13. März 2019 / 07:54 Uhr

Spitzentreffen beim Oberbürgermeister: Wie werden Leipzigs Sport-Asse künftig vermarktet?

Spitzentreffen beim Oberbürgermeister: Wie werden Leipzigs Sport-Asse künftig vermarktet?

Frank Schober
Slalomkanute Franz Anton gehört zu Leipzigs absoluten Top-Athleten.
Slalomkanute Franz Anton gehört zu Leipzigs absoluten Top-Athleten. © André Kempner
Anzeige

Am Dienstag trafen sich Oberbürgermeister Burkhard Jung und Sportbürgermeister Heiko Rosenthal im Rathaus mit Funktionären aus sieben Vereinen, um Lösungen zu finden, dass der Spitzensport in Leipzig auch zwischen den Olympischen Spielen im Fokus steht.

Anzeige

Leipzig. 25. Olympiaball, Mitte November. Eindeutige Jubiläums-Botschaft von Leipzigs Oberbürgermeister Burkhard Jung (SPD): „Wir brauchen ein einheitliches Vermarktungskonzept für unsere Athleten, die nicht immer im Scheinwerferlicht stehen.“ Zwischen den Olympischen Spielen müsse es gelingen, den Spitzensport in den Mittelpunkt zu rücken. „Dazu müssen die Vereine an einen Tisch und eine Vermarktungsstrategie entwerfen. Und zwar aus einer Hand, ohne, dass es hakt, dass es Reibungen und konkurrierende Konzepte gibt“, betonte der Rathaus-Chef und Ball-Schirmherr in den VIP-Räumen der Red-Bull-Arena. „Wir brauchen diesen Spitzensport in unserer Stadt, um Kindern, Schülerinnen und Schülern, Jugendlichen ein Vorbild zu geben.“

DURCHKLICKEN: Das sind die Sportler und Platzierten des Jahres – und alles Gewinner

Gruppenbild mit Politikern: Die Sieger und Platzierten der aktuellen Ehrung zu den Sportlern und Trainern des Jahres in Sachsen Zur Galerie
Gruppenbild mit Politikern: Die Sieger und Platzierten der aktuellen Ehrung zu den Sportlern und Trainern des Jahres in Sachsen © dpa
Anzeige

Am Dienstagnachmittag: Im Rathaus trafen sich der OBM und Sportbürgermeister Heiko Rosenthal (Die Linke) mit Führungskräften aus sieben Vereinen, die Elite-Athleten in ihren Reihen haben. In der Runde diskutierten ebenso Vertreter des Olympiastützpunktes (OSP), des Sportamtes sowie Volker Bremer, Geschäftsführer der Leipzig Tourismus und Marketing GmbH (LTM). Es ging um eine neue Struktur der Spitzensport-Förderung. So viel drang nach außen: Für eine neue GmbH oder eine Neustrukturierung der Olympia-Sport Leipzig (OSL) sollen bis 30. April die Weichen gestellt werden. Dann soll die LTM mehrheitliche Anteile besitzen.

Jung hatte vor über 20 Jahren – damals als frisch gewählter Sport-Beigeordneter – schon einmal eine Vermarktungs-Offensive für die olympischen Sportarten gestartet. Als Ergebnis entstand damals OSL als Tochter des Olympiastützpunkt-Fördervereins. Die OSL brachte in den zwei Jahrzehnten die Vermarktung der hiesigen Spitzenathleten und Olympia-Teams mal besser, mal schlechter voran. Großsponsoren wie Sparkasse Leipzig, Leipziger Gruppe oder Verbundnetz Gas AG hielten der OSL über Jahre die Treue, der Umfang der Förderung variierte aber zwischen den einzelnen Olympiazyklen deutlich.

Neue Struktur wird gebraucht

In den vergangenen Jahren tobte ein Machtkampf zwischen der Sport GmbH des SC DHfK und der OSL – beide Seiten wollten zum Teil die gleichen Athleten vertreten und traten mit ähnlichen Ideen an die gleichen Sponsoren heran – Reibungsverlust war die Folge. Doch beim SC DHfK weht seit den Vorstandswahlen im September 2018 ein anderer Wind – der Großverein steht einer gemeinsamen Lösung wohlwollend gegenüber.

Weitere Meldungen aus dem Lokalsport Leipzig

Nun also soll eine neue Struktur her – auch vor dem Hintergrund, dass der OSP Leipzig als Teil des OSP Sachsen seine Eigenständigkeit verloren hat. Beim Spitzentreffen am Dienstag unter Moderation von Burkhard Jung hatten einige Vereins-Chefs Vertreter geschickt. Dadurch saßen mit Jan Benzien (Kanuslalom) und Jörg Fiedler (Fechten) zwei langjährige Aushängeschilder des Leipziger Sports am Tisch. „Die Sportler müssen eingebunden werden. Sie wissen doch am besten, wo der Schuh drückt“, sagte Frithjof Bergner, Vorsitzender des Leipziger Kanu-Clubs, auf SPORTBUZZER-Anfrage. Es sei wichtig, im Spitzensport die Vereins-Meierei zu überwinden und mit einer Stimme zu sprechen. „Es geht nicht darum, jemandem etwas wegzunehmen. Wenn sich die Förderung der Sportler ein wenig verbessert, wäre schon viel erreicht.“

Kräfte sollen gebündelt werden

Die Zeit dränge, Ende April beginnt zum Beispiel im Kanuslalom bereits die Qualifikation für Tokio 2020. Bergner findet es gut, dass der OBM vorangeht. Letztlich gehe es um leistungsstarke Sportarten, die oft nicht so im Fokus stehen wie Ballsportarten. Matthias Kiefer, Präsident des Judoclubs, sagt: „Ich bin für die Bündelung der Kräfte. In Leipzig muss sich etwas bewegen, damit wir langfristig erfolgreich sein können.“

Saß mit am Verhandlungstisch: Leipzigs ehemaliger Weltklasse-Fechter Jörg Fiedler . Er bildet seit seinem Karriereende als Trainer Fechttalente aus.
Saß mit am Verhandlungstisch: Leipzigs ehemaliger Weltklasse-Fechter Jörg Fiedler . Er bildet seit seinem Karriereende als Trainer Fechttalente aus. © André Kempner

Unter den Athleten wird eine einheitliche Vermarktung über Vereinsgrenzen und Sportarten hinweg gewünscht. „Ich begrüße die Gespräche sehr“, sagt Kanuslalom-Weltmeister Franz Anton. „Wir Athleten verstehen und unterstützen uns schon seit Jahren gut. Es ist schade, dass dies in der Ebene darüber nicht so der Fall war. Da hatte ich das Gefühl, dass das gleiche Ziel verfolgt, aber in verschiedene Richtungen gegangen wurde. Solche Befindlichkeiten schaden den Sportlern.“ Der Canadier-Champion findet Kontinuität bei der Vermarktung wichtig. Nicht nur die Spitze der Kaderpyramide oder aktuelle Olympiastarter sollen profitieren, sondern auch die Kandidaten für 2024 und 2028. Dass mit Annekatrin Thiele und Tina Dietze die beste Ruderin sowie Kanutin der vergangenen Jahre von einem Manager aus Dresden vertreten werden, sei kein Ausschluss-Kriterium. Thiele: „Ich bin für die gemeinsame Lösung.“

Frank Schober, Kerstin Förster

ANZEIGE: #GABFAF-T-Shirt plus gratis Gymbag! Der Deal of the week im SPORTBUZZER-Shop.

Die aktuellen TOP-THEMEN
Anzeige
Sport aus Leipzig
Sport aus aller Welt