06. Juli 2018 / 08:26 Uhr

ZFC Meuselwitz in Aufruhr: Gewalttätige Fans gibt es an der Schnauder nicht

ZFC Meuselwitz in Aufruhr: Gewalttätige Fans gibt es an der Schnauder nicht

Jörg Wolf
Leipziger Volkszeitung
ZFC-Präsident Hubert Wolf kann die Zahlen des Erfurter Innenministeriums zu den Problemfans des ZFC nicht nachvollziehen.
ZFC-Präsident Hubert Wolf kann die Zahlen des Erfurter Innenministeriums zu den Problemfans des ZFC nicht nachvollziehen. © Mario Jahn
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Der Regionalligist wehrt sich gegen die Statistik der Landespolizeidirektion Erfurt. Präsident Hubert Wolf kann die Zahlen nicht nachvollziehen und ist empört. 

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Meuselwitz. So richtig hat Hubert Wolf bei seiner Zeitungslektüre vor wenigen Tagen die Welt nicht mehr verstanden. „Da war nach Angaben der Polizei von einer zweistelligen Anzahl gewalttätigen Fans beim Regionalligisten ZFC Meuselwitz die Rede. Ich kenne da keinen“, zürnte der Vereinsboss, der mit solchen Aussagen den gesamten Verein und dessen umfangreiche Arbeit in Misskredit gezogen sieht. „Ich war, ehrlich gesagt, empört“, so Wolf.

Den Zorn ausgelöst haben die Antworten von Thüringens Innenminister Georg Maier (SPD) auf die kleine Anfrage des Eisenacher CDU-Landtagsabgeordneten und Innenpolitikers Raymond Walk zum Thema gewaltbereite Fußballfans in den höherklassigen Fußballvereinen des Freistaats. Und in der der OVZ vorliegenden Antwort taucht der ZFC Meuselwitz in der Auflistung der Vereine mit „Problemfanpotenzial“ tatsächlich mit 15 Personen aus. Wenngleich deutlich hinter Rot-Weiß Erfurt (320), Carl-Zeiss-Jena (250), Wacker Nordhausen (40) und Wismut Gera (30).

Selbst diese Zahl kann Hubert Wolf nicht nachvollziehen: „Wir als Verein betreiben eine sehr gute Zusammenarbeit mit unseren Fans und betreuen die auch. So gibt es beispielsweise regelmäßige Treffs mit Spielern der ersten Mannschaft und Fans oder untereinander. Weder dort noch bei Spielen der Mannschaft gab es irgendwelche Zwischenfälle in dieser Richtung“, betont der ZFC-Präsident. Im Gegenteil: Man vermittle laufend den Fans jene Werte, die der Verein hochhalte. „Dazu zählt, dass Gewalt in Fußballstadien nichts zu suchen hat“, so Wolf.

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Wie diese Zahlen dann überhaupt zustande kommen, vermag auch der Sprecher des Thüringer Innenministeriums, Oliver Löhr, nicht zu sagen. „Wir erheben diese Daten ja als Innenministerium nicht selber, sondern stützen uns da auf Angaben aus der Landespolizeidirektion Erfurt oder der Landespolizeiinspektion Gera“, sagt er. Wobei die Einstufung von Fußballfans in drei Kategorien A, B und C erfolge. Während Fans der Kategorie A friedlich seien, seien B-Fans nur unter bestimmten Voraussetzungen gewaltgeneigt, beispielsweise wenn sie selber attackiert werden. Lediglich die C-Fans suchten direkt die Gewalt.

Bei der Landespolizeiinspektion (LPI) Gera, die auch für das Altenburger Land mit zuständig ist, herrscht über die Antworten ebenfalls eine spürbares Rätselraten. „Die Einschätzung und Kategorisierung der Fans erfolgt durch die szenekundigen Beamten im Einvernehmen mit den Fußballvereinen“, sagte LPI-Sprecher Björn Scharpmann. Geführt werden diese Daten aber nicht in Gera, sondern bei der Landesinformationsstelle Sport der Landespolizeidirektion Thüringen in Erfurt. „Und dort werden diese 15 Fans in der Kategorie B geführt. In der Kategorie C werden dem ZFC keinerlei Personen zugeordnet“, so Scharpmann weiter, um dann ebenso klarzustellen: „An der Beantwortung der kleinen Anfrage des Abgeordneten Walk (CDU) war die LPI Gera nicht beteiligt. Es kann daher nicht nachvollzogen werden, wie es zu den entstandenen Irritationen kam.“

Für ZFC-Präsident Hubert Wolf ist dies nur ein schwacher Trost. „Zudem wir in der aktuellen Erhebung sogar nur maximal fünf Anhänger als Verein gemeldet haben, die unter Umständen in die Kategorie besagter B-Fans fallen könnten.“ Wenngleich die Art und Weise dieser Einstufung ohnehin recht vage sei. Was indirekt auch Ministeriumssprecher Löhr gegenüber der OVZ bestätigt: „Die Kategorisierung ist schon ziemlich weit gefasst.“

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