03. Juli 2020 / 16:11 Uhr

Zoff um Jean-Kevin Augustin: Hätte RB Leipzig im Rechtsstreit die besseren Karten?

Zoff um Jean-Kevin Augustin: Hätte RB Leipzig im Rechtsstreit die besseren Karten?

Thomas Fritz
Leipziger Volkszeitung
LEIPZIG, GERMANY - JULY 12: Jean-Kevin Augustin of RB Leipzig reacts during the pre-season friendly match between RB Leipzig and FC Zuerich at training centre Cottaweg on July 12, 2019 in Leipzig, Germany. (Photo by Boris Streubel/Bongarts/Getty Images)
Leihe bei Leeds wegen Formschwächen beendet: Angreifer Jean-Kevin Augustin ist zurück bei RB Leipzig. © Boris Streubel/Bongarts/Getty Images
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Leihspieler Jean-Kevin Augustin ist von Leeds United zu RB zurückgekehrt. Die Engländer weigern sich mit einem juristischen Trick die vereinbarte Kaufsumme in Höhe von 21 Millionen Euro zu bezahlen. Nun droht ein unschöner Rechtsstreit, dessen Ausgang nach Meinung eines Sportrechtlers offen ist.

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Zwischen RB Leipzig und Leeds United bahnt sich ein Rechtsstreit an. Der englische Zweitligist, der den Leihvertrag von Angreifer Jean-Kevin Augustin nicht über den 30. Juni hinaus verlängert hat, weigert sich die vereinbarte Kaufsumme in Höhe von 21 Millionen Euro zu bezahlen. Die würde nach einer Vereinbarung mit RB beim Aufstieg in die Premier League fällig werden. Die Saison in England ist nach der Corona-Pause noch nicht abgeschlossen. „Nach dem Rechtsprinzip der ergänzenden Vertragsauslegung fragt man sich, wie die Parteien den Vertrag gestaltet hätten, wenn sie den unvorhergesehen Umstand, in diesem Fall die Verlängerung der Saison in England, bei Vertragsschluss gekannt hätten“, erklärt Sportrechtler Rico Kauerhof auf SPORTBUZZER-Anfrage. „Die Auslegung ergibt eindeutig, dass Leeds den Spieler bei einem Aufstieg bezahlen muss. Das war bei Vertragsabschluss von beiden Parteien so gewollt.“ Maßgeblich sei die Abschlusstabelle, unabhängig vom Zeitpunkt, so Kauerhof.

Leeds sucht eine Lücke

RB geht laut SPORTBUZZER-Informationen davon aus, dass die Vertragsklauseln wasserdicht sind. Seit 1. Juli gehört der 23 Jahre alte Franzose wieder dem Kader der Sachsen an, für die er 2017 und 2018 wettbewerbsübergreifend in 67 Spielen 20 Tore und acht Vorlagen verbucht hat. Augustin macht derzeit Urlaub. Der Verein steht in Kontakt mit seinem Berater.

DURCHKLICKEN: Die aktuellen Vertragslaufzeiten der RB-Profis

(1) Peter Gulacsi: Vertrag bis 30.6.2023 mit Vereinsoption auf ein weiteres Jahr. Zur Galerie
(1) Peter Gulacsi: Vertrag bis 30.6.2023 mit Vereinsoption auf ein weiteres Jahr. ©

Die Nordengländer haben sich zum Fall bisher nicht öffentlich geäußert. Eine kurzfristige SPORTBUZZER-Anfrage blieb unbeantwortet. „Leeds sucht mit der unvorhergesehenen Verlängerung der Saison eine Lücke“, erklärt Jurist Kauerhof. „Jetzt sagen sie: Moment, wir sind zum Vertragsende nicht aufgestiegen. Daher nehmt ihr den zurück.“ Aktuell liegen die Peacocks auf dem ersten Platz der Championship. In drei Spieltagen könnte der Aufstieg unter Dach und Fach sein.

„Schlechteste Verpflichtung der Welt“

In Leeds lief es nach zuvor ebenfalls erfolgloser Leihe bei der AS Monaco überhaupt nicht für den bei Paris St. Germain ausgebildeten Stürmer. Nur 44 Minuten kam er aufgrund von Verletzungen und Formschwäche seit Jahresbeginn zum Einsatz. Der Klub verlängerte das Leihgeschäft deshalb nicht, obwohl es das von der Fifa wegen der Corona-Krise angepasste Reglement erlaubt hätte. „Es wäre die schlechteste Verpflichtung der Welt, wenn wir jetzt 17 Millionen Pfund für diesen Spieler zahlen würden“, sagte der frühere Leeds-Spieler Noel Whelan dem Portal „Football Insider“.

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Nun droht eine lange Hängepartie. Ließe RB Augustin mittrainieren oder sogar einsetzen, würden die Verantwortlichen nahelegen, dass sie den Stürmer wieder als Leipziger Profi sehen. Womöglich ein Nachteil in einem längeren Rechtsstreit.

Bei der möglichen juristischen Auseinandersetzung müsse RB noch lange nicht die besseren Karten haben, so Rico Kauerhof. „Das kommt auf den genauen Inhalt des Vertrags an“, sagt er. „Den kennen wir aber nicht.“