26. November 2020 / 16:00 Uhr

Zehn Zehner über die große Nummer 10: Wie Amateurfußballer Diego Maradona sahen und sehen

Zehn Zehner über die große Nummer 10: Wie Amateurfußballer Diego Maradona sahen und sehen

Redaktion Sportbuzzer
RedaktionsNetzwerk Deutschland
Zum Tod von Diego Maradona: Wir haben zehn Spielmacher aus dem heimischen Amateurfußball gefragt, was ihnen Argentiniens legendärer Zehner bedeutet
Zum Tod von Diego Maradona: Wir haben zehn Spielmacher aus dem heimischen Amateurfußball gefragt, was ihnen Argentiniens legendärer Zehner bedeutet © dpa
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Diego Maradona ist tot. Die legendäre Nummer 10, einer der größten Spielmacher aller Zeiten und fußballerisches Vorbild für Profis und Amateure, verstarb am Mittwoch mit nur 60 Jahren. Wie sehen ihn die Kicker unserer Region? Wir haben bei zehn "Zehnern" nachgefragt.

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Diez está muerto - die Nummer 10 ist tot. Am Mittwoch verstarb Diego Armando Maradona, einer der größten Fußballer aller Zeiten, im Alter von 60 Jahren. Wir haben zehn "Zehner", zehn Spielmacher aus dem heimischen Amateurfußball gefragt, was ihnen Maradonas Fußball und die Karriere des argentinischen Weltmeisters von 1986 heute noch sagen.

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"Ich habe ihn beim Training gesehen"

Guiseppe Carusone (SG Barnstorf/Reislingen Ü40): "Als Maradona beim SSC Neapel unter Vertrag stand, war ich mit ein paar Freunden 1984 im Urlaub in Italien. Wir haben einen Abstecher ins Trainingslager nach Castel del Piano gemacht. Dort habe ich ihn gesehen. Live. Wie er mit dem Ball jonglieren konnte. Fuß, Kopf, Hacke - ich bekomme jetzt noch eine Gänsehaut. Nur zu den Trainingseinheiten allein sind damals schon 20.000 Fans in Neapel geströmt. Auf einen Viertliga-Platz. Ich bin ja selbst Neapolitaner und er hat dem SSC den Erfolg gebracht. Seinetwegen war die ganze Stadt außer Rand und Band. Ich habe lange Zeit immer die '10' getragen, habe es als Ehre empfunden, wollte nie eine andere Nummer. Seit meinem 60. Geburtstag ist es aber die '60' - quasi sechsmal die '10'".

"Ich hätte die Nummer 10 abgeben wollen..."

Kevin Schulz (FC Germania Parsau): "Live habe ich ihn leider nicht mehr erlebt, ich bin im März 30 geworden. Aber es ist klar, dass ein ganz großer Star von uns gegangen ist. Auch die jüngere Generation kennt Maradona, das sieht man in den sozialen Medien. Da hat fast jeder Fußballer etwas gepostet, sogar aus unseren Jugend-Teams. Das zeigt, was für eine Reichweite er hatte. Eigentlich hätte ich die Rückennummer 10 schon an Robin Werner abgeben wollen, weil er eher der Torjäger ist, aber mein Trikot passt ihm nicht. Also werde ich die Nummer wohl noch tragen, bis ich mit dem Fußball aufhöre..."

"Nimmt jeden mit, der ein Herz für Fußball hat"

Marvin Batke (TuS Müden-Dieckhorst): "Was mir zuerst einfällt, ist der Solo-Lauf im WM-Viertelfinale 1986 gegen England, wie er sämtliche Spieler aussteigen lassen hat und noch abschließen konnte. Dazu natürlich noch sein Tor mit der Hand im gleichen Spiel. Sich die Bälle hinten abholen und nicht darauf warten, wie auch er es gemacht hat, das macht für mich einen guten Zehner aus. Er war ein Freigeist mit tollen Dribblings und einem guten Abschluss. Wenn so eine Fußball-Legende verstirbt, nimmt das jeden mit, der ein Herz für den Fußball hat. Vom Spielstil und der Position her war er neben Zidane eines meiner Vorbilder. Es war immer mein Ziel, bei den Herren selbst die Nummer zu bekommen, aufgrund der Personen, die diese Nummer getragen haben, wollte ich sie auch tragen. Dazu gehört ohne Zweifel auch Maradona."

"Ich hab' gesagt: ,Das ist doch Fake'"

Sores Agirman (SSV Kästorf): "Ich habe relativ wenig von Maradona gesehen, aber weiß trotzdem, was er erreicht hat. Man hat ja nach seiner Karriere mehr davon mitbekommen, was neben dem Sport mit ihm passiert ist, und es ist schade, dass das in den Medien eher Aufmerksamkeit bekommen hat als seine Erfolge. Erfahren habe ich von seinem Tod, als ich mit einem Freund Essen holen war - da hat er mir ein Bild mit der Meldung gezeigt. Ich habe noch gesagt: "Quatsch nicht, das ist doch ein Fake" - als wir aber wieder zu Hause waren, war es überall in den Nachrichten."

"Die 10 ist im Fußball eine heilige Zahl"

Baris Gülay (Rot-Weiß Wolfsburg): "Ich kann mich nicht bewusst an seine aktive Karriere erinnern, da ich 87er Jahrgang bin, aber ich habe mir die Spiele von damals angesehen. Fußballerisch gehört er für mich in die Top 3 zusammen mit Pelé und Messi. Menschlich kann man über ihn streiten. Er war ein Genie auf dem Platz und hat aus dem Nichts etwas kreiert. Wer Maradona fußballerisch nicht schätzt, der hat keine Ahnung von Fußball. Wenn Argentinien nicht Messi hätte, dürfte man die Nummer 10 bis heute nicht wieder vergeben. Tragisch, und traurig dass er gestorben ist, aber man weiß nie, wann der Tod kommt. Die Fußballwelt verliert einen wichtigen Fußballer und eine Legende, einen der weltbesten Zehner. Die Zehn zu tragen, ist meiner Meinung nach eine sehr schwere Aufgabe. Man trägt diese Nummer nicht einfach nur so. Es trägt eine sehr große Last mit sich, wenn man Ahnung vom Fußball hat. Ich habe diese Nummer mal getragen, aber ich sehe mich nicht mehr in der Lage dazu. Für mich ist es im Fußball gesehen eine heilige Zahl."

"Leider auch negative Schlagzeilen"

Sarah Adolph (VfB Fallersleben): "Natürlich sind seine zwei Tore während der Weltmeisterschaft 1986 im Viertelfinale gegen England noch allgegenwärtig. Erst das Tor mit der Hand, wo wir heute noch von der "Hand Gottes" sprechen und dann dieses unglaubliche Solo über 60 Meter - daran erinnere ich mich und das verbinde ich mit ihm. Leider gab es in den Jahren danach auch viele negative Schlagzeilen. Mein Spiel auf der Zehn hat er grundsätzlich aber nicht beeinflusst. Ich befürchte, dass das auch generationsabhängig ist - und andere tolle Spieler mittlerweile eher als Beispiel genannt werden. Aber natürlich wird Diego Maradona immer ein Spieler bleiben, der den Fußball über Jahre hinweg sehr geprägt hat, und es ist sehr schade, dass er vergleichsweise jung gestorben ist.

Unser Betreuer nennt mich "Maradona"

Andrés-Fernando Barahona-Caceres (ESV Wolfsburg): "Mein Nachname klingt ein bisschen wie ,Maradona' - darum nennt mich unser Betreuer auch immer so. Ich spiele bei uns auf der Zehner-Position und habe manchmal den Hang, den Gegenspieler auch mal aussteigen lassen zu wollen, von daher passt das schon. Wenn ich Maradona in alten Spielszenen gesehen habe, war da immer diese Leichtfüßigkeit, die er auf dem Feld nie verloren hat. Und auch wenn ich ihn nie live im TV habe sehen können, weiß ich natürlich, wer er war, kenne die alten Ausschnitte, die Videos, die Hand Gottes und dieses Tor bei der WM 1986 gegen England, wo man sich denkt: Wie hat er das gemacht? So locker zu bleiben, egal wie viele Gegenspieler da auf einen zukommen, unbeirrt zwei, drei Mann vorm Abschluss oder vorm Pass auszuspielen - das bewundere ich."

"Bei ihm verfluche ich mein Alter"

Fabian Liebich (TSV Vordorf): "Ich bin als 89er Jahrgang etwas zu jung, um seine Karriere mitverfolgt zu haben, bei mir haben eher Spieler wie Zinedine Zidane eine Rolle gespielt. Aber dennoch ist Maradona natürlich ein Name, den man schon als kleiner Bub kennt. Sonst wünsche ich mir immer, dass ich ein wenig jünger wäre - aber bei ihm verfluche ich mein Alter, da wäre ich lieber älter. Ich hätte ihn gerne mal live erlebt, gerade dann kann man seine Bewegungen viel besser wahrnehmen. So bleiben mir nur die Videos von ihm, aber auch da kann man seine Leichtigkeit, seine Ideenvielfalt, seine Spielintelligenz und seine Unbekümmertheit auf dem Platz sehen. Er hatte keine Angst vor Fehlern und hat sein Spiel einfach durchgezogen. Als ich am Mittwoch die Nachricht von seinem Tod gelesen haben, musste ich mehrmals hingucken, weil ich es gar nicht glauben konnte."

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"Die 10 ist zum Teil auch eine Last"

Nick Borgfeld (TSV Hillerse): "Mit meinen 20 Jahren habe ich Maradona nur durch Videos gesehen, aber auch ich konnte so sehen, was er für ein riesiges Talent hatte. Man kann ihn von der Ballbehandlung und Technik denke ich gut mit Messi vergleichen. Ich hatte eher mitbekommen, wenn er irgendwo Trainer war, das war ja weniger erfolgreich. Ich habe selbst nur die schlechteren Dinge von ihm mitbekommen, wie Drogen und andere Eskapaden. Er wurde von vielen Menschen nahezu vergöttert, wenn es so extrem ist, wie es bei ihm war, dann ist man denke ich auch anfällig dafür, dass man am Rad dreht. Als Zehner kann man sich sehr viel von ihm abschauen, aber aufgrund meiner Größe entsprechen eher andere Spieler meinem Spielstil. Die Nummer 10 kann man mit Stolz tragen, zum Teil ist es aber auch eine Last. Ich mache mir selber nicht den Druck, aber mit der Nummer ist man der Spielmacher in der Mannschaft und sollte dann auch liefern."

"Der erste Skill-Player, den es gab"

Christopher Ramolla (SV Rühen): "Mit sechs Jahren habe ich die WM 1994 noch so gerade bewusst wahrgenommen, aber vor allem in den Jahren danach wurde mir durch Rückblicke erst klar, wie gut Maradona wirklich war. Er war brutal stark am Ball, er ist quasi der Lionel Messi der 80er, der erste Skill-Player den es jemals gab. Spieler wie Messi oder Ronaldinho haben viel von ihm kopiert. Er war aber nicht nur ein Dribbel-Gott, sondern auch physisch stark, so einen Spieler gibt es heute nicht mehr. Und daran, dass sein Tod in Argentinien für eine Staatstrauer sorgt, merkt man auch, welche Emotionen er bei den Leuten hervorgerufen hat. Er war ein spezieller Typ, ein Schlitzohr, eine Marke, um den sich so viele Mythen ranken. Auch das ist heute gar nicht mehr möglich."