17. Mai 2019 / 16:10 Uhr

Zum Abschied: Almedin Civa über seine Zeit beim SV Babelsberg 03

Zum Abschied: Almedin Civa über seine Zeit beim SV Babelsberg 03

Mirko Jablonowski
Märkische Allgemeine Zeitung
Nach dem Spiel ließ sich Civa auf dem Zaun vor der Nordkurve feiern...
Nach dem Spiel ließ sich Civa auf dem Zaun vor der Nordkurve feiern... © Jan Kuppert
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Regionalliga Nordost: Almedin Civa bestreitet gegen den VfB Auerbach sein letztes Spiel als Trainer vom SV Babelsberg 03.

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Vor seinem letzten Spiel als Trainer des Fußball-Regionalligisten SV Babelsberg 03, das Samstagnachmittag um 13.30 Uhr beim VfB Auerbach angepfiffen wird, nimmt sich Almedin Civa noch einmal Zeit für ein ausführliches Pressegespräch. Seit 1999, als er vom KFC Uerdingen erstmals an den Babelsberger Park wechselte, prägte der 47-jährige Bosnier den Verein zunächst als Spieler – mit einer Unterbrechung von viereinhalb Jahren – und später als sportlicher Leiter sowie Trainer der ersten Mannschaft wie kein Zweiter. Beim Erzählen der erlebten Anekdoten aus den vergangenen Jahrzehnten merkt man Civa an, wie sehr er den Fußball liebt, mit welcher Leidenschaft er bei der Sache ist.

Dass das Karl-Liebknecht-Stadion im letzten Heimspiel unter seiner Regie gegen Rot-Weiß Erfurt (3:1) am vergangenen Wochenende den Beinamen „Almedin-Civa-Kampfbahn“ erhielt und er sich zudem in das Goldene Buch der Stadt Potsdam eintragen durfte, erfüllt Civa, der den Kiezverein bereits im vergangenen September über das Ende seines Engagements informiert hatte, mit großem Stolz.

„In solchen Momenten weiß man gar nicht, wie man sich verhalten und welche Worte man wählen soll – ich bin einfach nur dankbar“, sagt die Babelsberger Vereinslegende, die zur neuen Saison an der Seitenlinie von Ex-Profi Marco Vorbeck beerbt wird, mit einigen Tagen Abstand und blickt zum Abschluss auf die prägendsten Erlebnisse seiner bisherigen Laufbahn im Fußball sowie seine Zukunft. Almedin Civa über...

In Bildern: Der 47-Jährige beendet am Ende der Saison seine Tätigkeit als Trainer und Sportlicher Leiter beim Regionalligisten.

Klickt euch durch die Galerie der Karriere von Almedin Civa beim SV Babelsberg 03. Zur Galerie
Klickt euch durch die Galerie der Karriere von Almedin Civa beim SV Babelsberg 03. ©
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...seinen ersten Punktspieleinsatz für den SVB am 11. August 1999: „Das war gegen den VfB Leipzig um Trainer Dragoslav Stepanovic und Spieler wie Burkhard Reich und Holger Gaißmayer. Wir haben nach einem überragenden Spiel mit 3:1 gewonnen und uns am Ende der Saison im Kampf um die Qualifikation für die neue zweigleisige Regionalliga gegen namhafte Kontrahenten wie Dynamo Dresden, den 1. FC Magdeburg oder den BFC Dynamo durchgesetzt.“

...den schönsten Sieg: „Da gab es einige. Natürlich das letzte Saisonspiel 2000/01. Mit dem 1:0-Sieg gegen Fortuna Düsseldorf haben wir vor ausverkauftem Haus den Aufstieg in die 2. Liga perfekt gemacht. Aber auch das 3:2 gegen Union Berlin wenige Wochen später – als wir schon 0:2 zurücklagen – bleibt unvergessen. Zudem erinnere ich mich noch gut an das Heimspiel gegen Dynamo Dresden in der Saison 1999/2000. In einer wahren Wasserschlacht haben wir am Ende 1:0 gewonnen und in dieser Saison die Qualifikation für die neu eingeführte Regionalliga geschafft – das war der Grundstein für den späteren Zweitliga-Aufstieg.“

...die bitterste Niederlage: „Da gab es keine spezielle. Insgesamt war die Saison 2013/14 nach dem Drittliga-Abstieg brutal. Da mussten wir alle im Verein extrem viel entbehren, sind mit einem absoluten Mini-Etat in die Saison gegangen und so richtig weiß ich bis heute nicht, wie wir das überhaupt überstehen konnten. Am letzten Spieltag nach unserer Niederlage in Meuselwitz mussten wir dann hoffen, dass Lok Leipzig nicht bei Hertha BSC II gewinnt. Während unser Spiel schon abgepfiffen war, lief die Partie in Berlin nach Ausschreitungen noch zehn Minuten. Da war man machtlos. Solch eine Situation will man nicht noch einmal erleben.

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...das schönste Auswärtsstadion: „Da gibt es drei. Der Tivoli in Aachen, das Millerntor auf St. Pauli und die Alte Försterei von Union Berlin. Da haben die Fans ihre Mannschaften immer nach vorne gepeitscht – gerade, wenn sie in Rückstand lagen.“

...seine besten Mitspieler: „Ich durfte mit vielen überragenden Akteuren wie zum Beispiel Daniel Frahn, Dominik-Stroh-Engel oder Marco Küntzel auf dem Platz stehen. Vom Spielverständnis her habe ich mich am besten mit Martino Gatti ergänzt. Wir sind sehr gute Freunde und brauchten auf dem Platz nicht viele Worte. Dieses blinde Verständnis haben wir auch heute noch, wenn wir mal zusammen in der Halle kicken. Noch bei Tennis Borussia spielte ich mit Michael Schröder zusammen, der damals zu den älteren Spielern gehörte, der ein paar Jahre zuvor mit Stuttgart noch gegen Diego Maradona gespielt hat.“

...seine stärksten Gegenspieler: „Da kommt mir als erstes Thomas Häßler in den Sinn. Gegen ihn und seinen Karlsruher SC habe ich damals noch im Trikot von Tennis Borussia Berlin im DFB-Pokal gespielt. Ihn als Weltmeister und Fußball-Gott vom AS Rom zu erleben, war schon einmalig. Zudem haben sich vor allem die Duelle gegen Sebastian Deisler, Toni Kroos und Hamit Altintop eingebrannt. Auf Deisler und Hertha sind wir 2001 im DFB-Pokal getroffen. Dass ein so genialer Fußballer so früh seine Karriere beendet hat, ist in meinen Augen eine Sünde. Kroos und Leverkusen waren 2009 im DFB-Pokal im Karl-Liebknecht-Stadion zu Gast. Der hat die Pässe von Renato Augusto wie Torschüsse zugespielt bekommen und den Ball trotzdem immer direkt am Fuß gehabt. Und auf Altintop bin ich damals getroffen, als er mit 19 Jahren noch bei der SG Wattenscheid war. Ich hatte eine Innenbanddehnung im Knie und habe mich mit zwei Spritzen fit machen lassen – im Nachhinein keine gute Idee. Was der in diesem Alter schon gespielt hat, war der absolute Wahnsinn.“

...seine Zukunft: „Ich habe hier in Babelsberg in den vergangenen Jahren unfassbar viel gelernt, würde schon gerne im Fußball bleiben und kann mir da vieles vorstellen. Ich mache mir da aber keinen Druck. Die Aufgabe muss in Zusammenhang mit den beteiligten Leuten einfach passen und die Leidenschaft in mir wecken.

Stimmen zu Almedin Civa

Daniel Frahn, Stürmer Chemnitzer FC: „Er war für mich als damals sehr junger Spieler extrem wichtig und ein Vorbild in der Mannschaft. Sein Siegeswille - egal ob im Spiel oder in jeder Trainingseinheit - hat mich extrem beeindruckt. Auch abseits des Platzes hatte und hat Alme immer ein offenes Ohr und einen guten Rat für mich. Ich schätze ihn nicht nur als Spieler sondern noch viel mehr als Mensch sehr, wünsche ihn nur das Beste und hoffe natürlich, dass er uns im Fußball erhalten bleibt.“

Julian Prochnow, Ex-Spieler SV Babelsberg 03: „Er hatte immer eine absolute Vorbildfunktion und lief auch mit Ende 30 immer noch vorne weg. Er hat sich nie rausgenommen, immer 100 Prozent gegeben und konnte auch sehr temperamentvoll sein. Auf Auswärtsfahrten konnte er gefühlt acht Stunden durchquatschen und von seinen Erlebnissen als Fußballer berichten.“

Martino Gatti, Co-Trainer BFC Dynamo: „Wir haben uns ja schon Mitte der 90er Jahre bei Tennis Borussia Berlin kennengelernt. Ganz besonders verbindet uns natürlich der gemeinsame Aufstieg mit Babelsberg in die 2. Liga. Er ist ein sehr ehrlicher und temperamentvoller Typ, auf den man sich immer verlassen kann. Er gibt sportlich wie privat immer Vollgas und ist ein sehr guter Freund.“

Enrico Große, Nachwuchsleiter SV Babelsberg 03: „Gerade beim Thema Personalführung habe ich von ihm unheimlich viel gelernt. Nach dem Ende seiner aktiven Zeit hat er zunächst im Nachwuchsbereich reingeschnuppert und war quasi mein Lehrling – das hat sich aber schnell geändert. Er ist ein Praktiker, der als Mensch absolute Vorbildfunktion hat.“

Marcus Hoffmann, Innenverteidiger Viktoria Berlin und ehemaliger Zimmernachbar von Civa: „Er ist einfach ein super Typ, ein sehr feiner Mensch. Er war als Spieler kein Mann der großen Worte sondern der Taten und hat seine Mitspieler auch im Training erzogen. Auch mit Ende 30 ist er gefühlt immer noch am meisten gelaufen. Er ist immer vorangegangen, das hat mir als junger Spieler imponiert.“

Matthias Rudolph, Trainer Turbine Potsdam: „Er war ein hochprofessioneller Mitspieler, an Professionalität eigentlich nicht zu überbieten. Er hat in jedem Training und in jedem Spiel alles gegeben und war ein absolutes Vorbild und zurecht der Kapitän der Mannschaft.“

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