05. Juni 2019 / 10:40 Uhr

U23 des ZFC Meuselwitz zieht sich aus der Verbandsliga zurück

U23 des ZFC Meuselwitz zieht sich aus der Verbandsliga zurück

Jörg Wolf
Leipziger Volkszeitung
ZFC-Präsident Hubert Wolf kann die Zahlen des Erfurter Innenministeriums zu den Problemfans des ZFC nicht nachvollziehen.
Präsident Hubert Wolf sieht die Auflösung der U23 auch wegen der steigenden Kosten als alternativlos an. © Mario Jahn
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Der Regionalligist kündigte am Mittwoch an, sein U23-Team wegen akute Spielermangels vom Spielbetrieb zurückzuziehen. Zudem wird eine Intensivierung der Nachwuchsarbeit in allen Altersklassen angestrebt. 

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Meuselwitz. Ein Erdbeben erschüttert Fußball-Meuselwitz: Völlig überraschend gab der Regionalligist ZFC Meuselwitz am Mittwoch bekannt, dass er seine in der Verbandsliga auflaufende U23-Mannschaft nicht mehr für die kommende Saison in der Thüringenliga melden wird, sondern komplett auflöst. „Hintergrund ist, dass aus verschiedensten Gründen zahlreiche Spieler aufhören und trotz aller Bemühungen nur noch 8 von bislang 17 Spielern zur Verfügung gestanden hätten“, teilte ZFC-Präsident Hubert Wolf auf Nachfrage mit.

Diese Gründe reichen vom beruflichen Umzug nach Leipzig und einer neuen Berufsausbildung in der Ferne über altersbedingtes Ausscheiden bis hin zu dem Wunsch, weniger zu trainieren. „Leider sieht es auch bei den Spielern, die in dieser Saison aus der A-Jugend kommen, so aus, dass nur drei Spieler ein eventuelles Interesse angezeigt haben, da sie im September oder Oktober mit ihrem Studium beginnen“, konstatierte der ZFC-Boss. Und ein ebenso unzufriedener Vizepräsident Holm Pinder, der selbst die U23 mehrere Jahre trainiert hat, schiebt nach: „Faktisch sieht es eben so aus, dass ein sehr großer Anteil Spieler um die 30 Jahre alt ist und die jungen zumeist Studenten sind, die zwar lobenswert klar im Kopf sind und einen Plan von ihrer Zukunft haben, in ihrer sportlichen Entwicklung jedoch nicht das Ziel haben, sich so aufzuopfern, dass sie in den Blickwinkel des Regionalligateams gelangen.“

Am fehlenden Geld liege es keineswegs. „Der Etat in Höhe von etwa 85 000 Euro für die kommende Saison war bereits fest im Haushalt des Vereines eingestellt“, hob Wolf hervor. Zudem zahle man den Spielern auch eine Aufwandsentschädigung und Punkteprämien.

U23 als Talenteschmiede ist Geschichte

Damit ist der langfristig beim ZFC angelegte Plan, auch aus der eigenen U23 heraus kontinuierlich hoffnungsvolle Talente für das Regionalligateam zu entwickeln, vorerst gescheitert. Auch schon in den zurückliegenden Jahren wurde dieses Ziel seit Felix Müller, der jetzt bei Wacker Nordhausen aufläuft, nicht erreicht. Denn sollte der ZFC eines Tages doch wieder mit einer eigenen U23 ins Rennen gehen, womit nach Holm Pinders Worten frühestens für die Saison 2022/23 zu rechnen wäre, müsste die ganz unten in der Kreisklasse einen Neustart wagen.

Leicht habe man sich die Entscheidung im Präsidium zum Rückzug nicht gemacht, betonten beide Chefs unisono. Nach fünf Beratungen in den zurückliegenden Tagen sei dieser Entschluss gefällt worden. Wolf macht aus seiner Enttäuschung kein Hehl: „Wir betreiben einen Aufwand, der dem der 1. Mannschaften in der Verbandsliga in nichts nachsteht, müssen aber feststellen, dass es bei 35 bis 50 Zuschauern nicht einmal die Vereinsmitglieder ernsthaft interessiert.“ Und nun wollen auch noch einige den Verein verlassen, „weil sie sich nicht quälen wollen und den Weg des geringsten Widerstandes in untere Spielklassen nehmen. Da fehlen einem die Worte.“

Trainer Kwiatkowski legt Pause ein

Auch für Trainer David Kwiatkowski bedeutet das Aus eine bittere Niederlage. Sechs Jahre hat der 39-Jährige die U23 des ZFC trainiert und nach drei Jahren Landesklasse in der Saison 2016/17 den Aufstieg in die Verbandsliga geschafft, wo das Team derzeit im sicheren Mittelfeld auf dem achten Platz liegt. „Bei mir ist die Enttäuschung riesengroß. Aber das zog sich schon durchs vergangene Jahr, als wir eine ganze Reihe hochtalentierter Fußballer an bedeutend tiefer spielende Vereine verloren haben, nur weil sie lieber mit ihren Kumpels gemütlich kicken wollten und nicht nach höheren sportlichen Zielen strebten. Das ist nicht meine Philosophie“, so Kwiatkowski. Vorerst wird er als Trainer eine Pause einlegen.

Offen ist allerdings noch, was mit den acht Spielern passiert, die weiter für die U23 des ZFC aufgelaufen wären. Nach OVZ-Informationen handelt es sich um die beiden Keeper Maurice Geenen und Paul Freyer sowie die Spieler Manuel Starke, Lucas Bartsch, Stefan Oehler, Jasper Hoffmann, Julian Strobl und Felix Schirmer.

Jetzt wird Nachwuchsarbeit forciert

Anstelle der U23 will man sich jetzt beim ZFC besonders auf die Nachwuchsarbeit konzentrieren. So soll die Einzeltalentförderung im Großfeldbereich neu aufgestellt und verbessert werden. Die wichtigste Veränderung sei, dass auf die Ausbildung der A-Junioren noch mehr Wert als bislang gelegt werde, teilte der Verein mit. Aus diesem Grund würden mit Karsten Oswald und ZFC-Vizepräsident Holm Pinder zwei erfahrene Trainer und Ex-Bundesligaspieler mit A-Lizenz eingebunden. Darüber hinaus werde es ab der neuen Saison einen Förderkreis mit ausgewählten A- und B-Junioren geben, dessen Teilnehmer neben dem wöchentlichen Zusatztraining mindestens einmal monatlich, wahrscheinlich aber jeden zweiten Montag, in eine Trainingseinheit des Regionalligateams integriert werden.

Ehrenhain letzter Verbandsligist aus dem Kreis

Mit dem SV 1879 Ehrenhain ist ab kommender Saison nur noch ein Verein aus dem Altenburger Land in Thüringens höchster Spielklasse unterwegs. Ein enormer Rückzug im Vergleich zum Stand vor rund zwei Jahren, als auch noch der SV Rositz und Motor Altenburg in der Thüringenliga unterwegs waren und sich zahlreiche spannende Kreisderbys ergaben. Doch schon nach der Spielzeit 2016/17 sind Motor Altenburg und der SV Rositz sportlich abgestiegen und zogen danach ihre Teams sogar bis in die Kreisebene zurück. „Dass nun auch der ZFC seine Mannschaft zurückzieht, ist jammerschade und ein schmerzhafter Verlust“, kommentierte SVE-Vorstand Thomas Rath.