23. März 2020 / 16:04 Uhr

Zehdenicker "Pöbelkurve" demonstriert Solidarität in der Corona-Krise

Zehdenicker "Pöbelkurve" demonstriert Solidarität in der Corona-Krise

Christoph Brandhorst
Märkische Allgemeine Zeitung
Dieses meterlange Transparent der „Pöbelkurve“ Zehdenick hängt seit Sonntagabend vor der Stadtverwaltung an der Falkenthaler Chaussee.
Dieses meterlange Transparent der „Pöbelkurve“ Zehdenick hängt seit Sonntagabend vor der Stadtverwaltung an der Falkenthaler Chaussee. © Christoph Brandhorst
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Kreis Oberhavel/Barnim: Die Fußballfans der „Pöbelkurve“ haben in Zehdenick ein meterlanges Banner aufgehängt, um anderen Menschen für ihren Einsatz während der Corona-Krise zu danken.

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Strandbälle beim Oberhavel-Hallenmasters, ein überlebensgroßer Zehdenicker Wappenadler als Choreographie am Havelsportplatz oder die Stadtsilhouette am Spielfeldrand – die „Pöbelkurve“ ist für ihre einfallsreichen Aktionen längst über die Grenzen der Havelstadt hinaus bekannt. Selbst in der coronabedingten Fußball-Pause ist der Fanclub des Landesligisten SV Zehdenick nicht tatenlos. Sein neuster Coup: ein langes Banner am Zaun vor der Zehdenicker Stadtverwaltung an der Falkenthaler Chaussee, das die SVZ-Fans am Sonntagabend in einer Nacht- und Nebelaktion aufgehängt haben.

In Bildern: Zehdenicker Pöbelkurve mit Herz und Leidenschaft.

Die Choreographie der „Zehdenicker Pöbelkurve“ beim Landesligaspiel SV Zehdenick gegen den FC Stahl Brandenburg. Zur Galerie
Die Choreographie der „Zehdenicker Pöbelkurve“ beim Landesligaspiel SV Zehdenick gegen den FC Stahl Brandenburg. © Privat
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„Ob Krankenhaus, Pflegeheim, Supermarkt – ihr seid stark. Pöbelkurve“ steht darauf zu lesen. Eine Solidaritätsbekundung mit allen, die in dieser Zeit besonders gefordert sind. „Wir wollen damit ausdrücken, dass wir den Leuten danken, die das Land gerade aufrechterhalten und dass wir mit den Gedanken bei ihnen sind“, erklärt Tino Radke von der „Pöbelkurve“. Als Vorbild dienten ähnliche Aktionen von Fangruppierungen aus ganz Deutschland. „Wir dachten uns, dass es ja auch in Zehdenick Supermärkte, Pflegeheime und medizinisches Personal gibt. Viele arbeiten im Moment vielleicht sogar das doppelte. Davor muss man Respekt haben“, sagt der 35-Jährige, der selbst bei einem Kurierdienst tätig ist. In einer „Hauruck-Aktion“, wie er sagt, habe man das Plakat auf einem Dachboden bemalt und besprüht. „Mit dem Platz ist das so eine Sache“, bemerkt Radke. „Eigentlich fehlt uns eine große Halle.“

Denn für ihre sehenswerten Choreographien ist die „Pöbelkurve“ bekannt. Da steckt viel Arbeit drin. Seit dem Frühjahr 2016 gibt es die Gruppe. Sie hat inzwischen rund 20 Mitglieder. „Im Alter von Mitte 20 bis 60 Jahren ist alles dabei“, weiß Tino Radke, dem noch eine Sache am Herzen liegt: Im jüngst erschienen Buch „Nochmal Deutschboden“ von Moritz von Uslar fühlen sich die SVZ-Fans völlig falsch dargestellt. „Da ist davon die Rede, dass wir jemanden bespuckt und Bierbecher geworfen haben“, so Radke. Das entspreche nicht der Wahrheit. „So etwas würden wir nie machen“, beteuert er.

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Eigentlich würde sich die „Pöbelkurve“ im Moment ohnehin viel lieber einem anderen lange geplanten Projekt widmen: Am 2. Mai sollen die Zehdenicker Landesliga-Fußballer eigentlich beim traditionsreichen FC Stahl Brandenburg spielen. „Wir hatten geplant, mit dem Bus hinzufahren, und wollten im Quenzstadion eine große Choreo zum Jubiläum 100 Jahre Fußball in Zehdenick auf die Beine stellen“, berichtet Tino Radke. Das Projekt sei jetzt erst einmal auf Eis gelegt, auch wenn das Material schon beschafft wurde und auch nicht ganz günstig war. „Wir rechnen im Moment aber auch nicht damit, dass die Saison noch zu Ende gespielt wird“, gibt der Zehdenicker zu. Die Choreographie wolle man dann zu gegebener Zeit nachholen.

Denn im Moment, das sehen auch die Männer aus der „Pöbelkurve“ so, stehe der Fußball im Hintergrund. „Am Anfang haben wir auch geflucht. Es ist ärgerlich. Wir spielen in unserem Jubiläumsjahr so eine Hammersaison, stehen an der Tabellenspitze. Aber im Endeffekt muss man sagen, dass es die richtige Entscheidung war, die Saison zu unterbrechen“, sagt Tino Radke. „Wir appellieren an jeden, sich an die Regeln zu halten und zu Hause zu bleiben, sodass wir uns bald alle auf dem Sportplatz wiedertreffen und unserem Hobby nachgehen können!“

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