15. August 2019 / 07:44 Uhr

Zu wenig Profis treffen: Die Spieler von Hannover 96 finden das Tor nicht

Zu wenig Profis treffen: Die Spieler von Hannover 96 finden das Tor nicht

Andreas Willeke
Hannoversche Allgemeine / Neue Presse
96-Stürmer 
Marvin Ducksch ärgert sich über seine vergebene Torchance.
96-Stürmer Marvin Ducksch ärgert sich über seine vergebene Torchance. © Florian Petrow
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Erst zwei Treffer hat Hannover 96 in drei Pflichtspielen erzielt - eins davon war ein Eigentor des Gegners. Das Problem: Das Mittelfeld der "Roten" strahlt kaum Torgefahr aus und auch die kopfballstarken Innenverteidiger sind offensiv unauffällig. Dann müssten es eigentlich die Stürmer richten, doch auch die haben noch Startschwierigkeiten.

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Die 96-Spieler wissen nicht, wo das Tor steht. Nach drei Pflichtspielen sind erst zwei Treffer auf der Habenseite – eins davon war das Eigentor des Stuttgarters Maxime Awoudja – der VfB-Verteidiger ist damit neben Hendrik Weydandt, der gegen Regensburg traf, bester 96-Torschütze. „Wenn Henne die Chance hat, macht er die Tore normalerweise“, meint der 96-Trainer.

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Tatsächlich ist Weydandt nach seinem ersten Jahr bei den Profis auch der erfolgreichste 96-Schütze. In 28 Spielen der Vorsaison lieferte er sechs Tore und zwei Vorlagen. Das ist zwar auch keine traumhafte Quote, aber dennoch konnte in der vergangenen Saison keiner der aktuellen 96-Profis mit Weydandt mithalten.

Top-Torschützen in Bildern: die 50 erfolgreichsten Torjäger in der Geschichte von Hannover 96 (Stand: September 2020)

Bilderstrecke: die 50 erfolgreichsten Torjäger von Hannover 96. Zur Galerie
Bilderstrecke: die 50 erfolgreichsten Torjäger von Hannover 96. ©

"Das Ding einfach mal reinschmettern"

Der Blick auf die Erfolgs- oder im 96-Fall besser Misserfolgsquoten zeigt: Slomka hat viel zu wenig Spieler, die Torgefahr ausstrahlen. Oder die, wie Slomka fordert, „das Ding einfach mal reinschmettern“.

Kaum Torgefahr aus dem Mittelfeld

Besonders auffällig und schon fast dramatisch ist das im defensiven und offensiven Mittelfeld. Kapitän Mar­vin Bakalorz traf in 25 Partien der letzten Saison einmal, ein abgefälschter Schuss landete im Dortmunder Netz. Dazu steht nur ein Assist in seiner Bilanz. Edgar Prib fiel zwei Jahre verletzt aus. In der Saison 2016/17 hatte Prib in 27 Spielen ein Tor erzielt und immerhin acht Vorlagen gegeben.

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Linton Maina, entweder links- oder rechtsaußen unterwegs, steht in 20 Spielen bei einem Tor und drei Vorlagen. Florent Muslija traf in 17 Spielen zweimal. Genki Haraguchi, stolzer Träger des Trikots mit der Nummer 10, kommt in 28 Partien auf null Tore. Da muss sich keiner wundern, dass die Mannschaft zu harmlos ist.

96 muss mehr Standards nutzen

Ein Mittel, das 96 kaum nutzt, sind Standards. „Da haben wir zu wenig gezeigt“, sagte Slomka schon nach dem Regensburg-Spiel. Der Trainer kündigte an: „Da haben wir noch was im Köcher.“ Das wä­re auch nötig, denn die qua Ar­beits­platz kopfballstarken Innenverteidiger sind offensiv unauffällig. Felipe traf im Vorjahr zweimal, Marcel Franke für Darmstadt auch, Waldemar Anton in 34 Spielen einmal. Die Au­ßen­ver­tei­di­ger Julian Korb, Sebastian Jung und Matthias Ostrzolek trafen gar nicht – Kollege Miiko Albornoz einmal.

Das sind die restlichen Spiele von Hannover 96 in der Saison 2019/20 in der 2. Bundesliga nach der Corona-Zwangspause:

28. Spieltag (Mittwoch, 27. Mai, 18.30 Uhr): Karlsruher SC (H) Zur Galerie
28. Spieltag (Mittwoch, 27. Mai, 18.30 Uhr): Karlsruher SC (H) ©

Die Stürmer müssten es machen

Aus den hinteren Reihen kommt so gut wie gar keine Gefahr – dann müssten es die Stürmer richten. Zwei sind neu – Cedric Teuchert traf für Schalke im Vorjahr in fünf Partien gar nicht, steht aber insgesamt in 41 Zweitligabegegnungen bei elf Toren. Marvin Ducksch, als Torgarant geholt, hat in Düsseldorf zu­letzt in 16 Spielen nur ein Törchen gemacht. 96 hofft aber, das er seine Trefferquote aus Kiel recycelt. 33 Einsätze, 18 Tore und elf Assists – mit ähnlichen Zahlen wäre 96 geholfen. Bis jetzt hat der 25-Jährige aber seine Großchancen vergeben.

Das waren die Sommertransfers von Hannover 96 seit 2010:

Sommer 2019: Dennis Aogo (vereinslos -> Hannover 96) Zur Galerie
Sommer 2019: Dennis Aogo (vereinslos -> Hannover 96) ©

Jonathas mit bester Torquote

Die beste Torquote im Verhältnis zu seinen wenigen Einsätzen hat Jonathas – in zehn Partien machte er drei Tore und gab einen Assist. Das sagt eigentlich alles über die harmlosen 96er, wenn schon der verletzungsanfällige Brasilianer top ist.

Auf Jonathas kann 96 natürlich nicht bauen. Bei der Historie aller anderen 96-Profis heißt das: Wenn Ducksch, Teuchert und Weydandt nicht maximal liefern, wird 96 unter Torarmut leiden – und garantiert nicht aufsteigen.