04. März 2021 / 10:17 Uhr

Zwei Generationen, ein "Job": Die Schulzes lehrten Nordsachsens Abwehrreihen das Fürchten

Zwei Generationen, ein "Job": Die Schulzes lehrten Nordsachsens Abwehrreihen das Fürchten

Norbert Töpfer
Leipziger Volkszeitung
Der Apfel fällt nicht weit vom Stamm: Andreas Schulze (li.) lehrte in den 90ern den Abwehrreihen Nordsachsens das Schrecken. Sein Sohn Marcel (re.) tat es ihm rund 20 Jahre später gleich und traf wie am Fließband.
Der Apfel fällt nicht weit vom Stamm: Andreas Schulze (li.) lehrte in den 90ern den Abwehrreihen Nordsachsens das Schrecken. Sein Sohn Marcel (re.) tat es ihm rund 20 Jahre später gleich und traf wie am Fließband. © Prviat/Montage
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Andreas und Marcel Schulze lehr(t)en Nordsachsens Abwehrreihen das Fürchten: Beide waren für ihre Treffsicherheit bekannt und schafften mit ihren Teams jeweils den Aufstieg in die nächst höhere Spielklasse. Der Senior ist längst im Fußball-Ruhestand, der Junior wohnt in Eilenburg und kickt noch sporadisch in der Kreisliga. Stolz blicken beide auf ihre Karriere zurück.

Torgau. Was im Sport und speziell im Fußball normal ist: Söhne oder Töchter treten in die Fußstapfen ihrer Väter. Aber dass Papa und Sohn Torjäger werden passiert eher selten. Doch in Nordsachsen gibt es so etwas. Andreas Schulze (58) und sein Sohn Marcel (33) waren in ihrer respektablen Karriere Torjäger. Das Besondere: Schulze senior war bei Stahl und später Grün-Weiß Dommitzsch ein überdurchschnittlicher Knipser. Und zwar als Mittelfeldspieler. Schulze junior indes traf nicht für den Verein seines Vaters. Er erlebte seine beste Zeit beim SV Süptitz. Ebenfalls ungewöhnlich: Papa und Sohn sind gleich groß. Sie messen stolze 1,92 Meter.

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Marcel Schulze gehörte zu der Süptitzer Nordsachsenliga-Mannschaft, die in der Saison 2013/14 alle Spiele gewann und den Tabellenzweiten um 23 Punkte distanzierte. Bereits sechs Spieltage vor Schluss stand der Aufstieg fest, als das Team von Nico Bachmann vor 178 Zuschauern den FC Elbaue zu Hause mit 3:1 bezwang. Und der Sütptitzer Vereinschef Dieter Schiller weist lächelnd auf das super Torverhältnis hin: „101:14 Tore, das gibt es so schnell nicht wieder. Wir hatten mit Marcel Schulze einen starken Knipser im Team. 22 Tore in 26 Spielen hat er geschossen.“

Das Aufstiegsteam der Süptitzer im Jahr 2013/14. Stehend von links: Volkmar Beier (Staffelleiter), Nico Bachmann (Trainer), Sandro Stahn (Co-Trainer, Alexander Zinke, Marcel Schulze, Wolfgang Patitz (Präsident NOFV), Chris Bachmann, David Löchel, Stefan Vogel, Steven Rzeppa, Christian Hudewenz, Matthias Meißner. Hockend von links: Christian Zieger, Sebastian Mager, Oliver Erdmann, David Hartmann, Marko Terpitz, Tommes Gerlach, Steffen Wiesner. Es fehlen Tim Mehle, Christoph Beiler, Steffen Langbein, Sebastian Buchhold und Florian Pluschzyk.
Das Aufstiegsteam der Süptitzer im Jahr 2013/14. Stehend von links: Volkmar Beier (Staffelleiter), Nico Bachmann (Trainer), Sandro Stahn (Co-Trainer, Alexander Zinke, Marcel Schulze, Wolfgang Patitz (Präsident NOFV), Chris Bachmann, David Löchel, Stefan Vogel, Steven Rzeppa, Christian Hudewenz, Matthias Meißner. Hockend von links: Christian Zieger, Sebastian Mager, Oliver Erdmann, David Hartmann, Marko Terpitz, Tommes Gerlach, Steffen Wiesner. Es fehlen Tim Mehle, Christoph Beiler, Steffen Langbein, Sebastian Buchhold und Florian Pluschzyk. © Privat

Vater Andreas indes schaffte es nicht, so viele Tore zu erzielen wie nach ihm der Junior. In der Saison 1994/95 traf er dennoch stolze 19 Mal. Und das als Mittelfeldspieler. Dieses Spieljahr war für Andreas Schulze eines der erfolgreichsten seiner Karriere. Die Dommitzscher schafften mit ihm den Aufstieg in die damals starke Bezirksklasse, die aber nicht zu vergleichen ist mit der heutigen Nordsachsenliga.

Beachtliche Karriere

In dieser Liga fassten die Männer von Trainer Carsten Dademasch sofort Fuß. Am Ende wurden sie beachtlicher Sechster. „Unsere Höhepunkte waren die beiden Spiele gegen das starke Team von Blau-Weiß Torgau, das am Ende den Aufstieg in die Bezirksliga schaffte. Wir gewannen beide Matches mit 1:0. Beide Male traf Steffen Fischer, einmal in der 78., einmal in der 72. Minute. Zu diesen Spielen kamen jeweils 600 Zuschauer. Eine Zahl, die damals bei solchen Höhepunkten fast normal war und mit der heutigen Zeit nicht vergleichbar ist“, blickt Andreas zurück.

Die Dommitzscher Mannschaft, die in der Saison 1995/96 den Aufstieg in die Bezirksklasse schaffte. Stehend von links: Co-Trainer Jens Arnold (nicht im Bild), Roger Hagen, Mike Zietzsch, Dennis Heise, Steffen Naß, Timo Schmorrte (+), Günther Dorn, Andreas Schulze, Harald Naß, Bodo Zippel (+), Trainer Carsten Dademasch. Untere Reihe von links: Steffen Fischer, Andreas Weidemann, Dirk Zippel, Knut Kühne, Enrico Greiner, Jörg Gründl, Herber Omar, Matthias Walter.
Die Dommitzscher Mannschaft, die in der Saison 1995/96 den Aufstieg in die Bezirksklasse schaffte. Stehend von links: Co-Trainer Jens Arnold (nicht im Bild), Roger Hagen, Mike Zietzsch, Dennis Heise, Steffen Naß, Timo Schmorrte (+), Günther Dorn, Andreas Schulze, Harald Naß, Bodo Zippel (+), Trainer Carsten Dademasch. Untere Reihe von links: Steffen Fischer, Andreas Weidemann, Dirk Zippel, Knut Kühne, Enrico Greiner, Jörg Gründl, Herber Omar, Matthias Walter. © Privat

Schulze senior absolvierte eine beachtliche Karriere. Mit dem Dommitzscher SV Grün-Weiß, Eintracht Weßnig und dem SV Süptitz spielte er erfolgreich in der Kreisliga und Bezirksklasse. Nach dem Ende seiner Laufbahn als aktiver Spieler hatte er als Co-Trainer der Süptitzer von 1999 bis 2008 auch Anteil an den besten Zeiten dieses Vereins. Danach trainierte Schulze die Dommitzscher in der Kreisliga und Nordsachsenliga. Derzeit gehört er zum Vorstand des Dommitzscher SV Grün-Weiß. Der Verein hatte in den 90er Jahren zusammen mit Hartenfels Torgau und Roland Belgern die meisten Zuschauer in der Region. Das hat sich geändert. Heutzutage können die hiesigen Vereine – außer Hartenfels Torgau – im Schnitt meist nicht mal über 100 Besucher begrüßen.

Bei den Dommitzschern sieht es auch sportlich nicht so gut aus. Das Team dümpelt in der Kreisliga im Keller der Tabelle herum. Die Mannschaft ist mit vier Punkten aus sechs Spielen Drittletzter und steckt mitten im Abstiegskampf. Der könnte ausfallen, wenn die Corona-Pandemie keine Fortsetzung der Saison zulässt. „Die Lage bei uns ist derzeit kompliziert. Die erste Mannschaft ist überaltert. Wir hoffen, dass einige talentierte Jungs aus der A-Jugend nachrücken. Trainer Knut Kühne leistet in diesem Team eine gute Arbeit“, redet Andreas Schulze Klartext.


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Ein Beispiel, dass Vater und Sohn Torjäger im überregionalen Fußball wurden, gibt es zumindest in Deutschland nicht. Marcel Schulze, inzwischen 33 Jahre alt, kickt noch ab und an, wenn es Zeit und Arbeit erlauben, in der ersten Mannschaft von Dommitzsch. Aber er wohnt in Eilenburg, hat einen kleinen Sohn und pendelt täglich 100 Kilometer zur Arbeit. Da ist die Zeit schon knapp.

Unglaubliche Toranzahl

Als Dommitzscher verbrachte Marcel Schulze aber seine Glanzzeiten beim SV Süptitz. „In meinen ersten beiden Jahren war Bernd Ely mein Trainer. Das lief gut. Mit dem Übungsleiter danach habe ich mich nicht so gut verstanden. Ich habe deswegen sogar lieber in der zweiten Mannschaft gespielt. 2009 bin ich in die Erste zurückgewechselt, weil Sandro Stahn die Mannschaft als Interimstrainer übernahm. Dann kam Nico Bachmann. Das waren meine besten Jahre. Da hat alles gepasst.“

Mit Süptitz wurde Schulze junior zweimal Meister. Und mit seinen zahlreichen Treffern hatte er maßgeblich Anteil an den respektablen Erfolgen der spielerisch starken Dorfmannschaft. Die 22 Tore, die Schulze in der Meister-Saison 2013/14 erzielte, waren aber nicht sein Rekord: Marcel schoss im Spieljahr 2012/13 satte 34 Tore und erhielt dafür die goldene Torjägerkanone des Nordsächsischen Fußball-Verbandes.

Volkmar Beier (rechts), Staffelleiter der Nordsachsenliga, zeichnet Marcel Schulze mit der Torjägerkanone aus.
Volkmar Beier (rechts), Staffelleiter der Nordsachsenliga, zeichnet Marcel Schulze mit der Torjägerkanone aus. © Privat

Höhepunkte in seiner Karriere waren die Aufstiege mit Süptitz in die Bezirksliga, jetzt Landesklasse genannt. „Das waren herrliche Zeiten. Bei uns hat es nicht nur sportlich gepasst. Auch der Zusammenhalt im Team war super.“ Allerdings konnten die Männer um Trainer Nico Bachmann diese Spielklasse nicht halten. „Wir hatten in beiden Abstiegsserien aber auch viel Verletzungspech“, erinnert sich Marcel Schulze und fügt an: „Ein Höhepunkt in der Bezirksliga war der 6:2-Heimsieg gegen Hartenfels Torgau. Dieser Erfolg, dazu die vielen Zuschauer: Da hat alles gepasst!“

„Tolle Zeit in Süptitz“

Der 33-Jährige hat meist als Stürmer agiert. „Aber als Rico Drabon bei uns gespielt hat, haben wir manchmal mit Doppelspitze gespielt. Das lief gut.“ Aus einer guten Mannschaft hebt Schulze Torwart Marko Terpitz, Mittelfeldmann Steffen Wiesner und Angreifer Stefan Vogel als seine stärksten Mitspieler hervor. „Aber ich hatte insgesamt in Süptitz eine tolle Zeit, sportlich und menschlich. Deswegen bin ich trotz einiger Angebote nie gewechselt. Mit Ausnahme meines Wechsels nach Dommitzsch.“

In seiner Freizeit verfolgt er auch den großen Fußball. In der Bundesliga drückt Marcel Schulze Borussia Dortmund die Daumen. Vater Andreas indes hält dem 1. FC Kaiserslautern die Treue, obwohl der inzwischen in den Niederungen der dritten Liga unterwegs ist. Dieter Schiller, Chef vom SV Süptitz, hält große Stücke auf Schulze junior: „Marcel war in Süptitz nicht nur ein torgefährlicher, guter Spieler. Er stand manchmal zu Unrecht im Schatten einiger Mitspieler. Ich könnte mir sogar vorstellen, dass er heute noch mit seinen Qualitäten unsere vielen jungen Spieler führen könnte.“