03. Juli 2020 / 17:00 Uhr

Zum Abschied von Robin Knoche: Sein Rückblick auf 15 Jahre beim VfL Wolfsburg

Zum Abschied von Robin Knoche: Sein Rückblick auf 15 Jahre beim VfL Wolfsburg

Marcel Westermann
Wolfsburger Allgemeine / Aller-Zeitung
Abschied nach 15 Jahren in Wolfsburg: Innenverteidiger Robin Knoche hatte am Dienstag seinen letzten Arbeitstag für seinen Herzensklub.
Abschied nach 15 Jahren in Wolfsburg: Innenverteidiger Robin Knoche hatte am Dienstag seinen letzten Arbeitstag für seinen Herzensklub. © 2018 Getty Images
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Am Dienstag war sein letzter Tag beim VfL, nach 15 Jahren endete die Ära von Robin Knoche beim Wolfsburger Fußball-Bundesligisten. Zum Abschied erinnert er sich noch mal an viele schöne, aber auch traurige Momente im Verein zurück.

3, 15, 31, 183 - diese Zahlen stehen für Robin Knoche. Drei Titel holte das VfL-Eigengewächs in 15 Jahren beim Wolfsburger Fußball-Bundesligisten: Die Nummer 31 gewann 2011 mit der A-Jugend die deutsche Meisterschaft, 2015 den DFB-Pokal sowie den Supercup. Anschließend bestritt Knoche insgesamt 183 Bundesliga-Partien für den VfL. Unumstritten war er nie, durchgesetzt hat er sich immer. Doch nun ist Schluss für ihn in Wolfsburg - leicht ist es für ihn nicht. Am Dienstag war sein letzter Tag bei seinem bisherigen Arbeitgeber. Mit dem Klub erlebte er nicht nur Höhen, auch schwere Zeiten waren dabei. Zum Abschied blickte der 28-Jährige noch mal auf seine Zeit im Verein zurück und sprach über...

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...sein letztes Spiel für den VfL

"Ich habe versucht, jeden Moment aufzunehmen und zu genießen. Schon im Vorfeld war es sehr besonders. Je näher der Tag rückte, desto extremer wurde das Gefühl, dass es das letzte Spiel mit dem VfL-Logo auf der Brust sein wird. In den Stunden vor dem Spiel war ich einfach nur angespannt, weil ich die Situation nicht richtig einschätzen konnte. Das Stadion war leer, es waren keine Fans dabei. Ein richtiger Abschied sieht auch anders aus, aber dafür konnte niemand etwas. Für uns ging es neben allen Emotionen auch noch darum, Platz sechs zu sichern. Aber klar: Ich war viel emotionaler als sonst. Es wäre komisch, wenn es anders gewesen wäre. Ich habe das Wolfsburger Trikot über 18.500 Minuten getragen. Es war natürlich kein Abschied nach Wunsch. Nur von der Bank. Ohne Fans. Und dann auch noch eine Niederlage. Es war ein merkwürdiges Gefühl, ein letztes Mal als Wolf auf den Platz zu laufen."

...seinen Abschied

"Auf dem Platz habe ich mit vielen Spielern auch von den Bayern gesprochen. Zu Ivan Perisic habe ich zum Beispiel eine engere Verbindung durch unsere gemeinsame Zeit hier. Nach der Partie haben wir uns alle im VfL-Center getroffen. Da wurde ich im engeren Kreis verabschiedet. Von der Mannschaft habe ich ein tolles Geschenk bekommen. Was es ist, behalte ich für mich – eine tolle Erinnerung. Als ich dann spät das Center verlassen habe, standen meine Frau, meine Familie und meine engsten Freunde mit Shirts und Bannern mit der Aufschrift 'Robin, you'll never walk alone' vor dem Parkplatz. Damit habe ich auch nicht gerechnet. Der Verein hat die Entscheidung, dass es für mich in Wolfsburg nicht weitergeht, so getroffen, und die muss ich akzeptieren."

...seinen Charakter

"Ich bin kein großer Fan davon, meinem Ärger in der Öffentlichkeit Luft zu machen. Ich kann auch unangenehm werden, aber eher intern. Da kann ich auch in die Luft gehen. Vielleicht ist der Weg in die Öffentlichkeit manchmal druckvoller, wenn man seine persönlichen Interessen durchsetzen will. Aber ich habe immer versucht, meine Antworten auf dem Platz zu geben."

...sein Durchsetzungsvermögen

"Konkurrenz gibt es immer und überall – im Sport und in anderen Jobs. Es gilt, sich durchzusetzen und die eigenen Qualitäten zu zeigen und zu verbessern. Generell denke ich, dass es für Spieler aus dem eigenen Stall immer schwieriger ist. Man kommt ohne große Vorschusslorbeeren aus der Jugend und muss sich noch ein Stück mehr beweisen als ein Neuer, für den viel Geld ausgegeben wurde. Letztlich habe ich immer versucht, mich übers Training anzubieten. Oft hat es geklappt (lacht). Man kann nie beeinflussen, welche Personalentscheidungen im Verein getroffen werden. Man kann nur mit der eigenen Leistung zeigen, welchen Wert man für die Mannschaft hat. Genau das habe ich immer versucht. Ich habe in jedem Training, in jedem Spiel 100 Prozent gegeben. Mal weniger gut, mal gut. Aber immer mit ganzem Herzen. Da hat mich Felix Magath geprägt: Man muss sich durchbeißen, so hart es auch sein mag, dann wird man belohnt."

...den Zusammenhalt mit den Fans

"Das Banner der Fans am VfL-Center hat mich emotional sehr berührt. Das ist nicht selbstverständlich und zeigt, dass ich in den letzten 15 Jahren nicht alles falsch gemacht habe. Wir haben zusammen sportlich gute und schlechte Zeiten erlebt. Da war alles dabei. Auch auf die tragische Art mit Junior Malandas Tod. So schrecklich das für uns alle und natürlich besonders für seine Familie war, so hat es uns auch gezeigt, wie stark wir sein können, wenn wir zusammenrücken. Wir haben für ihn gespielt – bis zum Pokalsieg und zur Vizemeisterschaft. Wir werden ihn immer im Herzen behalten."


Die Karriere von Robin Knoche in Bildern

Der gebürtige Braunschweiger Robin Knoche kam bereits im jungen jahren zum VfL Wolfsburg. Mit gerade einmal 13 Jahren wechselte das Defensivtalent nach Wolfsburg, durchlief seitdem die Jugendmannschaften des Klubs und holte mit den A-Junioren den Meistertitel. Zur Galerie
Der gebürtige Braunschweiger Robin Knoche kam bereits im jungen jahren zum VfL Wolfsburg. Mit gerade einmal 13 Jahren wechselte das Defensivtalent nach Wolfsburg, durchlief seitdem die Jugendmannschaften des Klubs und holte mit den A-Junioren den Meistertitel. ©

...seine schönsten Erinnerungen

"Natürlich bleiben die Erfolge immer präsent. Als wir U19-Meister wurden, durfte ich als Kapitän die Schale entgegennehmen. Der DFB-Pokalsieg 2015 ist auch unvergesslich: dieses Gefühl, den Pokal in den Händen zu halten. Die Premieren sind auch wertvolle Erinnerungen: der erste Einsatz unter Felix Magath, das erste Tor gegen Schalke, Europa League, Champions League – das erste Mal die Hymne hören. Gänsehaut pur! Die Atmosphäre in Madrid, das war der absolute Wahnsinn. Nach 15 Jahren kenne ich jeden Mitarbeiter, zu allen habe ich eine Bindung, mit vielen verbinde ich besondere Geschichten.

Das Miteinander wird mir fehlen. Auf dem Vereinsgelände kenne ich jeden Zentimeter. Außerdem die Atmosphäre im Stadion, die Unterstützung der Fans, der tägliche Spaß mit den Jungs. Es ist ein Stück Heimat, das ich vermissen werde. Für mich aus der Region ist der VfL vielleicht noch ein wenig besonderer als für andere. Und das wird er auch bleiben. Ich habe alles mitgenommen, was nicht niet- und nagelfest ist (lacht). Meine Trikots zum Beispiel und die Schienbeinschoner, die ich schon seit der U17 trage. Aber am liebsten hätte ich wohl meinen ganzen Spint mitgenommen. Als der ausgeräumt war, kam schon Wehmut auf, weil ich den vom ersten Tag an hatte."

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...seine Zukunft und eine mögliche Rückkehr

"Ich verbringe erst mal ein paar Tage mit meiner Frau, die mich immer, aber besonders in der letzten Zeit, sehr unterstützt hat. Und sportlich? Das werden wir sehen, da ergibt sich schon etwas. Ob eher in der Bundesliga oder international, darüber habe ich mir noch gar nicht so viele Gedanken gemacht, weil mein Fokus voll auf dem Wochenende und meinem letzten VfL-Spiel lag. Warten wir ab, was passiert. Die Region wird unser Lebensmittelpunkt sein, das ist einfach unsere Heimat hier. Ich werde in jedem Fall zu meiner 'echten' Verabschiedung nach Wolfsburg zurückkehren, das habe ich mit Marcel Schäfer abgesprochen. Wenn das Stadion wieder gefüllt sein darf, können wir noch mal wirklich 'Auf Wiedersehen' sagen. Das war mein absoluter Wunsch. Und wenn sich nach meiner Karriere etwas beim VfL ergeben sollte, wäre das natürlich sehr schön. Aber bis dahin ist noch Zeit."