09. Juli 2018 / 20:20 Uhr

Zu wenig Schiris: Punktabzüge für zwei weitere Vereine aus Oberhavel

Zu wenig Schiris: Punktabzüge für zwei weitere Vereine aus Oberhavel

Christoph Brandhorst
Märkische Allgemeine Zeitung
Das Schiedsrichterwesen bröckelt. Vielen Vereinen fällt die Rekrutierung neuer Unparteiischer schwer – harte Strafen sind die Folge.
Das Schiedsrichterwesen bröckelt. Vielen Vereinen fällt die Rekrutierung neuer Unparteiischer schwer – harte Strafen sind die Folge. © Robert Roeske
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Beim SV Friedrichsthal ist der Ärger über die harte Strafe wegen zu weniger Schiedsrichter groß. Auch dem SV Mühlenbeck und dem SV Beetz-Sommerfeld werden Punkte abgezogen.

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Der Fußballkreis macht ernst! Das Sportgericht des Verbandes greift hart durch. Wie in der vergangenen Woche bekannt wurde, hat es den SV Friedrichsthal mit drei Punkten Abzug für die Kreisoberliga-Mannschaft sowie einer Geldstrafe von 650 Euro bestraft, weil der Verein wiederholt nicht die erforderliche Zahl an Schiedsrichtern stellt. Auch Tage danach hat sich der Ärger über die drastischen Sanktionen bei den Verantwortlichen des SVF noch nicht verzogen. Trotzdem sagt Vereinschef Thomas Wilde: „Es war mir schon klar, dass irgendwas passieren wird.“ Noch zwei weitere Vereine sind von einem Punktabzug betroffen.

SVF hat um Schiri-Nachwuchs geworben

Wilde habe schon mit einer Strafe gerechnet, schließlich habe man im dritten Jahr in Folge nicht die erforderliche Anzahl von vier Schiedsrichtern – einen pro Männer-, Frauen- und Seniorenmannschaft – stellen können. Die Härte des Urteils hat Wilde und seine Mitstreiter aber überrascht. Der versichert, dass man sich redlich um neue Referees bemüht habe. „Wir haben erst im April einen Anwärter zum Lehrgang geschickt, der wurde uns zum Glück noch angerechnet“, sagt der Friedrichsthaler. Auf dem Sportplatz, der Internetseite und in den sozialen Netzwerken hat der Club um Schiri-Nachwuchs geworben. „Mehr, als die Leute im und um den Verein anzusprechen, können wir doch nicht tun. Wir können uns keine Schiedsrichter backen“, stellt Wilde fest. In der neuen Saison kann der SVF nun zwei Schiedsrichter einbringen, zwei weitere fehlen nach wie vor.

„Im Fußballkreis Oberhavel/Barnim gab es so etwas vorher noch nicht, weil wir bei der Fusion vor vier Jahren die Uhren auf Null gestellt haben“, erklärt Steffen Misdziol. Der Spielausschuss-Vorsitzende bestätigt, dass auch der SV Mühlenbeck (Kreisliga West) und der SV Beetz-Sommerfeld (2. Kreisklasse West) mit einem Minus von drei Punkten in die Saison starten werden. Eine ganze Reihe weiterer Vereine habe Geldstrafen wegen der Nichterfüllung des Schiedsrichter-Solls erhalten.

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<b>Regionalliga Nordost:</b> Viel Spannung ließ der <b>FC Energie Cottbus</b> in der vierten Liga diesmal nicht aufkommen. Nachdem sich der ehemalige Bundesligist im letzten Jahr noch Carl Zeiss Jena geschlagen geben musste, sicherte sich die Mannschaft von Pele Wollitz mit 89 Punkten und 31 Zählern Vorsprung auf Wacker Nordhausen mehr als souverän die Meisterschaft. In der Relegation gegen Regionalliga-Nord-Meister Weiche Flensburg (3:2, 0:0) gelang dann schließlich auch die Rückkehr in Liga 3. Zur Galerie
Regionalliga Nordost: Viel Spannung ließ der FC Energie Cottbus in der vierten Liga diesmal nicht aufkommen. Nachdem sich der ehemalige Bundesligist im letzten Jahr noch Carl Zeiss Jena geschlagen geben musste, sicherte sich die Mannschaft von "Pele" Wollitz mit 89 Punkten und 31 Zählern Vorsprung auf Wacker Nordhausen mehr als souverän die Meisterschaft. In der Relegation gegen Regionalliga-Nord-Meister Weiche Flensburg (3:2, 0:0) gelang dann schließlich auch die Rückkehr in Liga 3. ©

Für die Registrierung der aktiven Unparteiischen ist der Schiedsrichterausschuss zuständig. Dieser beantragt auch die Sanktionierung beim Sportgericht.

Michael Reichert, Vorsitzender des Fußballkreises Oberhavel/Barnim, hatte bereits nach seinen Amtsantritt betont: „Die Strafen wirken deshalb so krass, weil bisher die Satzungen und Ordnungen in dieser Hinsicht nicht ausgeschöpft worden sind.“ Im Frühjahr hatte es bereits auf Landesebene drastische Strafen gegeben, beispielsweise waren dem VfL Nauen in der Landesklasse West sechs Punkte abgezogen worden. Jetzt ist auch das Sportgericht des Fußballkreises einen Schritt weiter gegangen. „Das sind ja nicht Vereine, bei denen das zum ersten Mal vorgekommen ist“, sagt Michael Reichert. Und härtere Strafen seien lange angekündigt gewesen. In seiner Aufgabe als Schiedsrichter-Chef habe er selbst noch dafür gesorgt, dass die Frist verlängert wurde. „Fünf Vereine haben diese Zeit genutzt und das Soll noch erfüllt“, so Reichert. Zuletzt wurden Clubs, die sogar mehr Referees als nötig haben pro Schiedsrichter mit einem 100-Euro-Gutschein belohnt. Das sei nicht mehr möglich. „Wir werden uns aber ein anderes Modell überlegen“, verspricht der FK-Chef.

Wilde: "Da können wir nicht mithalten"

Auch Thomas Wilde hat sich nun mit der Rechts- und Verfahrensordnung des Fußball-Landesverbandes befasst. Er weiß, dass es den Verein sogar noch härter hätte treffen können. „Aber die Strafen lösen das Problem nicht. Das macht die kleinen Vereine kaputt“, wird Wilde, der von einer „horrenden Summe“ spricht, deutlich. Er hat auch von Fällen gehört, in denen Schiedsrichter gezielt abgeworben wurden. „Wenn dann auch noch Geld im Spiel ist, ist das einfach ein Problem. Da kann so ein kleiner Verein wie wir nicht mithalten.“

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