20. November 2020 / 19:12 Uhr

Yussuf Poulsen und RB Leipzig: „Hier gab es immer wieder neue Herausforderungen“

Yussuf Poulsen und RB Leipzig: „Hier gab es immer wieder neue Herausforderungen“

Elena Boshkovska
Leipziger Volkszeitung
AUGSBURG, GERMANY - OCTOBER 17: Leipzig's Yussuf Poulsen celebrates his 0-2 goal during the German Bundesliga soccer match between FC Augsburg and RB Leipzig at WWK-Arena on October 17, 2020 in Augsburg, Germany. (Photo by Lukas Barth-Tuttas - Pool/Getty Images)
Seit sieben Jahren ist er schon bei RB Leipig: Yussuf Poulsen ist Leistungsträger und Identifikationsfigur. © 2020 Getty Images
Anzeige

Sieben Jahre ist Yussuf Poulsen nun schon Teil der Profi-Mannschaft von RB Leipzig, hat zwei Aufstiege mit den Roten Bullen gefeiert und ist zur Identifikationsfigur geworden. In einer Doku, die der Bundesligist auf den vereinseigenen Kanälen veröffentlichte, spricht der Däne über seine Anfangszeit, Höhen und Tiefen sowie das, was noch kommen soll.

Anzeige

Leipzig. „Ich kam am 4. Juli 2013 an“, erinnert sich Yussuf Poulsen an seinen ersten Tag in Leipzig. „Meine Mutter und meine Schwester waren mit dabei.“ Er habe erst den Medizincheck absolviert. Der letzte Test sei in der RBL-Akademie gemacht worden, danach musste er zurück in die Innenstadt, um den Vertrag zu unterzeichnen. Denn damals seien die Büros von RB Leipzig noch nicht am Cottaweg gewesen.

Anzeige

„Für mich war es sehr aufregend. Ich kam an und konnte kein Deutsch.“ Im Kader gab es damals wenige Spieler, die Englisch sprachen, oder doch nicht?. „Sie haben sich eher nicht getraut. Ich habe dann später herausgefunden, dass sie eigentlich alle Englisch konnten, sich aber nicht getraut haben“, lacht der Däne. Er sei einer von zwei Ausländern gewesen. Eigentlich gab es mehrere, aber: „Die anderen Ausländer waren alle Schweizer oder Österreicher und konnten dadurch alle Deutsch sprechen.“ Am Anfang sei es ihm deshalb sehr wichtig gewesen, die Sprache zu lernen. „Damit ich ein Teil der Kabine sein konnte und nicht nur der kleine Junge, der in der Ecke trainiert und danach wieder nach Hause geht.“ Für ihn sei die soziale Integration in die Mannschaft von besonderer Bedeutung.

DURCHKLICKEN: Das Yussuf-Poulsen-ABC

<b>A - Abwehrspieler:</b> In der Jugendmannschaft von BK Skjold in Kopenhagen begann Poulsen im Jahr 2000 das Fußballspielen – als Abwehrspieler. Erst später setzte ihn sein Trainer im Sturm ein. Rückblickend eine weise Entscheidung. Zur Galerie
A - Abwehrspieler: In der Jugendmannschaft von BK Skjold in Kopenhagen begann Poulsen im Jahr 2000 das Fußballspielen – als Abwehrspieler. Erst später setzte ihn sein Trainer im Sturm ein. Rückblickend eine weise Entscheidung. ©

Von der 3. Liga bis ins Oberhaus

262 Einsätze von der Dritten Liga bis zur aktuellen Spielzeit in der Bundesliga hat der 26-Jährige im RB-Trikot schon hinter sich, stand mehr als 300 Stunden für die Roten Bullen auf dem Rasen. Zweimal hat er mit ihnen den Aufstieg geschafft und Vereinsgeschichte mit seinen Teamkollegen geschrieben. Nicht zuletzt in der vergangenen Spielzeit, als RB Leipzig das Halbfinale der Champions League erreichte.

„Ich habe ja auch schon in Dänemark Profifußball gespielt“, erzählt Poulsen und meint ein paar Einwechslungen in der ersten Liga und ein ganzes Jahr in der zweiten. „Aber in einem so schönen und großen Stadion wie der Red Bull Arena hatte ich zu der Zeit noch nie gespielt.“ Bei den ersten Partien sei lediglich eine Tribüne voll gewesen. Einige Zuschauer hätten auch auf der Haupttribüne gesessen. „Aber der Rest war leer. Erst nach und nach kamen in der Saison mehr Fans dazu.“ Beim Heimspiel gegen Darmstadt (1:0) und beim Aufstiegsspiel gegen Saarbrücken (5:1) sei das Rund dann ausverkauft gewesen.

Aufstiegsfeier in der Kabine „gehört dazu“

Von der dritten also in die zweite Liga und zwei Jahre später der Aufstieg ins deutsche Oberhaus. „Wir haben gegen Karlsruhe 2:0 gespielt. Emil hat das 1:0 gemacht, Halste das 2:0. Ich glaube sogar, beide in der zweiten Hälfte“, erinnert sich der Däne ans Spiel, dass den Einzug in die Bundesliga sicherte. Beim zweiten Treffer sei der Aufstieg für alle mehr oder weniger klar gewesen, sagt Poulsen. „Die ganze Bank hat mitgejubelt. Das war schon ein Highlight. Und die Euphorie im Stadion danach.“ Auch in den Katakomben ging es hoch her. „So sauber, wie die Kabine jetzt ist, war sie nach dem Spiel damals nicht. Alles war voller Bier“, lacht er. „Aber das war schon lustig und gehört dazu.“ Nach dem Spiel fuhren die Roten Bullen mit einem oben offenen Bus durch die Stadt.

An die Aufstiegsfeier auf dem Leipziger Markt einige Tage später denkt der 26-Jährige natürlich ebenfalls gern zurück. „Am Marktplatz waren schon mehr Leute als zuvor im Stadion. So 40.000 bis 50.000 waren es schon, glaube ich. Ich erinnere mich, dass ich nachher gehört habe, dass Menschen auch nach Hause gehen mussten, weil einfach kein Platz mehr war.“

DURCHKLICKEN: So schön war der Aufstieg 2016

Mit einem Sieg gegen den Karlsruher SC machte RB Leipzig am 8. Mai 2016 den Aufstieg ins deutsche Fußball-Oberhaus perfekt. (@ dpa) (4) Zur Galerie
Mit einem Sieg gegen den Karlsruher SC machte RB Leipzig am 8. Mai 2016 den Aufstieg ins deutsche Fußball-Oberhaus perfekt. (@ dpa) (4) ©

„Jedes Jahr etwas Neues und Größeres erreicht“

„Dass wir jedes Jahr etwas Neues und etwas Größeres erreicht haben, zeigt den Weg von RB Leipzig und auch meinen ganz gut.“ Immer wieder habe man neue Highlights gehabt. Eines davon ist für Poulsen der 1:0-Heimsieg gegen Borussia Dortmund in der Saison 2016/17: „Wir hatten gefühlt 80 Minuten lang den Ball nicht“, lacht er. „Aber wir haben wirklich nichts zugelassen und eigentlich ein Topspiel geliefert, was die Defensive betrifft.“ Das 1:0 machte damals Naby Keita aus einer Kontersituation heraus. „Das ist, was mir am meisten in Erinnerung geblieben ist aus diesem Jahr. Und es war für uns ein Ausgangspunkt für das, was wir dann über das ganze Jahr geleistet haben.“

Der Däne fühlt sich wohl im Team und der Stadt „Ich habe meine eigenen Ziele und ich habe Ziele mit dem Verein. Ich tue alles dafür, dass wir als Mannschaft gut auftreten und gute Ergebnisse holen. Das steht für mich immer an erster Stelle.“ Sich über die Mannschaft zu stellen, sei nicht seine Art. Dass Höhen und Tiefen zum Fußball dazugehören, ist ihm sehr bewusst. Aber er sei ein positiv denkender Mensch, stets optimistisch. „Es gab noch nie einen Moment, in dem ich gedacht habe, dass ich etwas nicht schaffe.“

Mehr zu RB Leipzig

Ziel sei es, immer wieder Champions League zu spielen, im europäischen Fußball gute Leistungen zu bringen und sich daran zu gewöhnen, jede Woche zweimal zu spielen. „Hier gab es immer wieder neue Herausforderungen. Und wenn du das hast, kannst du den Leuten immer wieder etwas Neues bieten. Das hat RB Leipzig uns allen geboten. Deshalb sind so viele hier auch so lange geblieben.“ Poulsen selbst hat in diesem Jahr seinen Vertrag bei den Roten Bullen vorzeitig bis 2024 verlängert. „Leipzig hat für mich einen sehr hohen Stellenwert. Deshalb habe ich mir nicht viele Gedanken über die Verlängerung gemacht.“ Er freue sich auf die Zukunft und neue Aufgaben.