15. Januar 2019 / 13:22 Uhr

Zu Gast bei den Handicappern des VSK Osterholz-Scharmbeck

Zu Gast bei den Handicappern des VSK Osterholz-Scharmbeck

Redaktion Sportbuzzer
RedaktionsNetzwerk Deutschland
Freunde fürs Leben: Die Handicappers verbindet nicht nur die Liebe zum Fußball.
Freunde fürs Leben: Die Handicappers verbindet nicht nur die Liebe zum Fußball. © Maximilian von Lachner
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Der Verein bietet seit 2007 Fußball für Menschen mit Behinderung an / Zu fünft gestartet, inzwischen 21

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Montagabend, 18.30 Uhr. Durch die Sporthalle des Gymnasiums an der Loger Straße in Osterholz-Scharmbeck fliegen die Bälle. Kreuz und quer heizen 13 Spieler, darunter Kräftige, Schmächtige, Große und Kleine über den Platz. Viele von ihnen tragen Werder-Bremen-Trikots, "Pizarro" steht in weißen Großbuchstaben auf dem Rücken. Doch an den denkt gerade niemand – heute sind die Handicapper selbst die Fußballstars.

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Fußball ist in Deutschland die beliebteste Sportart – nicht nur für Menschen ohne, sondern auch für Menschen mit Behinderung. Damit alle gleichermaßen kicken können, müssen die Fußballvereine entsprechende Strukturen für Menschen mit Handicap schaffen. Das tut der VSK Osterholz-Scharmbeck seit 2007: Damals ruft der Verein die VSK-Handicapper ins Leben. Zu fünft gestartet, zählt die Mannschaft heute 21 Spieler zwischen 18 und 35 Jahren. Nachwuchs ist immer willkommen.

Aufgabe zum Warmmachen: Hindernislauf. Nacheinander hüpfen die Handicapper über die aufgereihten Kästen, umlaufen Hütchen und balancieren über Balken. „Manchmal dauert es, bis alle die Abläufe verstanden haben, ansonsten ist das Training hier wie jedes andere auch“, sagt Jürgen Grimm. Seit neun Jahren ist er Trainer der Truppe. Unterstützt wird er von Thomas Link, Ibrahim Öz und Sohn Jannes Grimm. Nur wenige Sekunden hat er weggeschaut, schon bildet sich vor dem ersten Kasten eine Schlange. Eine günstige Gelegenheit für Julian, sich an den lästigen Hürden vorbeizumogeln.

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„Fünf Minuten Pause!“ ruft Jannes Grimm. Kurze Zeit später treiben die meisten Spieler schon wieder die Bälle vor sich her. Sie sind bereit für das große Match. Nur einer sitzt noch. „Ich kann nicht mehr, wirklich nicht“, sagt Timo. „Steh' mal lieber auf, die Presse will doch später Autogramme“, entgegnet Trainer Grimm und legt ihm die Hand auf die Schulter. Die Motivationsspritze wirkt: Schon steht Timo wieder auf den Beinen, schnappt sich das Leder und drischt es wuchtig über den Hallenboden. Grimm und die drei Mitstreiter sind hier mehr als nur Fußballtrainer: Sie sind Mentoren, Motivatoren und Freunde. „Wir sind ein eingeschworenes Team, fast wie eine Familie“, sagt Jürgen Grimm.

Die Spiele beginnen. Kurzer Anpfiff, schon ist Andi mit dem Ball im Strafraum. Geschicktes Dribbling des Spielers, doch prompt stellt sich Patrick – groß gewachsen, wendig – in den Weg und schnappt sich den Ball. „Wie eine Wand steht er da“, brüllt Trainer Öz begeistert. Doch: Fehlpass, der Ball landet wieder bei Andi, der ihn in hohem Bogen weiterflankt. Florian schnappt sich das Leder und zieht aus etwa zwanzig Metern aufs Tor. Ein lautes Raunen. Keeper Tobias ist auf dem Posten. Stolz hebt er die Faust in Richtung Außenlinie.

Beim Training gehe es vor allem um Teamgeist, Fitness und Spaß, sagt Jannes Grimm. „Und manchmal auch um Style." Sorgfältig hat sich ein Spieler die dunklen Haare mit Haarspray zurechtgelegt. Den Kopfball verweigert er deshalb rigoros. „Das lass ich mir nicht kaputt machen“, sagt er mit einem schnippischen Grinsen, als ihm ein gegnerischer Spieler einfach so mal in die Tolle fassen will.

„Noch sieben Minuten, gebt noch mal Gas“, ruft Jürgen Grimm aufs Spielfeld. „Auch, wenn es hier nicht um Leistung geht, gewinnen will jeder“, sagt er. Noch ist kein Tor gefallen. Doch dann ein unpräziser Abschlag vom Keeper, schon ist es passiert: Luka steht frei vorm Tor.

„Schieß, Luka, schieß!“, feuern ihn die Mitspieler an. Der kräftige Spieler setzt an und platziert den Ball mit der Pike rechts unter die Latte. „Tooooor“, schreien zwei gelbe Leibchen, die von hinten angesaust kommen und den runden Bauch des groß gewachsenen Mannes umklammern. Als würde er den eigenen Füßen nicht trauen, wirft Luka noch einen Blick nach unten. Dann reißt auch er die Hände in die Höhe.