09. Oktober 2021 / 20:51 Uhr

Zu viele Fehlwürfe: Dezimierte Recken verlieren mit 26:28 in Balingen 

Zu viele Fehlwürfe: Dezimierte Recken verlieren mit 26:28 in Balingen 

Simon Lange
Hannoversche Allgemeine / Neue Presse
Hat sich den Saisonstart sicherlich anders vorgestellt: Recken-Kreisläufer Ilija Brozovic.
Hat sich den Saisonstart sicherlich anders vorgestellt: Recken-Kreisläufer Ilija Brozovic. © imago images/Noah Wedel
Anzeige

Nach dem deutlichen Erfolg im DHB-Pokal wartet die TSV Hannover-Burgdorf in der Bundesliga weiter auf den zweiten Saisonsieg. Bei HBW Balingen-Weilstetten haben die verletzungsgeplagten Recken zahlreiche Chancen liegen gelassen und mussten sich am Ende trotz guter Abwehrleistung mit 26:28 (13:16) geschlagen geben.

Es wäre ein Törchen Hoffnung gewesen: Der starke Recke Filip Kuzmanovski klaute zum wiederholten Mal in der Abwehr den Ball. Doch der Nordmazedonier scheiterte im Gegenstoß völlig frei am überragenden Balingen-Torwart Simon Sejr Jensen.

Anzeige

Es war die zwölfte Parade des eingewechselten Dänen, der die Recken zur Verzweiflung trieb. In dieser Szene ein letztes und entscheidendes Mal. Mit dem möglichen Anschluss zum 26:27 hätten die Recken eine Minute vor Schluss vielleicht noch eine Chance auf ein Unentschieden gehabt.

Mehr über die TSV Hannover-Burgdorf

Ergebniskrise in der noch jungen Saison

Doch mit Jensens Parade war die Niederlage für Hannover besiegelt, die Recken gingen am Ende mit 26:28 als Verlierer von der Platte. Es war die dritte Pleite in Folge – Hannover findet sich im Tabellenkeller wieder und steckt in einer ersten Ergebniskrise der noch jungen Saison.

„Das ist ein sehr wertvolles Spiel“, hatte Recken-Trainer Christian Prokop vorher gesagt mit dem Wissen, dass sein Team unbedingt ein Erfolgserlebnis gegen die ebenfalls schwächelnden Balinger von Ex-Recken-Coach Jens Bürkle brauchten.

Blitzstart für die Recken

Und das durch diverse Verletzungen gebeutelte Hannover startete stark und führte schnell mit 3:0. Einmal Ilija Brozovic, zweimal Vincent Büchner sorgten für die Tore. Auch wenn die TSV in den nächsten Minuten weiter gut angriff und hinten aggressiv verteidigte, spiegelte sich das in der Folge nicht mehr im Ergebnis wider. Balingen glich zum 5:5 aus.

Besonders Vladan Lipovina bekamen die Recken zunächst überhaupt nicht in den Griff. Der Montenegriner erzielte allein in der ersten Hälfte sechs Tore. Nach der 10:8-Führung der Gastgeber holte Prokop sein Team zu sich – und verteilte Lob. „Ganz tolles Angriffsspiel, dasselbe weiter. Ihr arbeitet fantastisch. Weiter Geduld“, sagte Prokop in der Auszeit, nicht ohne die fehlende Konsequenz zu kritisieren.


Das ist der Spielplan der Recken der TSV Hannover-Burgdorf in der HBL-Saison 2021/22

<b>8. Spieltag:</b> HC Erlangen (A), Donnerstag, 21. Oktober, 19.05 Uhr Zur Galerie
8. Spieltag: HC Erlangen (A), Donnerstag, 21. Oktober, 19.05 Uhr ©

Balingen wird stärker

Sein Team ließ viel zu viele Chancen liegen, traf mehrmals nur Pfosten oder die Latte mit ungenauen Abschlüssen. Bis zum 10:10 durch Johan Hansen konnte Hannover das Spiel ausgeglichen gestalten. Dann bekamen die Recken immer mehr Probleme, auch weil Balingen immer stärker wurde. Hinzu kam, dass die TSV Balingens eingewechselten Torwart Jensen zügig warm warf.

Bei Hannover stand Urban Lesjak im Tor, bis auf zwei gehaltene Siebenmeter konnte er sich aber kaum auszeichnen. Der kurzfristig verpflichtete Matthias Ritschel kam nicht zum Einsatz.

Recken nutzen Chancen nicht

Derweil wuchs der Vorsprung der Schwaben langsam, aber stetig. Weil der HBW alles traf – und Hannover viel versemmelte. Nejc Cehte warf frei am Tor vorbei, auch die drei Fehlwürfe von Kapitän Fabian Böhm taten weh. Mit 13:16 ging es in die Pause. „Wir haben eine super Anfangsphase, leider haben wir sie aber nicht ausgenutzt wegen der vielen Fehlwürfe“, sagte Ivan Martinovic. „Und Balingen wurde immer stärker uns selbstbewusster.“

Mehr über die TSV Hannover-Burgdorf

Schnelle Gegentreffer in Halbzeit zwei

Nach dem Wechsel baute der HBW die Führung fix auf 18:13 aus. Nach nicht einmal vier Minuten musste Prokop wieder die Auszeit nehmen. Der Ton wurde schärfer. „Zieht richtig durch! Spielt nicht so einen Mist! Vor allem nicht für die Galerie!“, rief er seinen Spielern zu.

Der Wachrüttler zeigte Wirkung - zumindest kurzfristig. Mit einem 4:0-Lauf zum 17:18 läutete Hannover die Aufholjagd ein. Das Spiel war wieder offen. Jetzt musste Balingen-Trainer und Ex-Hannoveraner Jens Bürkle die Notbremse ziehen.

Beide Trainer, Bürkle und Prokop, hatten ein sehr intensives Spiel vorhergesagt – und sollten damit recht behalten. Spektakulär, torreich – und zum Schluss sogar dramatisch.

Bilder vom Spiel der Handball-Bundesliga zwischen der TSV Hannover-Burgdorf und MT Melsungen

Ivan Martinovic begräbt sein Gesicht im Trikot. Zur Galerie
Ivan Martinovic begräbt sein Gesicht im Trikot. ©

Hannover kämpft um den Anschluss

Doch die Szenerie ähnelte sich in jeder Spielminute. Balingen führte, Hannover kämpfte mit einer starken Abwehr um den Anschluss – scheiterte jedoch immer wieder. „Es fehlen immer die Kleinigkeiten, wie auch schon in den letzten Spielen“, wusste Martinovic.

„Wir verwerfen in den entscheidenden Phasen, in denen wir auf ein Tor rankommen können.“ Dazu gesellten sich Fehlpässe, wie der von Torwart Urban Lesjak 145 Sekunden vor dem Ende. „Wir sind selber schuld“, sagte Martinovic. „Wir machen uns das Leben selber schwer.“

Anzeige

Hitzige Schlussphase

In der hitzigen Schlussphase lagen zum Teil die Nerven blank. Recken-Rechtsaußen Hansen eilte zum ins Aus getrudelten Ball in der eigenen Ecke. Der Däne griff sich den Ball hinter der Bande – und schubste plötzlich einen Balinger Zuschauer, der ihn offenbar dabei behinderte. Sofort kam es zur Rudelbildung. Die Situation beruhigte sich. Im nächsten Balinger Angriff fischte sich Kuzmanovski den Ball – um dann eben doch an Jensen zu scheitern.

"Das Ergebnis ist unheimlich schmerzhaft für uns. Wir sind trotz des Rückstandes in der zweiten Halbzeit sehr diszipliniert geblieben und haben eine fantastische Abwehr gespielt. Aber vorne scheitern wir leider immer wieder. 20 Mal insgesamt. In der Schlussphase viermal leichtfertig. Das ist sehr bitter und tut weh", sagte Trainer Christian Prokop nach der Partie.

Am kommenden Donnerstag müssen die Recken endlich ihre Chancen nutzen, sonst droht im Heimspiel gegen die starken Füchse Berlin die vierte Pleite in Folge.