01. April 2021 / 21:50 Uhr

Zahnlose Grizzlys auf Talfahrt: Späte 1:2-Pleite in Nürnberg

Zahnlose Grizzlys auf Talfahrt: Späte 1:2-Pleite in Nürnberg

Jürgen Braun
Wolfsburger Allgemeine / Aller-Zeitung
Wolfsburgs 34-Chet Pickard (rechts vorne) fängt hier den Puck vor Nürnbergs 11-Chris Brown.

Foto: ISPFD
Am Ende war er doch geschlagen: Hier pariert Chet Pickard gegen Nürnbergs Chris Brown. Doch der überwand ihn noch, genau wie später Daniel Schmölz. Und so verloren die zahnlosen Grizzlys bei den Nürnberg Ice Tigers mit 1:2. Die als Ziel erklärte Play-Off-Teilnahme gerät damit immer mehr in Gefahr. © ISPFD
Anzeige

Im Kampf um einen Play-Off-Platz wird es für die Grizzlys Wolfsburg immer enger. Es setzte am Donnerstag beim 1:2 in Nürnberg die fünfte Schlappe in den vergangenen sechs Partien für den niedersächsischen Eishockey-Erstligisten.

Anzeige

Die zahnlosen Grizzlys aus Wolfsburg. In den vergangenen sechs Spielen gab es nur einen Sieg und insgesamt nur sieben Tore. Der Abschluss ist katastrophal.

Anzeige

Am Donnerstag reichte es auch nur zu einem Treffer. Matti Järvinen hatte die Gäste beim abgeschlagenen Süd-Schlusslicht Nürnberg Ice Tigers sogar in Führung gebracht - doch am Ende hieß es 2:1 (0:1, 1:0, 1:0) für die Gastgeber, die in der vorletzten Minute für die Entscheidung sorgten. Am Sonntag (17 Uhr) kommt Nürnberg nach Wolfsburg. Die Grizzlys liegen nur zwei Punkte hinter dem Dritten, sind aber nur noch durchs Torverhältnis getrennt vor der Düsseldorfer EG, die den fünften und damit ersten Nicht-Play-Off-Platz bekleidet. Und die Kölner Haie liegen auch nur noch drei Punkte zurück.

Personal

Nach einigen Nackenschlägen in Serie gab es mal Erfreuliches: Jeff Likens, der gegen Augsburg gefehlt hatte, hatte die Folgen des Checks, den er beim 3:1 in Ingolstadt eingesteckt hatte, offenbar überwunden, war in seinem 749. DEL-Spiel mit von der Partie. Auch Stürmer Toto Rech, der kurz vor Schluss gegen Augsburg nach einem Sturz mit einer Kopfverletzung ausgeschieden war, konnte spielen. Somit fehlten nur Fabio Pfohl und Ryan Button (beide Saison-Aus) und weiterhin Garrett Festerling (undefinierte Unterkörperverletzung). Die Grizzlys hatten damit alle Ausländer zur Verfügung. Überzählig zuschauen musste Jordan Boucher. Janik Möser rückte als zwölfter Stürmer aus der Abwehr in den Sturm.

Beim Lieblingsgegner (gegen keinen Konkurrenten gewann Wolfsburg öfter) wurde es eine verhaltene Partie. Der Süd-Letzte checkte längst nicht so aggressiv vor wie zuletzt Augsburg oder Mannheim, hatte etwas mehr vom Spiel, kam gegen die gut sortierte Grizzlys-Defensive zwar zu einigen Schüssen, aber zu keiner klaren Chance. Das Team von Trainer Pat Cortina ließ sich wie gewohnt Zeit, um sicher in einen schnellen Angriff überzugehen. Die Rechnung ging erst einmal auf. Max Görtz zog ums Tor, fand Järvinen am rechten Bully-Kreis, der zog schnell ab - 1:0 für Wolfsburg. Die Action blieb überschaubar, die einzige weitere dicke Chance hatte Wolfsburg: Rech scheiterte nach seinem tollen Sprint in eine Top-Vorlage von Pekka Jormakka an Nürnbergs Keeper Niklas Treutle.

Nürnberg wurde munterer, Brett Pollock tanzte sich mal durch, schoss aber vorbei. Im Gegenzug hatte Gerrit Fauser eine Riesenchance, scheiterte am Nürnberger Keeper. In der ersten Überzahl sprang nichts raus, Nürnberg hatte direkt danach auch ein Powerplay - und nutzte es. Chris Brown hatte etwas Platz im Slot beim Zuspiel und traf. Wolfsburgs Verteidiger Maximilian Adam brachte es in der zweiten Pause auf den Punkt: "Mir hat die erste Hälfte des Spiels nicht gefallen. Wir müssen den Puck besser kontrollierGerrit fauseren, auf die letzten fünf Minuten können wir aufbauen." Denn nach dem Ausgleich wurden die Niedersachsen viel aktiver, drängten, aber Phil Hungerecker scheiterte an Treutle und Fauser schließlich fand völlig frei und unbedrängt auch in Treutle seinen Meister.

Pollock zwang Chet Pickard früh im letzten Drittel zu einer Glanzparade, dann aber übernahm Wolfsburg mehr und mehr das Kommando. Doch Treutle zeigte einige gute Paraden, behielt auch im zweiten Wolfsburger Powerplay kühlen Kopf, hatte einmal Glück, dass Görtz aus guter Position zu ungenau und genau auf ihn schoss. Ein guter Schuss von Bittner wurde von einem Verteidiger geblockt. Nürnberg hatte kurz vor Schluss der regulären Zeit eine gute Phase und Wolfsburg Glück, als ein Hammer von Brown langsam den Weg durch Pickards Schoner fand, aber abgepfiffen wurde (Schiris sahen den Puck nicht mehr), bevor die Scheibe die Linie überquerte. Wolfsburg drängte noch einmal, Fauser scheiterte an Treutle, bekam die Scheibe mit der Rückhand nicht an ihm vorbei.

Und dann schlug Nürnberg zu: Gewühl hinter Wolfsburgs Tor, der Puck kam vor den Kasten, Fauser hatte den Schläger zwar dran, doch Daniel Schmölz drückte die Scheibe rein. Treutle wurde schließlich endgültig zum Alptraum - Spencer Machaceks Schuss lenkte er mit der Handschuhspitze noch an den Pfosten, als die Grizzlys ohne Torwart alles versuchten. "Irgendwie will der Puck nicht rein", sagte Stürmer Hungerecker traurig. "Es war unnötig zu verlieren."

Statistik

Ice Tigers: Treutle - Gilbert, Karrer; Bodnarchuk, Kulda; Mebus, Weber; Trinkberger - Schmölz, Adam, Brown; Kechter, Cornel, Reimer; Fox, McLellan, Kislinger; Pollock, Kurth, Lobach.

Grizzlys: Pickard – Likens, Adam; Bittner, Wurm; Bruggisser, Melchiori; Raabe – Görtz, Järvinen, Furchner; Machacek, Olimb, Busch; Rech, Fauser, Jormakka; Möser, Nijenhuis, Hungerecker.

Schiedsrichter: Hoppe/Rohatsch. Zuschauer: keine. Strafminuten: Nürnberg 4, Wolfsburg 2.

Tore: 0:1 (10:28) Järvinen (Görtz/Wurm), 1:1 (29:47) Brown (Schmölz/Pollock - 5:4), 2:1 (58:42) Schmölz.