10. Dezember 2022 / 09:00 Uhr

Youri Djorkaeff über Kylian Mbappé, Jude Bellingham und das WM-Duell zwischen Frankreich und England

Youri Djorkaeff über Kylian Mbappé, Jude Bellingham und das WM-Duell zwischen Frankreich und England

Alexis Menuge 
RedaktionsNetzwerk Deutschland
Ex-Frankreich-Star Youri Djorkaeff (M.) schwärmt von Kylian Mbappé und Jude Bellingham.
Ex-Frankreich-Star Youri Djorkaeff (M.) schwärmt von Kylian Mbappé und Jude Bellingham. © Getty Images/IMAGO/MB Media Solutions (Montage)
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Der ehemalige französische Nationalspieler Youri Djorkaeff blickt im SPORTBUZZER-Interview auf das WM-Viertelfinale zwischen der "Équipe tricolore" und England. Dabei schwärmt er von Kylian Mbappé und Jude Bellingham. 

Am 12. Juli 1998 wurde Youri Djorkaeff beim Turnier im eigenen Land Weltmeister – es war der erste Triumph der Franzosen. Zwei Jahre später holte der ehemalige Spielmacher, der von 1999 bis 2002 beim 1. FC Kaiserslautern unter Vertrag stand, mit "Les bleus" den EM-Titel in Belgien und den Niederlanden. Vor dem WM-Viertelfinale der "Équipe tricolore" in Katar ge­gen England (Samstag, 20 Uhr/ZDF und MagentaTV) analysiert Djorkaeff im Interview mit dem SPORTBUZZER, dem Sportportal des RedaktionsNetzwerks Deutschland (RND), den Titelverteidiger.

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SPORTBUZZER: Youri Djorkaeff, wie beurteilen Sie die bisherigen Auftritte der Franzosen?

Youri Djorkaeff (54): Obwohl es vor dieser Weltmeisterschaft kaum Vorbereitung gab, sind die Franzosen sehr schnell mit ei­nem guten Eindruck ins Turnier gestartet. Es war wichtig, gleich im ersten Spiel gegen Australien (4:1, d. Red.) mit einem hohen Sieg zu starten und ein starkes Zeichen zu senden, nachdem die Tage vor dem WM-Anpfiff schwer zu bewältigen waren.

Sie spielen auf die vielen Ausfälle an?

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Natürlich. Ich meine die Verletzungen von Top-Spielern wie Karim Benzema, Christopher Nkunku, Paul Pogba oder N’Golo Kanté. Dazu kam dann noch der Kreuzbandriss von Lucas Hernandez gegen Aus­tra­li­en. Dass die Elf von Didier Des­champs solche Rückschläge so gut wegstecken konnte, spricht für den Charakter und den Zusammenhalt dieser Truppe, die als eine echte Einheit auftritt. Insofern fand ich es im Nachhinein fast einen Vorteil für Frankreich, dass es keine Vorbereitung gab.

Warum?

Ich persönlich habe in meiner Karriere an zwei Welt- und zwei Europameisterschaften teilgenommen. Damals waren wir zwei bis drei Wochen im Trainingslager, bevor das Turnier überhaupt begann. Während dieser langen Vorbereitung war es jedes Mal so, dass sich noch mehrere verletzten und das Turnier verpassten. Und es gab Spieler, die in ihren Klubs eine Weltklasseleistung nach der anderen gezeigt hatten und dann in den Tagen vor dem ersten WM-Spiel immer mehr ins Grübeln kamen, weil sie nicht wussten, ob sie von Anfang an spielen würden. Für das Binnenklima war diese Konstellation nicht positiv.

Was erwarten Sie vom Knaller Frankreich gegen England?

Frankreich ist der Favorit, aber sie werden mit viel Tempo und Kreativität agieren müssen, um diese defensiv gut eingestellte englische Elf zu bezwingen. Aber wenn es sein Potenzial ausschöpft, wird sich Frankreich fürs Halbfinale qualifizieren.

Sie würden die Startelf nach dem Spiel gegen Polen beibehalten?


Ja, weil ich dort feststellen konnte, dass ein Adrien Rabiot, ein Antoine Griezmann, ein Olivier Giroud in bestechender Form und noch sehr gierig sind. Man darf nicht plötzlich defensiv agieren, bloß weil der Gegner England heißt, sondern muss mutig und sich selbst treu bleiben. Frankreich respektiert zwar England, hat aber sicherlich keine Angst.

Worauf wird es in dieser engen Partie ankommen?

Der Schlüssel wird im Mittelfeld liegen: Wenn Aurélien Tchouaméni und Rabiot so auftreten wie bisher in diesem Turnier, dann bin ich optimistisch, dass Frankreich siegen wird. Ich freue mich auf heiße Duelle, vor allem auch mit Jude Bellingham, einem der kommenden Weltstars, der mir in Katar richtig gut gefällt.

Was zeichnet ihn aus?

Bellingham überragt im englischen Mittelfeld durch seine Dynamik, sein Tempo und seine starke Persönlichkeit. Er steht vor einer tollen Zukunft, ganz sicher.

Dayot Upamecano vom FC Bayern ist einer der großen Gewinner im französischen Team: Vor der Weltmeisterschaft galt er als Ersatzspieler, hat aber seine Chance genutzt. Wie sehen Sie seine Entwicklung?

Er verfügt über ein hervorragendes Potenzial, er ist bereits sehr weit in seiner Entwicklung und beim FC Bayern hat er zuletzt viel Erfahrung sammeln können. Er ist mit Sicherheit auf einem sehr guten Weg, auch wenn die Konkurrenz auf seiner Position in der "équipe de France" wahnsinnig stark ist. Aber momentan gibt es für Didier Des­champs gar keinen Grund, Upamecano aus seiner Stammelf zu nehmen.

Ist Kylian Mbappé der beste Spieler bei dieser WM?

Für mich ist Kylian der beste Spieler der Welt – und nicht erst seit seiner Glanzleistung gegen Polen. Was mir bei ihm am meisten imponiert, ist seine Fähigkeit, auf das Wesentliche fokussiert zu bleiben, obwohl er permanent im Mittelpunkt steht. Mit 23 Jahren ist er bereits sehr reif und ein kompletter Spieler, der alle Facetten des modernen Fußballs vereint. Auch seine Schusstechnik ist schlicht sensationell. Wie er dieses Talent hat, im Stehen eine solche Schusskraft zu erzeugen wie gegen Polen, ist schon eine Augenweide.

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