10. März 2019 / 19:04 Uhr

ZUFFI: Verrückter, kinderlieber Teddybär auf Dauersendung

ZUFFI: Verrückter, kinderlieber Teddybär auf Dauersendung

Redaktion Sportbuzzer
RedaktionsNetzwerk Deutschland
Sorgt für Stimmung auf den Rängen: ZUFFI, das Maskottchen der BG Göttingen.
Sorgt für Stimmung auf den Rängen: ZUFFI, das Maskottchen der BG Göttingen. © Swen Pförtner
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Der Arbeitstag von Felix Schumacher beginnt um kurz nach 17 Uhr. In einer Stunde wird die BG Göttingen in der Basketball-Bundesliga auf die Skyliners Frankfurt treffen. Schumacher wird dann nicht mehr wiederzuerkennen sein. Denn er schlüpft in die Rolle von Maskottchen ZUFFI.

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Der Arbeitstag von Felix Schumacher beginnt um kurz nach 17 Uhr. In einer Stunde wird die BG Göttingen in der Basketball-Bundesliga auf die Skyliners Frankfurt treffen. Schumacher wird dann nicht mehr wiederzuerkennen sein. Denn er schlüpft wie bei vielen Heimspielen der BG in die Rolle von Maskottchen ZUFFI.

In einer Kabine der Sparkassen-Arena räumt der 26-Jährige einen großen schwarzen Beutel aus. In ihm befinden sich die einzelnen Elemente des ZUFFI-Kostüms, das er selbst entworfen und angefertigt hat: zwei Füße in Schumachers Schuhgröße 51, zwei Handschuhe mit je vier Fingern, der Body, der sechs Kilogramm schwere Kopf und das BG-Trikot in Größe 3XL.

Warmtanzen auf dem Spielfeld

Binnen weniger Augenblicke verwandelt sich Felix, der in Jogginghose, Kapuzenpullover und Snapback angereist ist, in ZUFFI – den mehr als zwei Meter großen Bären im Basketballdress. ZUFFI sei ein „kinderlieber, verrückter Teddybär, dessen Hobby Basketball ist“, sagt Schumacher.

ZUFFI beim Spiel der BG gegen die FRAPORT SKYLINERS

Während sich die Spieler auf dem Parkett auf das Spiel vorbereiten, muss auch Schumacher sich aufwärmen: Dehnen, Laufen, Warmtanzen am Mittelkreis. 15 bis 20 Minuten dauert sein kleines Programm, damit er sich nicht verletzt, wenn er gleich die mehr als 3000 Zuschauer in der Sparkassen-Arena unterhält und anpeitscht.

Hohe Betriebstemperatur

Kurz vor Spielbeginn wird es dunkel in der Halle. Das Gästeteam wird vorgestellt. Und dann läuft die BG Göttingen in die Halle ein, angeführt von der Nummer 95 – ZUFFI. In dem Kostüm ist es für Schumacher nun rund 50 Grad heiß.

Das Spiel beginnt. ZUFFI muss für Stimmung sorgen: Tanzen, Springen, Trommeln – Schumacher ist von jetzt an nahezu zwei Stunden auf Dauersendung. Hier klaut er dem Sanitäter seine Jacke, da verpasst er den Fotografen eine Kopfmassage. ZUFFI soll den Zuschauern ein Lächeln ins Gesicht zaubern, sie wenn nötig aber auch auf Betriebstemperatur bringen. Für Schumacher ist das eine Gratwanderung, nichts ist vorab geplant, alles ist abhängig von der Stimmung in der Halle, für die er ein untrügliches Gespür hat. Besonders beliebt ist der Bär mit den großen, lebensechten Augen bei den Kleinsten. Hier wird ZUFFI zum Knuddelbär.

Vom Geschehen auf dem Spielfeld bekommt Schumacher im ZUFFI-Kostüm kaum etwas mit. Und so dreht er, während sich auf dem Parkett die erste Halbzeit dem Ende zuneigt, seine Runden. Es wird am Ende kaum eine Ecke in der Halle geben, in der er mit den Anhängern nicht getanzt, geknuddelt oder gejubelt hat.

Fünf Liter Wasser pro Spiel

Dann ist Halbzeit. Auch Schumacher kann jetzt eine kurze Pause von circa fünf Minuten einlegen, die einzige Unterbrechung der Dauersendung. „Diese Pause ist extrem wichtig“, sagt er, zurück in der Kabine, vollkommen außer Atem. Er braucht diese Pause, um abzulüften. Denn der Schweiß tropft nicht, sondern läuft von seinem Kopf als er das Kostüm abnimmt. Vor ihm auf dem Boden hat sich schnell ein kleiner See aus Schweiß gebildet. Maskottchen sein, ist Hochleistungssport. „Ich schwitze mehr als die Spieler“, sagt Schumacher. Er wird an diesem Abend um die fünf Liter Wasser trinken. Bevor es wieder rausgeht, isst er noch eine Banane, „um Energie zu tanken“.

In der zweiten Halbzeit dreht Schumacher, zurück im ZUFFI-Kostüm, dann noch mal auf. Doch alles Anfeuern in der kochenden Sparkassen-Arena hilft am Ende nicht, die BG verliert. „Bei einem Sieg hat man natürlich mehr Adrenalin“, sagt Schumacher. Seine Mission ist für heute beendet, die Sieges-Humba bleibt aus.

Zurück in der Kabine ist es dann auf einmal wieder ganz ruhig, die Show ist beendet. „In diesem Moment ist man erst mal erleichtert“, sagt Schumacher. Er zieht das Kostüm aus, ZUFFI verschwindet wieder im schwarzen Beutel, die Rückverwandlung zu Felix. „Ich bekomme endlich wieder richtig Luft“, sagt der 26-Jährige, der sich nach nichts stärker sehnt als nach einer ausgiebigen Dusche. „Ich freue mich jetzt auch schon auf mein Bett“, sagt Schumacher.

Schon am nächsten Tag geht es für ihn weiter. In Berlin wird er beim Heimspiel von Alba gegen Oldenburg in das Kostüm von „Elli Hoop“, Maskottchen der Basketball-Bundesliga, schlüpfen. Die nächste Dauersendung, um sich auszupowern – und Menschen zu begeistern.

Von Filip Donth

10.11.2018, Basketball-Bundesliga easyCredit-BBL, Saison 2018/19, 7. Spieltag, BG Göttingen - Science City Jena: Zuffi. Foto: Swen Pförtner
10.11.2018, Basketball-Bundesliga easyCredit-BBL, Saison 2018/19, 7. Spieltag, BG Göttingen - Science City Jena: Zuffi. Foto: Swen Pförtner © (c) Swen Pförtner / swenpfoertner.com
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„In den Kostümen übernimmst Du eine riesengroße Verantwortung“

Auf Bestellung lustig sein – Felix Schumacher kann das. Der Hagener hat sein Hobby zum Beruf gemacht und im Alter von 18 Jahren die Firma „Best Motivation“ gegründet. Da war er in seinem Business schon ein alter Hase, Feuervogel, Löwe, Hahn, Känguru oder Hai...

Der inzwischen 26-jährige Unternehmer zeigt nie sein wahres Gesicht, wird aber dennoch geliebt: von Basketball-, Eishockey- und Handballfans ebenso wie von Kunden in Einkaufszentren oder Festival-Besuchern. Überall dort steckt er – oder einer seiner inzwischen 25 Mitarbeiter – in einem Maskottchen-Kostüm. Meistens ist das auch noch von ihm entworfen und hergestellt worden. Sechs bis acht Wochen Zeit nimmt die Herstellung in Anspruch – von der Idee bis zum fertigen Outfit. Auch um das Marketing kümmert er sich selbst, ebenso um passende Werbemittel.

Beim damaligen Basketball-Bundesligisten Phoenix Hagen hat der zwölfjährige Felix erstmals in einem Maskottchen-Dress gesteckt, und weil er es so gut gemacht hat, wurde er danach auch von anderen Unternehmen aus der Umgebung gebucht. Mit der Volljährigkeit machte er sich als „One-Man-Show“ selbstständig – und nebenbei noch eine Ausbildung zum Grafiker. „Ich bin da in eine Nische gestoßen. Maskottchen haben eine hohe Werbewirkung, sind Sympathieträger“, erzählt Schumacher, der inzwischen von seinem Geschäft leben kann.

Felix Schumacher
Felix Schumacher ©

Er selbst bezeichnet sich als einen „actiongeladenen, kreativen Menschen“, der aus dem Basketball-Lager kommt, gut Tischtennis gespielt und lange Zeit den Trendsport Parkour gemacht hat. „Ich habe nie wirklich geplant, dass das alles so läuft“, sagt Schumacher, der sich selbst als „sehr groß, relativ dünn – eben ein typischer Lauch“ beschreibt. Er ist es auch, der bei einem Sieg der BG Göttingen schon einmal auf dem Korb gesessen und von dort aus die Fans unterhalten hat. „Das mache aber nur ich. Meinen Mitarbeitern habe ich das – aus versicherungstechnischen Gründen – verboten.“

Vorwiegend lange Menschen würden in das Maskottchen-Kostüm der BG gesteckt. „ZUFFI ist schon riesig“, erzählt der Unternehmer, der am 23. März mit acht bis zehn Mitarbeitern beim Allstar Day der Basketball-Bundesliga in Trier sein wird. Seine Leute, die er für diesen Job hauptsächlich in Nordrhein-Westfalen rekrutiert – stecken auch in den Outfits des Maskottchens der easyCredit Basketball-Bundesliga und der Basketball-Nationalmannschaft.

Damit die Maskottchen auch die von den Kunden gewünschten Botschaften entsprechend rüberbringen können, gibt es regelmäßige Coachings oder auch mehrtägige Workshops. Für Red Bull Salzburg hat er vor Ort in Österreich das festangestellte Personal des Fußball-Erstligisten geschult. „In den Kostümen übernimmst du eine riesengroße Verantwortung. Du bist der Markenbotschafter eines Vereins oder einer Firma. Jede Handlung muss überlegt sein, man muss vor allem wissen, wie man mit Kindern umgeht. Es darf keine sexistischen oder obszönen Bewegungen geben“, erzählt Schumacher von den Inhalten seines Coachings und seinem Berufs-Ethos.

Drei Regeln gelte es unbedingt zu beachten: „Nicht sprechen, nicht in der Öffentlichkeit das Kostüm ausziehen, und immer freundlich sein.“ Dann klappt es auch mit der Bespaßung der Fans.

Wird ZUFFI mal während der Woche gebraucht, schlüpft der ehemalige FSJler der BG Göttingen, Nils Hülsmann, in das Plüschkostüm und macht Fotos bei Grundschulturnieren und anderen Aktionen vor Ort. „Für einen Fototermin hat auch schon mal unser Hallensprecher Nils Leunig das Kostüm angehabt. Er ist ja auch groß“, sagt BG-Geschäftsführer Frank Meinertshagen.

Von Kathrin Lienig

Teilt gern: Nach dem Spiel gegen Frankfurt hat ZUFFI seine Lieblingsspeise –Honig – verteilt.
Teilt gern: Nach dem Spiel gegen Frankfurt hat ZUFFI seine Lieblingsspeise –Honig – verteilt. © Swen Pförtner

ZUFFI teil gern – auch seine Lieblingsspeise Honig

Er trägt die Trikotnummer 95, ist aber bei der Spieler-Vorstellung immer der Erste auf dem Feld: ZUFFI, das Maskottchen der Veilchen. Seine Geburtsstunde war im Jahr 2015, nachdem der damalige BG-Spieler Raymar Morgan beim Allstar Day in Ulm allein in die Arena einlaufen musste. Alle anderen Spieler hatten ihr Klub-Maskottchen zur Unterstützung dabei, nur der BG-Profi musste den Weg aufs Spielfeld alleine gehen. Danach waren sich alle Verantwortlichen einig: Das darf nicht noch einmal passieren.

Zehn Monate später, im Oktober 2015, hatte der überdimensionale Teddy-Bär dann Premiere – und auch einen Steckbrief, genauso wie ihn die Spieler haben: Das im Göttinger Stadtwald geborene Plüsch-Maskottchen liebt es, mit anderen Maskottchen herumzutollen, Kinder zum Lachen zu bringen und Veilchen-Fans zu umarmen, er mag am liebsten Honig und den Film „Paddington“.

 ZUFFI ist schon seit vielen Jahren das Maskottchen der ZUFALL logistics group. Er hat seine Ausbildung zum Kaufmann für Spedition und Logistikdienstleistung absolviert. In seiner Freizeit spielt er sehr gerne Basketball und so kam es zur langfristig vereinbarten Partnerschaft mit der BG Göttingen. „Wir legen großen Wert darauf, dass ZUFFI ein fest definiertes und vertraglich fixiertes Charakterprofil hat“, sagt Thomas Drochelmann, Bereichsleiter Allgemeine Verwaltung der ZUFALL logistics group. Gemeinsam mit Felix Schumacher von der Agentur „Best Motivation“ wurde ein Profil erarbeitet: ZUFFI ist ein kinderfreundliches, dynamisches und gelenkiges Maskottchen. Er ist lieb-frech, hat den Schalk im Nacken, verhält sich aber respektvoll gegenüber den Gegnern und Schiedsrichtern. Die Nähe und Interaktion mit Kindern, Fans und Spielern steht an erster Stelle.

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Von Kathrin Lienig