26. September 2020 / 15:20 Uhr

"xGoals"-Wert in der Bundesliga: Was bedeutet die TV-Einblendung?

"xGoals"-Wert in der Bundesliga: Was bedeutet die TV-Einblendung?

Redaktion Sportbuzzer
RedaktionsNetzwerk Deutschland
Die xGoals-Statistik bietet bessere Aussagekraft als die reine Torschuss-Statistik.
Die "xGoals"-Statistik bietet bessere Aussagekraft als die reine Torschuss-Statistik. © Getty Images/Bundesliga (Montage)
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In den Bundesliga-Übertragungen im TV ist immer häufiger vom sogenannten "xGoals"-Wert die Rede, nach Chancen oder Toren wird die "Torwahrscheinlichkeit" in Prozent angegeben. Doch was steckt dahinter? Der SPORTBUZZER klärt über das neue Tool der DFL und Amazon-Tochter "AWS" auf.

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Robert Lewandowski tankt sich durch die Abwehr. Plötzlich steht der Torschützenkönig der abgelaufenen Bundesliga-Saison frei vor dem gegnerischen Torwart. Lewandowski schießt – doch er spitzelt den Ball am Tor vorbei. Der Kommentator schreit: "Das war eine 100-prozentige Torchance" – doch das neue Statistik-Tool der Bundesliga belehrt ihn eines Besseren. Eine TV-Einblendung verrät, dass die "Torwahrscheinlichkeit" genau 68 Prozent betragen hatte. Statistiken wie diese sind inzwischen immer häufiger während der TV-Übertragungen der Bundesliga zu sehen. Teilweise wird neben dem aktuellen Ergebnis sogar noch ein alternativer "xGoals" ("Expected Goals")-Spielstand angezeigt. Doch was steckt dahinter?

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"xGoals": Was steckt hinter der Bezeichnung?

Seit dem 28. Spieltag der Saison 2019/20 liefert Amazon-Tochter "AWS" Bundesliga-Statistiken in Echtzeit. Zuvor kannten unter anderem Formel-1- und NFL-Fans "AWS"-Statistiken wie die "Überholwahrscheinlichkeit" nach einem Boxenstopp oder die erwartete Anzahl der erlaufenen Yards nach einem gefangenen Pass. Nun bietet auch die Bundesliga eine neue Form der Statistiken an – unter anderem neben der realtaktischen Formation eben den sogenannten "xGoals"-Wert.

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Doch wie kommt dieser "xGoals"-Wert zustande? Mithilfe von cloudbasierter Technologie, die mit historischen Daten von rund 40.000 Torschüssen "gefüttert" wurde, wird für jeden Schuss in einem Bundesliga-Spiel die Torwahrscheinlichkeit in Echtzeit berechnet. Grundlage für die Berechnung sind die Tracking-Daten zum Zeitpunkt des Schusses. Die Schussdistanz, der Schusswinkel, die Geschwindigkeit des Spielers, ob dieser beim Schuss in Bedrängnis war, wie viele Gegenspieler sich noch hinter dem Ball befinden, die Torabdeckung durch den Torwart – all dies fließt in Sekundenbruchteilen zusammen und ein Wert für die "Torwahrscheinlichkeit" entsteht – der Wert ist übrigens völlig unabhängig davon, ob ein Stürmer-Star wie Robert Lewandowski oder ein Abwehrspieler den Schuss abgegeben hat.

Ein Beispiel: Schießt ein Spieler aus über 30 Metern in arger Bedrängung auf das Tor, dürfte die "Torwahrscheinlichkeit" in der Regel nicht über einem Prozent liegen – und damit deutlich niedriger als etwa bei einem Elfmeter, der eine feste "Torwahrscheinlichkeit" von 76 Prozent besitzt.

"Expected Goals": Torwahrscheinlichkeiten in der Bundesliga

Anhand der aufsummierten Torwahrscheinlichkeiten (68%+32%+22%=122%=1,2) entsteht dann eine Dezimalzahl, der sogenannte "xGoals"-Wert. Als Beispiel zur Veranschaulichung der "xGoals"-Statistik führt die Bundesliga das Spiel zwischen dem FC Bayern und Borussia Mönchengladbach vom 31. Spieltag der Saison 2019/20 an, das der FCB mit 2:1 gewann. Beim "xGoals"-Wert lagen allerdings die Gladbacher (2,3) im Vergleich mit den Bayern (2,0) vorn. Die "xGoals"-Statistik zeigt dem Fan also, dass Gladbach die besseren Torchancen hatte und statistisch gesehen die überlegene Mannschaft war.