19. Juli 2021 / 11:19 Uhr

Zurück zum Anfang mit Blick aufs Ende: Isabel Kerschowski hat mit Turbine Potsdam hohe Ziele

Zurück zum Anfang mit Blick aufs Ende: Isabel Kerschowski hat mit Turbine Potsdam hohe Ziele

Matthias Schütt
Märkische Allgemeine Zeitung
Isabel Kerschowski spielt wieder im Turbine-Trikot.
Isabel Kerschowski spielt wieder im Turbine-Trikot. © Matthias Schütt
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Frauen-Bundesliga: Die 33-jährige Ex-Nationalspielerin ist nach neun Jahren zurück beim 1. FFC Turbine. Dort soll sie sofort eine Führungsrolle übernehmen.

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Es ist wie eine kleine Zeitreise. Isabel Kerschowski hat wieder das Trikot, die Hose und Stutzen von Fußball-Bundesligist Turbine Potsdam an. Sie scheint sich darin wohl zu fühlen und es wirkt, als wäre sie nicht neun Jahre lang weg gewesen. Doch nun ist die 33-Jährige nach ihrem Abschied 2012 als Neuzugang zurück bei „ihrem Verein“, wie sie sagt. „Bei Turbine hat alles angefangen. Für mich ist es eine Herzensangelegenheit, wieder für den Club zu spielen.“

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Dies tat die Abwehrspielerin am vergangenen Wochenende gleich doppelt. Erst am Freitagabend bei einer Sponsorenveranstaltung in Vehlefanz (Landkreis Oberhavel), ehe es einen Tag später zum ersten Testspiel in der seit vergangenem Montag laufenden Vorbereitung ging. Mit 5:0 (2:0) gewann Turbine dabei gegen Ligakonkurrent und Aufsteiger Carl Zeiss Jena. Kerschowski konnte sich nicht in die Torschützenliste eintragen.

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Bei Turbine Potsdam rollt wieder der Ball! 22 Spielerinnen konnte Cheftrainer Sofian Chahed am Montag am Luftschiffhafen begrüßen - darunter die Neuzugänge Isabel Kerschowski, Anna Wellmann und Teninsoun Sissoko. Viktoria Schwalm absolvierte ein individuelles Programm. In den kommenden Wochen stehen beim Frauen-Bundesligisten die Grundlagen in Fitness und Kraft auf dem Programm, bevor es ins Trainingslager nach Österreich geht. © Christoph Brandhorst

Doch das ist auf dem Rasen auch nicht die Kernaufgabe der routinierten Spielerin. „Es gilt, den jungen Haufen zusammenzuhalten. Das kann ich mit meiner Erfahrung und will das weitergeben“, sagt Kerschowski. Neben ihren Erfahrungen sammelte sie auch viele Trophäen in der bisherigen Karriere. Denn in der Vita der gebürtigen Berlinerin, die mittlerweile in Werder/Havel ihren Hauptwohnsitz hat, finden sich zahlreiche Titel wieder. Damit hat sie ihren neuen Mitspielerinnen einiges voraus. Mit Turbine holte Kerschowski, die beim BSC Marzahn 05 ihre Karriere startete, einen Champions-League-Titel sowie fünf Deutsche Meisterschaften und einen DFB-Pokalsieg. Zusätzlich gewann sie 2016 mit der deutschen Nationalmannschaft olympisches Gold in Rio.

Aus Potsdam ging die Offensivakteurin 2012 zuerst für zwei Jahre zu Bayer Leverkusen, ehe sie sich 2014 dem VfL Wolfsburg anschloss. Dort gewann sie zwei weitere Meisterschaften und insgesamt viermal den DFB-Pokal. Über Leverkusen wählte Kerschowski nun wieder den Weg zurück in die brandenburgische Landeshauptstadt, wo sie mit der Rückennummer 13 auflaufen wird. „Turbine war nie wirklich außer Reichweite. Während meiner Verletzung habe ich auch immer wieder mal ein Spiel im Stadion besucht“, erzählt die einstige Leichtathletin, die in ihrer Jugend aber zügig den Weg zum Fußball fand und ihre erfolgreiche Karriere begann.

2005 kam sie nach Potsdam, zum 1. FFC Turbine. Eine im Nachgang betrachtet sehr gute Entscheidung, wie sie findet. „Hier hat für mich alles angefangen. Da, wo es begonnen hat, wäre es auch schön, die Fußballschuhe an den Nagel zu hängen“, sagt die 1,67 Meter große Fußballerin vorausschauend. „Wie lange ich noch für Turbine spiele, wissen wir nicht. Wir haben uns erstmal auf diese eine Saison geeinigt. Dann sehen wir weiter“, erklärt sie.

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Am 28. August, einem Freitag, wird für die Turbinen die Saison 2021/22 in der Bundesliga auswärts gegen den VfL Wolfsburg starten. Kerschowski formuliert ehrgeizige Ziele: „Wir wollen unter die ersten drei Plätze kommen und uns für die Champions League qualifizieren.“ Das verpasste der Verein seit 2014 stets. Die vergangene Saison wurde auf Rang vier abgeschlossen. 22 Spieltage haben die Potsdamerinnen in der nächsten Serie Zeit, um dieses Ziel nun zu erreichen.

Dafür werden derzeit die Grundlagen mit zwei Trainingseinheiten pro Tag sowie den Testspielen gelegt. Einzig am Sonntag hatten die Turbine-Spielerinnen von ihrem Coach Sofian Chahed einen freien Tag bekommen. Am Montag ging es schon wieder auf dem Trainingsplatz weiter. „Wenn man die Vorbereitung nicht merken würde, müsste man fragen, ob es nicht zu wenig ist“, sagt Isabel Kerschowski, die sich schon darauf freut, dass Turbine-Jersey bald wieder in einem Pflichtspiel tragen zu können. Auf ihrer ganz eigenen Zeitreise.