08. November 2020 / 09:37 Uhr

Zahlen lügen nicht: Neuer Däne Phillip Bruggisser ist der Hammer-Mann der Grizzlys Wolfsburg

Zahlen lügen nicht: Neuer Däne Phillip Bruggisser ist der Hammer-Mann der Grizzlys Wolfsburg

Jürgen Braun
Wolfsburger Allgemeine / Aller-Zeitung
Phillip Bruggisser von den Grizzlys Wolfsburg wŠhrend des Trainings am 07.09.2020 in Wolfsburg, Deutschland. (Foto von Mathias Renner/City-Press GmbH)
Schussstarker Verteidiger : Grizzlys Zugang Phillip Bruggisser. Der Däne war zuvor bei den Krefeld Pinguinen. © City-Press GmbH/Grizzlys Wolfsburg
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Mit einem Knalleffekt betrat er die deutsche Eishockey-Bühne, auf seine Knall-Effekte hoffen die Grizzlys Wolfsburg in der neuen DEL-Saison. Zuvor wartet auf Phillip Bruggisser aber erst einmal das Wiedersehen mit seinem Ex-Klub im MagentaSport-Cup.

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In einer Woche wollen acht DEL-Klubs wieder ins Geschehen einsteigen - mit dem Magentasport-Cup. "Wir sind ziemlich gespannt, freuen uns drauf, leider ohne Fans, aber dennoch ist es eine gute Sache", glaubt Phillip Bruggiser. Der Däne verstärkt die nordeuropäische Fraktion bei den Grizzlys, zu der neben Mathis Olimb, dem Norweger, der schon da war, noch Matti Järvinen (Tampere/Finnland) und Max Görtz /Malmö/Schweden) zählen. Auch wegen der Corona-Situation und ihrer unwägbaren Folgen hatte Wolfsburgs Manager Charly Fliegauf verstärkt auf die europäische Karte bei Imports gesetzt, mit Bruggisser kam zudem ein Akteur mit DEL-Erfahrung. In zwei Jahren für Krefeld absolvierte er dort alle Pflichtspiele.Der Blick auf die Statistik erklärt, was ihn zudem interessant macht: neun Tore und 27 Vorlagen standen in seiner ersten DEL-Saison auf dem Konto, 13 Tore und 18 Vorlagen in der zweiten.

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"Ich bin ein Spieler mit spezifischen Eigenschaften", umschreibt Bruggisser seine Eigenschaften vorsichtig. Die Wahrheit ist: dieser Däne kann schießen. Zahlen lügen nicht. Die Torausbeute spricht für sich, von der blauen Linie ist Bruggisser eine Gefahr. 13 Hauptrundentore eines Verteidigers - das gab es bei den Grizzlys mal 2008/09 durch Jan-Axel Alavaara. Nach dem Schweden, heute Sportdirektor bei den Adlern Manheim gab es derlei Schussstärke nicht mehr in Schwarz-Orange. Robbie Bina brachte es zwar zweimal auf elf Treffer, zu dessen Spezialitäten zählte es jedoch, die sogenannte Backdoor zu nutzen, im richtigen Moment vorzufahren, um dann ungedeckt Querpässe einzunetzen.

Ein Schuss mit 160 Sachen

Bruggisser wiederum ist ein echter Blueliner. 2018 machte er auf sich aufmerksam, als er den DEL-Skills-Wettbewerb vor der Saison in der Kategorie "Hammer" gewann, den Puck mit sagenhaften 160 km/h versenkte. "Das war natürlich cool", erinnert sich der 29-Jährige gern daran. "Denn ich kam ja in eine neue Liga, von der ich wusste, dass sie stärker, professioneller sein wird, als die dänische. Das war natürlich gut fürs Selbstvertrauen." In Krefeld gab man dem dreifachen WM-Teilnehmer dann gleich viel Vertrauen und Verantwortung, machte ihn zu Kapitän. "Das war eine interessante Erfahrung, macht mich stolz, zum Glück hatte ich aber viel Unterstützung durch Torsten Ankert, der ja aus Wolfsburg gekommen war. Denn wenn man die Landessprache kaum spricht, ist manches schwierig." Dementsprechend, so gibt er zu, "war ich dann nicht unglücklich, dass Torsten dann im zweiten Jahr Kapitän war, zumal es ja auch eine Saison mit vielen Problemen war." Gesellschafterwechsel, das Tauziehen um die Übernahme der Anteile, Finanzprobleme - bei den Pinguinen gab es das volle Programm. Zumindest Bruggissers sportliche Bilanz war in Ordnung. Er ist inzwischen in der DEL eine feste Größe, so wie er es in Dänemark und in der dänischen Nationalmannschaft war. In Schweden hatte sich Bruggisser auch versucht, über die 2. Liga kam er dort nicht hinaus. "Da war ich jünger, aber vielleicht hat mir das schwedische Spiel auch nicht so gepasst."

Der Verteidiger mag Fußball und ist ein Liverpool-Fan

Das nordamerikanischer geprägte Spiel in der DEL passt ihm, "faszinierend" findet er außerdem, was auf den Rängen abgeht. "Diese Fankultur mit Gesängen und immer ziemlich vollen Stadien, das ist schon besonders", schwärmt er. "Schade, dass wir das jetzt nicht haben können." Dennoch sei er froh, dass es wieder losgehe. Im zweiten Spiel des Magentasport-Cups wartet am Dienstag, 17. November Krefeld als Dastgeber. "Da bin ich schon gespannt drauf".

Gespannt ist er aber auch auf sein neues Team, "denn ich glaube, wir haben eine starke Mannschaft, es sieht gut aus. Und ich hoffe, dass ich meinen Teil beitragen kann." Was seine Torquote angeht, betont er: "Es kommt nicht immer auf die Schusshärte an. Und ohne die harte Arbeit der Mitspieler vor des Gegners Tor kann man von der blauen Linie keine Tore machen. Was der Torwart sieht, das hält er." Aber die Schüsse müssen auch halbwegs vernünftig kommen. Und da haben die Grizzlys nun eine Option mehr. Eine Option, die nicht nur auf dem Eis gut zielen kann. Der Verteidiger spielt schon lange Golf, sein Handicap von 6 ist ziemlich gut. "Ich habe in Dänemark schon viel gespielt." Natürlich war er inzwischen auch hier, unter anderem mit Teamkollegen wie Fabio Pfohl, schon in Bokensdorf auf dem Golfplatz." Als bekennender Fan des FC Liverpool steht er auch auf Fußball, "würde gerne mal ein Spiel in Wolfsburg sehen". Die Wolfsburger Fußballer hat er derweil sogar schon gesehen - vergangene Saison in Dortmund, als er mit Krefelder Teamkollegen, "dieses Wahnsinnsstadion" beim Spiel des BVB gegen den VfL erlebte. Dass er mal in Wolfsburg spielen würde, wusste er da noch nicht.

Bruggisser bekommt Rückennummer 91, ist ein Rechtsschütze. Sein aktives Hobby ist Golf (Handicap 6), er ist ledig.