14. Januar 2022 / 17:18 Uhr

„Zeitpunkt war günstig“ – Annika Hanne in Hildesheim zufrieden

„Zeitpunkt war günstig“ – Annika Hanne in Hildesheim zufrieden

Jürgen Hansen
Peiner Allgemeine Zeitung
Annika Hanne (am Ball) lieferte als junge Spielerin in Edemissen gute Leistungen ab. Um mehr gefordert zu werden, wechselte sie in die Oberliga zu Eintracht Hildesheim.
Annika Hanne (am Ball) lieferte als junge Spielerin in Edemissen gute Leistungen ab. Um mehr gefordert zu werden, wechselte sie in die Oberliga zu Eintracht Hildesheim. © Isabell Massel
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Vor zweieinhalb Jahren verließ Handballerin Annika Hanne den Kreis Peine und schloss sich Eintracht Hildesheim in der Oberliga an. Zuletzt kam sie wegen einer Verletzung nicht so oft zum Zug, ist mit ihrer Entscheidung aus dem Sommer 2019 allerdings vollends zufrieden. 

Wenn Vater Jahns Oberliga-Handballerinnen am Samstag (19.30 Uhr) zum Spitzenspiel bei Tabellenführer Hildesheim antreten, treffen sie auf Annika Hanne – eine Spielerin, die in Peiner Handball-Kreisen bestens bekannt ist. Die 22-Jährige wechselte im Sommer 2019 von der HSG Nord Edemissen zur Eintracht, bekam in dieser Serie allerdings kaum Einsatzzeiten, da sie sich gleich zum Auftakt einen schwerwiegenden Muskelfaserriss zuzog, der erst vor einigen Wochen ausheilte. Beim Auftritt gegen den MTV Vater Jahn Peine wird die Rückraumspielerin allerdings wohl nicht zur Hildesheimer Startsieben zählen.

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„Meine Verletzung ist langwierig, ich bin noch nicht hundertprozentig fit, bin erst Anfang Januar wieder ins Mannschaftstraining eingestiegen. Daher dürfte ich gegen Vater Jahn wohl zunächst auf der Bank sitzen, werde aber sicher Einsatzzeiten bekommen“, erläutert die Linkshänderin, die mit ihrer Mannschaft voll auf Sieg setzt. „Denn unser Ziel ist der Aufstieg. Die Qualität dafür ist vorhanden, fast alle von uns hatten handballerisch eine super Ausbildung. Einige, wie Esther Pollex oder Annika Hollender, verfügen sogar über Erfahrung aus der 3. beziehungsweise 2.Liga. Allerdings wäre der Sprung groß. Klar, dass wir auch Verstärkungen bräuchten, um eine Klasse höher zu bestehen.“

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Ihren zurückliegenden Wechsel zur Eintracht vollzog sie aus eigenem Antrieb. „Nach drei Jahren im Landesliga-Damenteam der HSG Nord Edemissen fühlte ich mich nicht mehr ausgelastet, sah bei mir Kapazität nach oben und guckte mich daher bei höherklassigen Vereinen um. Der letzte Anlass war dann der Umzug wegen meines Wirtschafts-Ingenieurwesen-Studiums nach Hannover.“ Es folgten Probetrainings beim SV Altencelle, TV Badenstedt und Eintracht Hildesheim.


Beim letztgenannten Verein blieb die nun in Sievershausen wohnende Volkswagen-Angestellte, die ihre Kindheit in Woltorf verlebte, letztlich hängen. „Der Zeitpunkt, in Hildesheim anzufangen, war günstig, denn die Mannschaft war gerade aus der 3. Liga abgestiegen, stand vor einem Umbruch. Und menschlich passte es auch.“ Außerdem sei sie von der hohen Trainingsbeteiligung – „fast immer sind 14, 15 Leute beim Training“ – sowie der Professionalität des Umfeldes beeindruckt gewesen. „Vor jedem Punktspiel sehen wir beispielsweise zwei, auf 15 Minuten zusammengeschnittene Videos über das Angriffs- beziehungsweise Abwehrverhalten des kommenden Gegners.“

Oberligist Vater Jahn Peine klopfte im Frühsommer 2019 ebenfalls bei Annika Hanne an – und bekam eine Absage erteilt. „Denn ich wollte komplett neu anfangen, wollte weg aus dem Kreis Peine.“ Einen Neuanfang wagte sie auch im C-Jugend-Alter, als die damalige Spielerin der HSV Vechelde-Woltorf den Sprung in die HVN-Auswahl geschafft hatte. „Die Verbandstrainer legten mir dann bei einem Lehrgang nahe, mich umzuorientieren.“

Gesagt, getan: Nach Rücksprache mit ihren Eltern Carola und Jürgen Hanne, die einst für Zweitligist Vater Jahn Peine beziehungsweise Oberligist Grün Weiß Himmelsthür aufliefen, entschied sie sich zum Wechsel zur für ihre gute Jugendarbeit bekannte HSG Nord Edemissen, der sie bis heute verbunden ist. „Ich verfolge natürlich das sportliche Geschehen meiner ehemaligen Mannschaft, treffe mich auch mit einigen Spielerinnen privat.“

Ebenfalls gut bekannt sind Annika Hanne ein Großteil der Spielerinnen von Vater Jahn Peine, die sie mit Edemissen im Jugendbereich sowie später im Damen-Bereich zum Gegner hatte. Krasse Rivalität habe es nie gegeben. „Sportliche Konkurrenz ja, aber es ging immer respektvoll zu.“ Anerkennung zollt sie auch dem Werdegang von Peines Oberliga-Mannschaft. „Beim MTV wird gute Arbeit geleistet.“

Ihre persönliche Entwicklung sieht Hanne noch nicht als beendet an. „Ich habe mich in den vergangenen drei Jahren handballerisch weiterentwickelt, war vor meiner Verletzung Stammspielerin. Die Zielsetzung, unbedingt 3. oder 2. Liga zu spielen, besteht allerdings nicht. Ich bin glücklich bei Eintracht Hildesheim, alles andere findet sich.“

Kaltstart für die Jahnerinnen

Seitenwechsel zu den Jahnerinnen, die in ihrem ersten Punktspiel nach siebenwöchiger Pause gleich gegen Meisterschafts-Topfavorit Hildesheim antreten. Für sie ist es quasi ein Kaltstart, denn die Peinerinnen nahmen erst diese Woche den Trainingsbetrieb wieder auf.

„Wir hätten lieber schon am 3. Januar mit dem Training begonnen, versuchten über den Kreissportbund eine Ausnahme-Genehmigung zu holen. Doch die Silberkamp-Halle blieb wegen der Weihnachtsferien geschlossen“, erläutert MTV-Trainer Marco Wittneben, der mit seiner Mannschaft nach dem letzten Punktspiel-Auftritt (28. November 2021) den Trainingsbetrieb coronabedingt ruhen ließ.

Über die Aufhebung der Spielpause sei das Team gar nicht glücklich. „Bei unserer gesamten Mannschaft sorgte es für Kopfschütteln. Bei mir auch. Der Verband nimmt die Gesundheitsgefährdung der Spielerinnen in Kauf.“

Dem kommenden Gegner attestiert der Jahner Coach den ausgewogensten und individuell am besten besetzten Kader der Liga. „Die Hildesheimerinnen habe ich bei ihrem 32:17-Sieg im Spitzenspiel gegen Heidmark beobachtet. Da haben sie schon sehr überzeugt, waren von jeder Position aus torgefährlich. Für uns geht es allein darum, der Eintracht das Leben so schwer wie möglich zu machen“, betont Wittneben, dem bis auf Katharina Bartels das komplette Aufgebot zur Verfügung steht.