05. Mai 2021 / 17:55 Uhr

Zwangspause für das Polen-Abenteuer der Wittstocker Speedway-Asse

Zwangspause für das Polen-Abenteuer der Wittstocker Speedway-Asse

Marius Böttcher
Märkische Allgemeine Zeitung
Speedway-Veranstaltungen mit Zuschauern auf dem Heidering sind derzeit kaum vorstellbar. Das weiß auch Vereinschef Frank Mauer (rundes Foto).
Rennen der 2. polnischen Liga wird es 2021 nicht auf dem Heidering in Wittstock geben - Teamchef Frank Mauer bedauert das. © Thomas Klemm
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Dem Speedwayteam des MSC „Wölfe“ Wittstock wird die Liga-Teilnahme im Nachbarland verweigert. Ein anderes deutsches Team will hingegen starten - das ärgert Clubchef Frank Mauer.

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Was sich bereits in den letzten Wochen angekündigt hat, ist nun traurige Gewissheit: Den Speedway-Assen des MSC „Wölfe“ Wittstock bleibt die Teilnahme an der 2. polnischen Liga in diesem Jahr wegen der Corona-Pandemie verwehrt. „Nach langem Schriftwechsel mit den örtlichen Behörden und der Bundesregierung konnten wir nicht die Genehmigung erhalten, um an der polnischen 2. Liga teilnehmen zu dürfen“, schreibt der MSC auf seiner Facebookseite. Im Vorjahr erwiesen sich die „Wölfe“ als Pioniere: Als erstes deutsches Team überhaupt starteten die Dossestädter in einer der drei Profiligen im Nachbarland, wo der Bahnsport eine große Popularität besitzt.

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Bis zuletzt hoffte Frank Mauer mit Blick auf die Corona-Situation auf Besserung, kaum sinkende Inzidenzzahlen sorgten jedoch dafür, dass eine Kehrtwende ausblieb. „Ich habe mit so vielen Leuten telefoniert. Selbst die, die mir sonst immer Schützenhilfe leisten, konnten keine entscheidende Veränderung herbeiführen“, erklärt der Wittstocker Vereinschef. Ob Thomas Krieglstein, Geschäftsführer des hiesigen Kreissportbundes, Frank Milde als Präsident des Allgemeinen Deutschen Motorsport Verbandes (ADMV) oder dessen Geschäftsführer Harald Täger – die Unterstützung war vorhanden und für den MSC deutlich spürbar, Letzterer arbeitete sogar ein Schreiben aus, das beim Gesundheitsamt Ostprignitz-Ruppin in Neuruppin eingereicht wurde. Doch alle Mühen waren umsonst: Die Speedway-Asse werden 2021 nicht in der 2. Liga, die nach der Ekstraliga und der 1. Liga die dritthöchste Rennklasse Polens ist, ans Startband rollen

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„Ich verstehe die Leute vom Gesundheitsamt und die anderen Entscheidungsträger, das ist doch keine Frage“, betont Mauer, „die machen auch nur ihre Arbeit und wir müssen eben Regeln einhalten“. Es tut zwar extrem weh, der Wölfe-Vorsitzende akzeptiert aber die niederschmetternde Wahrheit: „Mir sind schlichtweg die Hände gebunden. Die PZM (polnischer Verband, Anm. d. Red.) hatte mich noch einmal gefragt, ob wir vielleicht in drei Wochen starten können. Aber ich bin ja kein Hellseher, es ist derzeit einfach nichts planbar.“ Die Folge: Den Wittstockern wurde die bereits bestätigte Lizenz wieder aberkannt.



Frank Mauer hatte Pläne und Ideen im Kopf, um der Region auch in Pandemie-Zeiten Bahnsport der Extraklasse anzubieten. Auch mit Geister-Rennen hätte sich der motorsportverrückte Bauunternehmer aus dem havelländischen Elstal anfreunden können, doch in Deutschland dürfen gegenwärtig nur Profiathleten und -mannschaften ihren Sport ausüben. In jener Gruppe sieht Frank Mauer seine Schützlinge, zu denen auch Sohn und MSC-Kapitän Steven Mauer gehört, nicht: „Profis sind für mich die Fußballer vom FC Bayern, offizielle Stützpunkte oder Personen, die ihren Lebensunterhalt nur mit ihrer Sportart verdienen. Für unsere Fahrer gilt das nicht.“

Nur Auswärtsrennen waren keine Option

Das Angebot von der PZM, die geplanten Heimrennen allesamt auf Ovalbahnen in Polen auszutragen, lehnten die Wölfe ab. „Das kann man uns nicht böse nehmen, der finanzielle Mehraufwand wäre nicht zu stemmen, das geht ins Unermessliche“, gibt Mauer ehrlich zu. Es seien nicht nur die unzähligen Kilometer, die der MSC zusätzlich hätte auf sich nehmen müssen. Das Anmieten von offiziellen Rennstrecken im Nachbarland, mögliche Einreisebeschränkungen, die eventuelle Einführung neuer Risikogebiete sowie die Ungewissheit, ob Übernachtungsmöglichkeiten verfügbar sind – all dies macht es den Wittstocker Speedway-Assen unmöglich, nur im Ausland zu fahren.

„Mir tut das vor allem für unsere Fahrer leid, die sich im letzten Jahr so toll entwickelt haben und jetzt im Regen stehen. Die Truppe blieb fast komplett zusammen und hätte die Polen mit Sicherheit wieder ärgern können“, sagt Frank Mauer. Der Weggang von Langbahn-Weltmeister Lukas Fienhage hinterließ eine große Lücke. Die hochtalentierten Erik Riss, Max Dilger und der Australier Fraser Bowes sollten diese schließen, auch Josef Franc aus Tschechien gehörte zum Aufgebot. „Wir haben allen Fahrern die Freigabe erteilt, anderweitig zu gucken. Es ist aber schwer, nun einen neuen Verein zu finden, das Transferfenster ist geschlossen“, weiß Mauer.

Eine Sache stößt dem 50-Jährigen ganz böse auf. Neben den altbekannten polnischen Teams gehören auch Lokomotiv Daugavpils aus Lettland und Trans FM Landshut Devils in diesem Jahr zur 2. Liga. Der bayrische Vertreter nahm sich an den Wölfen ein Beispiel, versucht sich nun im Nachbarland – und darf nach eigener Aussage sogar starten. „Ich kann mir das beim besten Willen nicht vorstellen, dass das funktioniert“, so Mauer, „das wäre auch extrem unfair. Ich bin gespannt, wie Landshut das verkaufen will.“