15. März 2018 / 11:24 Uhr

Zu teuer und uneffektiv: Hansa Rostock stellt Nachwuchsakademie neu auf

Zu teuer und uneffektiv: Hansa Rostock stellt Nachwuchsakademie neu auf

Johannes Weber
Ostsee-Zeitung
Viele der Hansa-Nachwuchskicker träumen von einer Profikarriere – hier die U 15 des Koggenklubs beim Training.
Viele der Hansa-Nachwuchskicker träumen von einer Profikarriere – hier die U 15 des Koggenklubs beim Training. © Frank Söllner
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Etat wird runtergefahren / Profi-Torwarttrainer Stefan Karow übernimmtLeitung der Talentschmiede / Neuer Sportlicher Leiter für das NLZ von Hansa Rostock kommt.

Rostock. Viel zu teuer für die 3. Liga und in der jüngeren Vergangenheit wenig effektiv: Der FC Hansa will sein Nachwuchsleistungszentrum (NLZ) umstrukturieren und dabei „in Abstimmung mit allen Beteiligten“ alles auf den Prüfstand stellen. „Das Nachwuchsproblem ist seit vielen Jahren nicht angegangen worden. Die Strukturen wurden nach dem Abstieg in die 3.Liga nie angepasst“, sagt Klubchef Robert Marien selbstkritisch. Damit fangen die Verantwortlichen jetzt an. Die wichtigste Personalie ist bereits geklärt: Stefan Karow, seit 2014 Torwarttrainer bei den Profis, wird zur kommenden Saison die Leitung der Hansa-Nachwuchsakademie übernehmen.

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Kuring und Pyritz werden Verein verlassen​

„Er leistet nicht nur mit unseren Profi-Torhütern, sondern auch im Nachwuchs erstklassige Arbeit“, sagt Marien. Karow habe die Torhüterausbildung im Verein professionalisiert und „auf ein neues Niveau gehoben“. Der 43-Jährige tritt die Nachfolge von Paul Kuring (29) an, der den Klub am Saisonende ebenso verlässt wie Nachwuchs-Cheftrainer Henryk Pyritz. Kuring gebühre „besonderer Dank“, sagt Sportdirektor Markus Thiele: „Er hat die Doppelbelastung als NLZ-Leiter und U-19-Trainer auf sich genommen und war stets mit viel Engagement bei der Sache.“

Nachfolger Karow freut sich „auf die große Herausforderung und über das Vertrauen, das in mich gesetzt wird“. Er wird weiterhin für die Ausbildung der Nachwuchstorhüter zuständig bleiben. Wer in der kommenden Saison seine Nachfolge bei den Profis antritt, ist noch nicht entschieden.

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Sie sorgten für viel Furore in der Saison 2012/2013: Die A-Junioren des FC Hansa. Zur Galerie
Sie sorgten für viel Furore in der Saison 2012/2013: Die A-Junioren des FC Hansa. ©

"Finale Gespräche" mit neuem Sportlichen Leiter​

Ein neuer Sportlicher Leiter für das NLZ ist dagegen wohl schon gefunden. Man befinde sich in „finalen Gesprächen“ mit dem Wunschkandidaten, ließ Marien wissen. Klar ist bisher nur: Ex-Kapitän Sebastian Pelzer, der seit Februar in der Nachwuchsabteilung des Klubs arbeitet, wird es nicht. Der noch aus seinen aktiven Profi-Zeiten stammende, bis 30. Juni datierte „Anschlussvertrag“ wird nicht verlängert. Hansa sucht für den Job einen Mann mit Fußballlehrerlizenz, der auch die in der Regionalliga spielende U19 übernehmen soll.

Derzeit gehören zur Nachwuchsakademie zwölf Mannschaften, die von vier hauptamtlichen und rund 40 auf Honorarbasis tätigen Trainern und Betreuern angeleitet werden. Größter Kostenfaktor bei den Nachwuchsteams ist die in der Oberliga spielende U21. Die Drittliga-Reserve wird auch in der Saison 2018/19 antreten, doch ob die Ausbildungsmannschaft darüberhinaus Bestand haben wird, ist unklar. „Es gibt keine Denkverbote“, erklärt Marien vieldeutig.

Etat im Nachwuchsbereich wird weiter heruntergefahren​

Der Etat für den Nachwuchsbereich wurde in der vergangenen Saison bereits heruntergefahren und wird weiter schrumpfen: Ließ sich Hansa das NLZ 2016/17 noch 1,15 Millionen Euro kosten, plant der Klub in der aktuellen Spielzeit mit knapp unter einer Million Euro. Für die Saison 2018/19 stellt Hansa 875000 Euro bereit. „Damit sind wir in der 3. Liga unter den Top drei“, sagt Marien. Der Durchschnitt liege bei 500000 Euro.


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Noch in diesem Jahr steht eine Großinvestition für die Nachwuchsabteilung an: Im März beginnt der erste Bauabschnitt für einen neuen Kunstrasenplatz. Die Kosten für das geförderte Projekt liegen bei etwa einer Million Euro, Hansas Eigenanteil beträgt 400000 Euro. Zudem rechnet Marien in den nächsten Jahren mit weiteren 200000 bis 400000 Euro für Sanierungs- und Instandhaltungsmaßnahmen im NLZ, die ebenfalls nicht im Etat eingepreist sind.

Marien: „Stecken sehr viel rein, aber es kommt wenig dabei raus.“​

Auch sportlich sei der Zustand der Nachwuchsakademie nicht zufriedenstellend, urteilt der Klubchef: „Wir stecken sehr viel rein, aber es kommt wenig dabei raus.“ Im Profikader kommen mit Lukas Scherff (21, Vertrag bis 2021) und Tommy Grupe (25, bis Saisonende) derzeit nur zwei Eigengewächse regelmäßig zum Einsatz. Jakob Gesien (20, bis Saisonende) wurde in der 3. Liga bisher nicht eingesetzt. Andere talentierte Spieler aus dem eigenen Nachwuchs wie Ben Zolinski, Robin Krauße (beide Paderborn), Sargis Adamyan (Regensburg), Dennis Srbeny ( Norwich City) oder Johannes Brinkies (Zwickau) ließ man ziehen.

Für die „Weiterentwicklung und Professionalisierung der Nachwuchsarbeit“ (Marien) ist nun künftig Karow federführend zuständig. „Der Verein und vor allem der Nachwuchs liegen mir sehr am Herzen. Ich glaube, dass hier noch sehr viel Potenzial steckt“, sagt der gebürtige Rostocker, der laut Marien über „ein starkes Netzwerk auch über die Landesgrenzen hinaus“ verfügt.