oder Olympia. Die Spieler freuen sich riesig, für Deutschland zu spielen. Sie brennen auf das Turnier“, sagte Gislason. "Vielleicht können wir die fehlende Erfahrung ein bisschen wettmachen durch den Spaß, den alle haben.“ Noch ist das deutsche Team aber eine Wundertüte: Man weiß nicht, was herauskommt.

Das Team im Check

Die Leistungsträger: Andreas Wolff (30) ist als Nummer eins gesetzt und in Topform. Und: Er ist erwachsener geworden. Nach dem EM-Triumph 2016 konnte er sich nur schwer mit der Nebenrolle abfinden. Jetzt gönnt der Ex-Wetzlarer dem Jetzt-Wetzlarer Till Klimpke (23/Schuhgröße 50) seine Einsatzzeiten. Der Erfolg steht und fällt mit den Torhütern. Auch mit der Rolle des Spielmachers. Im Klub in Magdeburg die zweite Geige, ist Philipp Weber bei Gislason Anführer. Leicht angeschlagen (Schulter), muss er seine seit 2018 viel beschriebene internationale Klasse nachweisen. Kapitän Johannes Golla und Patrick Wiencek (mit 32 der Älteste im Team) sind Weltklasse am Kreis.

Die Torjäger: Sebastian Heymann ist die Maschine auf links, der seine PS aber noch nicht auf die Straße bringt. Julius Kühn und Kai Häfner – die Europameister von 2016 – enttäuschten bei Olympia. Aber: Kühn war zuletzt in Melsungen in Topform, Häfner bei den Länderspielen.

Die Abwehrspezialisten: Julian Köster, mit 21 das Küken und Zweitligaspieler (Gummersbach), hat als Spitze in der 5:1-Abwehr ein gutes Raumgefühl. Simon Ernst könnte der „Aggressive Leader“ im Team werden. Die Flügelzange: Marcel Schiller (kaum Fehlwürfe, überragender Siebenmeterwerfer) und Timo Kastening (Gegenstoßspezialist) sind auf links und rechts gesetzt. Linksaußen Lukas Mertens vom Bundesliga-Tabellenführer SC Magdeburg ist das Athletikwunder und durch den Erfolg im Klub voller Selbstbewusstsein.