21. März 2020 / 13:11 Uhr

Zurück an alter Wirkungsstätte: Ann-Kathrin Lindner kehrt zum Burgdorfer Golfclub zurück

Zurück an alter Wirkungsstätte: Ann-Kathrin Lindner kehrt zum Burgdorfer Golfclub zurück

Christian Purbs
Hannoversche Allgemeine / Neue Presse
Ann-Kathrin Lindner freut sich über die Rückkehr zum Burgdorfer Golfclub. 
Ann-Kathrin Lindner freut sich über die Rückkehr zum Burgdorfer Golfclub.  © Christian Purbs
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Prominenter Neuzugang beim Burgdorfer Golfclub: Ex-Golfprofi Ann-Kathrin Lindner kehrt zu ihrem Jugendverein zurück und möchte dafür Sorgen, dass auch in Zukunft das ein oder andere Talent den Sprung in den Profisport schafft. In Zeiten der Corona-Krise, tauscht die 33-jährige den Golfschläger gegen Pinsel und Staubsauger.

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Der kleine gelbe Zettel, der da an ihrem Trainerstundenplan hing, war für Ann-Kathrin Lindner etwas ganz Besonderes. „Ich freue mich, dass du wieder da bist“, stand darauf von einem Mitglied geschrieben. Worte, die der 32-Jährigen unter die Haut gingen. Zumal die Freude auf Gegenseitigkeit beruht. Seit Anfang März ist Lindner zurück im Burgdorfer Golfclub (BGC), wo sie als 15-Jährige zum ersten Mal einen Golfschläger in der Hand hatte.

Ehlershausen statt Pilsen oder Kapstadt

Vor neun Jahren machte sich das Talent auf die Runde, wie es in der Golfsprache heißt. Beim deutschen Vorzeigeklub St. Leon-Rot fand sie ein neues Zuhause, spielte fünf Jahre als Profispielerin auf der European Tour und machte ihre Ausbildung zur Golflehrerin. Jetzt ist Lindner wieder in Ehlershausen, wo sie als Trainerin arbeitet. Es war eine große Runde, aber es hat sich gelohnt.

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„Der Burgdorfer Golfclub ist für mich eine Herzensangelegenheit. Es ist schon immer mein Wunsch gewesen, hierher zurückzukommen und meine Erfahrung weiterzugeben. Dass es gleich nach meiner Ausbildung geklappt hat, freut mich sehr“, sagt die 32-Jährige. Beim BGC ist man stolz darauf, die Golf-Professional in ihre Heimat zurückgeholt zu haben. „Ich denke, Ann-Kathrin wird uns mit ihrer Erfahrung als Spielerin der European Tour und ihrer Verbindung zum Burgdorfer Golfclub gerade im Jugendbereich einen Schritt weiterbringen und die Trainingsqualität erhöhen“, freut sich Präsident Olaf Pehmöller auf den prominenten Neuzugang.

Lindner tauscht Golfschläger gegen Staubsauger

Mit viel Engagement und Enthusiasmus machte sich Lindner während ihrer ersten Tage an ihre neuen Aufgaben, organisierte, plante, unterrichtete. Doch dann stoppte das Coronavirus auch sie. Wie in der gesamten Region sind auch der Golfplatz und sämtliche Übungseinrichtungen in Ehlershausen seit vergangenen Dienstag bis vorerst zum 18. April geschlossen. „Das ist wirklich schade“, sagt Lindner. Die Zeit habe sie genutzt, um den Akademieraum des BGC auf Vordermann zu bringen. „Ich habe gesaugt, geputzt, gestrichen und ausgemistet. Der Raum ist jetzt so etwas wie mein kleines Sportstudio.“

Irgendwann wird es weitergehen. Dann werden auch beim Burgdorfer Golfclub wieder Menschen neugierig auf das Golfspielen sein oder ihre Technik verbessern wollen, werden auch die Mannschaften wieder trainieren. Lindner gehört mit ihrer offenen, freundlichen und selbstbewussten Art zu den Typen, die lieber nach vorn blicken und sich auch durch Rückschläge nicht unterkriegen lassen. Eine, die sich etwas traut, die Herausforderungen mag. So wie vor sieben Jahren, als sie sich entschied, es als Profi zu probieren.

Kreuzbandriss verhindert den großen Wurf

„Das ist mein großer Traum, den ich mir jetzt erfülle. Dafür habe ich die letzten drei Jahre gelebt“, sagte Lindner damals. Auch wenn es nicht zum ganz großen Durchbruch gereicht hat, bereut hat sie ihre Zeit auf der Ladies European Tour auf keinen Fall. „Da waren unglaublich schöne Momente und tolle Erlebnisse dabei. Ich habe viel von der Welt gesehen und spannende Menschen kennengelernt“, sagt die Golferin.

Früh übt sich: Lindner im Oktober 2004 in den Farben des Burgdorfer Golfclubs. Zur Galerie
Früh übt sich: Lindner im Oktober 2004 in den Farben des Burgdorfer Golfclubs. ©

In ihren ersten beiden Profijahren war sie die beste deutsche Spielerin auf der Tour und spielte sich auf Platz 190 der Weltrangliste. Zu den Höhepunkten ihrer Profikarriere gehört der Sieg bei der Honma Pilsen Golf Masters 2013, der Lindner bei ihrem erst siebten Start auf der Tour gelang. Hinzu kamen in den ersten beiden Jahren noch mehrere Top-Ten-Platzierungen. Ein Kreuzbandriss, den sie sich ausgerechnet beim Fußballspielen, ihrer großen Leidenschaft, zugezogen hatte, stoppte ihre Erfolgsserie. Nach ihrem Comeback scheiterte sie bei mehreren Turnieren knapp am Cut, zum großen Wurf reichte es nicht mehr.

Selbstbewusst zum Golf-Professional

Dann also Plan B – die Ausbildung zum Golf-Professional. Die schloss sie im vergangenen Jahr erfolgreich ab und ist nun eine der wenigen Frauen, die in Deutschland als Golflehrerin arbeiten. „Von den 40 Auszubildenden waren nur sechs Frauen. Im neuen Lehrjahr sind keine. Ich weiß auch nicht, woran das liegt, vielleicht trauen sich viele Frauen da nicht ran“, sagt Lindner. „Den Menschen einzuschätzen und seine Persönlichkeit zu erkennen, das ist eine sehr wichtige Voraussetzung. Selbstbewusst auf Menschen zuzugehen fällt mir schon leicht, und ein hohes Maß an technischem Verständnis hab ich über die Jahre natürlich entwickelt.“

Auch Millionenpublikum bringt Lindner nicht aus der Ruhe

Ihr Können und Selbstbewusstsein demonstrierte sie sogar schon vor einem Millionenpublikum. Im Dezember 2011 trat die ehemalige Nationalspielerin bei der letzten „Wetten dass ...?“-Sendung von Thomas Gottschalk auf. Im Duell mit dem Basketball-Nationalspieler Heiko Schaffartzik von Alba Berlin musste sie innerhalb von 90 Sekunden 14 Golfbälle in einen Basketballkorb chippen – Schaffartzik hatte 13 Treffer vorgelegt. Lindner traf 14-mal, Wette gewonnen. „Auf die Sendung werde ich auch heute immer noch angesprochen. Die Leute erkennen mich und fragen, wie das damals so war“, berichtet Lindner. Und wie war’s? „Echt krass, so etwas erlebt man nur einmal im Leben und es hat mir sehr geholfen, mit Druck umzugehen. Ich denke gern daran zurück.“

SPORTBUZZER Fußball Golf Cup 2019

Die Premeiere des SPORTBUZZER Fußball Golf Cup 2019 kam bei den Teilnehmern sehr gut an. Zur Galerie
Die Premeiere des "SPORTBUZZER Fußball Golf Cup 2019" kam bei den Teilnehmern sehr gut an. © Peter Heller

Das gilt hoffentlich auch für eine Krise, wie wir sie zurzeit durch das Coronavirus erleben. Lindner würde nur allzu gern in ihrem neuen Beruf loslegen, unterrichten und trainieren, ihre Erfahrungen weitergeben. In der Zwangspause bereitet sie ihr Einzel- und ihr Gruppentraining vor, geplant ist eine sogenannte Golf-Clinique, in der sie mit ihren Schülern an unterschiedlichen Golftechniken wie kurzes Spiel oder Chippen arbeiten möchte. „Jeden Tag, an dem du nicht trainierst, ist ein Tag, den du länger brauchst, um besser zu werden“, lautete ihr Motto schon als Spielerin. Bleibt zu hoffen, dass diese Tage bald zu Ende sind.