02. Dezember 2020 / 10:15 Uhr

ZFC-Trainer Pinder genervt von Kadersituation: „Ein tägliches Roulette“

ZFC-Trainer Pinder genervt von Kadersituation: „Ein tägliches Roulette“

Johannes David
Leipziger Volkszeitung
Regionalligist ZFC Meuselwitz beim Training unter Corona Bedingungen mit Trainer Holm Pinder.
So viele Spieler hat Trainer Holm Pinder derzeit längst nicht immer beim Training beisammen. © Mario Jahn
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Der Regionalligist ZFC Meuselwitz trainiert bis Ende des Jahres unter Kurzarbeits-Bedingungen. Aus gesundheitlichen Gründen herrscht in Meuselwitz eine schwankende Beteiligung an den Trainingseinheiten.

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Meuselwitz. Bisweilen wird es in der Krise recht bürokratisch – vorsichtig formuliert. Das bekommt auch Fußball-Regionalligist ZFC Meuselwitz zu spüren. Weil die vierte Liga vorerst bis Ende des Jahres Pandemiebedingt pausiert, wurde das Training „auf Basis Kurzarbeit 50 Prozent“ heruntergefahren. Bedeutend: Nur dreimal pro Woche bittet Coach Holm Pinder seine Schäfchen zum Üben. Also so ähnlich wie bei einem ambitionierten Schülerteam.

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Ein weiteres Problem ist das kickende Personal. Oder besser gesagt: die schwankende Beteiligung desselben an den Einheiten aus gesundheitlichen Gründen, um den Ausflug ins Bürokratie-Sprech kurz auszudehnen. Pinder drückt es so aus: „Wir versuchen mit vermindertem Kader das Level hochzuhalten. Es ist ein tägliches Roulette, wenn du hochfährst.“ Hoch auf die Glaserkuppe, wo die begrünten Meuselwitzer Heiligtümer liegen.

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Immerhin: Die drei mit Corona infizierten Spieler sind zurück. Und der Plan für die Festtage steht ebenfalls. Ab 17. Dezember gibt es frei, zehn Tage später geht es wieder los. Schließlich rechnen die Verantwortlichen mit dem Neustart am 9. Januar. „Davon müssen wir momentan ausgehen und dann bleibt uns nicht mehr viel Zeit zur Vorbereitung“, sagt Pinder. Wirklich wahrscheinlich kommt das aber auch dem Trainer nicht vor. „Wir hatten jetzt schon so viele Termine, die immer wieder verschoben wurden. Erst sollte es am 23. November losgehen, dann am 4. Dezember, dann am 15. Dezember. Ich halte mich mit Spekulationen lieber zurück. Wir können es sowieso nicht beeinflussen.“

Kurze Wege zur Abstimmung untereinander

Auch was das Thema einer eventuell auf eine Halbserie verkürzten Saison betrifft, wie sie im Amateurbereich inzwischen fast schon beschlossene Sache zu sein scheint. Ob dieses Modell überhaupt auf die semiprofessionelle Regionalliga übertragbar wäre? „Wir müssen davon ausgehen, dass die Saison zu Ende gespielt wird. Deswegen gehen wir jetzt teilweise ans Limit, damit wir dann für viele englische Wochen gerüstet sind“, so Pinder. Gleichwohl brauche es auch Abwechslung. „Ich kann die Jungs nicht nur durch die Prärie rennen lassen.“

Wer nicht spurt, kann den Zorn des Trainers auch auf der Arbeitsstelle zu spüren bekommen. Schließlich arbeitet Pinder wie viele seiner Schützlinge bei der bluechip AG von ZFC-Präsident Hubert Wolf. Im Normalfall ist der Coach dort aber ein ganz lieber, sagt er jedenfalls: „Das hat sich über die Jahre bewährt und ist durchaus von Vorteil, weil wir kurze Wege zur Abstimmung untereinander haben.“

Einheiten für Nachwuchs freiwillig

Ein anderes Thema treibt ihn wesentlich mehr um: Geisterspiele. „Mir fehlt momentan die Fantasie, dass die Zuschauer im neuen Jahr plötzlich wieder reinkommen“, sagt Holm Pinder. „Dabei sind wird immens von den Zuschauern abhängig. Es will keiner vor leeren Rängen spielen. Finanziell ist nicht abbildbar, das wäre der Sargnagel für viele Vereine.“

Derweil trainieren übrigens auch die Mannschaften der B- bis G-Junioren des ZFC weiter – mit einem abermals angepassten Hygienekonzept. So sind zum Beispiel noch weniger Personen gleichzeitig in den Umkleidekabinen und Duschen gestattet. Und natürlich sei die Teilnahme an den Einheiten für den Nachwuchs vollkommen freiwillig, wie Hubert Wolf betont: „Dies trifft die Interessen der Eltern und Kinder, die sich auf den gemeinsamen Schulsport berufen genauso, wie die Interessen der Eltern und Kinder, die derzeit aus gesundheitlichen Gründen lieber Zurückhaltung möchten.“