07. Januar 2021 / 14:23 Uhr

Zahnlose Grizzlys: Wolfsburgs Manager Fliegauf setzt die Trainer unter Druck

Zahnlose Grizzlys: Wolfsburgs Manager Fliegauf setzt die Trainer unter Druck

Jürgen Braun
Wolfsburger Allgemeine / Aller-Zeitung
Foto: Boris Baschin, Wolfsburg, SPORT, Eishockey, Grizzlys Wolfsburg - Kölner Haie
Setzt den Trainerstab um Chef-Coach Pat Cortina unter Druck: Grizzlys-Manager Charly Fliegauf (r.). © Boris Baschin
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Einmal gegen alle Kontrahenten in der Nord-Gruppe der DEL gespielt, hinter dem Minimalziel Platz vier zurück, dabei zuletzt eine Gegentor-Flut - bei den Grizzlys hängt der Haussegen schief. Nun setzt bei Wolfsburgs Eishockey-Erstligist Manager Charly Fliegauf die Trainer unter Druck.

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Sie sind mit dem Minimalziel Platz vier im Norden gestartet, um damit die Play-Offs zu erreichen. Doch nach dem ersten Saisonviertel in der Gruppe ist bei den Grizzlys Wolfsburg Ernüchterung eingekehrt. Binnen vier Partien setzte es nun bereits die dritte Niederlage. Besonders schwerwiegend: die Gegentor-Flut. In diesen vier Partien kassierten die Wolfsburger 18 Gegentore in regulärer Zeit.

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In Bremerhaven gab es nach gutem ersten Drittel und einer 1:0-Führung am Mittwoch noch eine 2:5-Niederlage. Jetzt müssen die Grizzlys erst am nächsten Mittwoch (daheim gegen die DEG) wieder ran. Es erwartet sie "eine intensive Trainingswoche", glaubt Manager Charly Fliegauf und fordert: "Entscheidend ist, dass wir aggressiver auftreten. Das müssen die Trainer regeln."

Mit "aggressiver" meint Ex-Profi Fliegauf nicht etwa ruppiger. Das wäre fatal, denn: In Unterzahl sah das Team von Chefcoach Pat Cortina zuletzt nicht gut aus, derweil es in Überzahl auch nichts mehr auf die Kette bekam. Das hatte zwischenzeitlich schon besser ausgesehen, scheint jetzt in den gegenläufigen Trend gekippt - weil letztlich alles zusammenhängt. Fliegauf: "Mir fehlt die Denkweise ,Defensive first' bei uns. Und dann kommst du halt nicht gut in die Situation, Spiele zu gewinnen".

Was den Manager noch umtreibt: "Wir schlagen uns teilweise selbst, verlieren in kurzen Phasen viel." So war es in Düsseldorf, als es nach 2:0-Führung schnell 2:2 stand, das Team danach aber wenigstens so weit in die Spur fand, dass in Overtime noch ein Sieg heraus sprang. Nebenbei allerdings hatte man das 4:4 eine halbe Minute vor Schluss gefangen. In Iserlohn war man aus dem Nichts zu einer 3:2-Führung gekommen - und gab sie wieder her, verlor 3:5, nachdem es nach 58 Minuten wenigstens noch 3:3 gestanden hatte. Fliegauf: "Es muss sich ändern, da muss Aggressivität und Biss rein, das müssen die Coaches den Spielern schnell klar machen."

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Zugang? Denkbar! Aber: "Grundhaltung wichtiger!"

Durch die Rückkehr von Steven Raabe und Jan Nijenhuis aus Kanada sind jetzt wieder mehr Akteure im Training als zuletzt, auch Mathis Olimb ist wieder dabei. Am Montag steht eine Untersuchung bei Janik Möser (Herzmuskelentzündung als Corona-Folge) an. Da aber auch Abwehr-Routinier Dominik Bittner ebenfalls noch mehrere Wochen nicht zu Verfügung stehen dürfte, könnte Handlungsbedarf entstehen.

Fliegauf: "Erst mal warten wir die Untersuchung von Möser am Montag ab." Und dann hängt es auch an der Einschätzung von Coach Pat Cortina. Aber, so der Manager: "Bislang hat Pat noch keinen Handlungsbedarf gesehen." Da auch Sebastian Furchner (Oberkörper) länger angeschlagen war (vielleicht reicht es bei ihm bis Mittwoch), war die Trainings-Qualität zuletzt nicht optimal. Über längere Strecken fehlten sechs von 22 möglichen Spielern. Aber, so betont Fliegauf: "Mehr Spieler verändern ja nicht die Grundhaltung. Und die muss sich ändern."

Ein zusätzlicher Profi hätte einen weiteren Haken: Der deutsche Spielermarkt ist eng, für einen Import müsste aber jeweils ein anderer fitter Import-Spieler draußen bleiben. Ein neuer Ausländer würde also nicht zwangsläufig die Kopfstärke im Spiel erhöhen, könnte allerdings, so der Manager, "für etwas Konkurrenzkampf sorgen. Denn einige Leistungsträger bei uns sind nicht konstant." Und unter denen sind auch einige Import-Spieler. Es spricht einiges für einen Zugang, denn ohne Bittner und Möser ist die Defensive auf Dauer zu dünn besetzt, da darf nichts mehr passieren. Und bis zum - nicht einmal sicher datierbaren - Comeback des Duos werden wahrscheinlich noch mindestens zehn Partien ins Land gehen - und dann ist die kurze Hauptrunde (38 Spiele), schon zur Hälfte vorbei.