20. April 2021 / 14:21 Uhr

Wolfsburg mit neuer Abwehr, Glasner findet Gerüchte "unangenehm"

Wolfsburg mit neuer Abwehr, Glasner findet Gerüchte "unangenehm"

Andreas Pahlmann und Engelbert Hensel
Wolfsburger Allgemeine / Aller-Zeitung
Ausfall droht: VfL-Trainer Oliver Glasner muss in Stuttgart möglicherweise auf Maxence Lacroix verzichten.
Ausfall droht: VfL-Trainer Oliver Glasner muss in Stuttgart möglicherweise auf Maxence Lacroix verzichten. © (c) dpa-Zentralbild
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Nach zwei Niederlagen in Folge tritt der VfL Wolfsburg am Mittwoch möglicherweise mit einer fast komplett neuen Abwehr beim VfB Stuttgart an. Schuld sind nicht die sieben Gegentore in den beiden verlorenen Spielen - sondern Sperren und Verletzungen.

Zuletzt zwei Niederlagen, dabei insgesamt sieben Gegentore kassiert (so viele wie in den 13 Bundesliga-Spielen davor) - beides ist für den VfL Wolfsburg Neuland in dieser Saison. Über der Partie am Mittwoch (20.30 Uhr) beim VfB Stuttgart steht darum vor allem eine Frage: Wie geht der Tabellendritte damit um? Für Trainer Oliver Glasner ist klar: "Nach den beiden Niederlagen, bei denen die Leistung speziell im Spiel nach vorn sehr gut war, wollen wir eine bessere Balance im Spiel haben."

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Dabei wird der Trainer womöglich einen Komplett-Umbau der Abwehr vornehmen müssen: Paulo Otavio und Kevin Mbabu, die beim 2:3 gegen die Bayern die Außenverteidiger-Positionen bekleideten, fallen gesperrt aus. Und hinter dem Einsatz von Maxence Lacroix steht ein großes Fragezeichen. Der Franzose hat muskuläre Probleme im Oberschenkel, musste das Training am Dienstag darum abbrechen. "Da müssen wir uns Gedanken machen", so Glasner, die Situation bei dem Innenverteidiger sei ähnlich wie vor dem Spiel in Frankfurt. Dort war Lacroix aufgelaufen, wirkte aber beim 3:4 sichtbar beeinträchtigt.

Weil die Defensiv-Alternativen knapp sind, machte Glasner entgegen seiner Gewohnheit keinen Hehl aus seinen Umbau-Plänen. Für Otavio wird Jerome Roussillon hinten links spielen, auf der rechten Seite sei Ridle Baku "die einzige Alternative, die wir noch haben". Und als Innenverteidiger-Ersatz steht Marin Pongracic bereit, der schon in Frankurt für Lacroix eingewechselt worden war. "Marin ist natürlich nicht zufrieden damit, dass er nicht spielt. Aber er hat diese Wochen genutzt, um in einen guten Zustand zu kommen", so Glasner.

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Baku hatte zuletzt auf der rechten Offensivseite überzeugt - seine Rückversetzung in die Abwehr könnte nun dafür sorgen, dass Maximilian Philipp im Team bleibt, zusammen mit Josip Brekalo und Yannick Gerhardt die Dreierreihe hinter Sturmspitze Wout Weghorst bildet. Philipp, dessen Zukunft in Wolfsburg offen ist, hatte gegen die Bayern überzeugt, dort sein drittes Saisontor erzielt. Glasner: "Maximilian hat es sehr gut gemacht. Er war bei vielen Offensivaktionen dabei."

Positiv: Nicht nur Maximilian Arnold kehrt nach Gelbsperre ins Team zurück, auch Josuha Guilavogui ist wieder eine Alternative. Der Kapitän hatte mit Adduktorenproblemen gefehlt, konnte aber die Trainingseinheiten in dieser Woche wieder problemlos mitmachen.

Dass die beiden Niederlagen zuletzt und die Gerüchte um einen bevorstehenden Trainer-Abschied vorm wichtigen Spiel in Stuttgart (und dem womöglich noch wichtigeren am Samstag gegen Dortmund) für Unruhe sorgen, glaubt Glaser nicht: "Das spüre ich in keinster Weise". Die Ausgangslage sei immer noch glänzend - hätte man vor der Saison gesagt, der VfL sei nach 29 Spielen Dritter "hätten sich alle in den Armen gelegen".

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Trotz eines Vertrags bis 2022 wird viel über Glasners Zukunft spekuliert, zumal der Trainer zuletzt mehrmals nicht klar sagte, dass er auch nächstes Jahr noch in Wolfsburg sein werde. Und so wird viel über seine Zukunft spekuliert. Bei RB Salzburg wird er heiß gehandelt, auch mit Eintracht Frankfurt und sogar im Zusammenhang mit den Bayern war sein Name schon gefallen. Und doch verspürt der Coach keine Unruhe beim VfL. Er habe „überhaupt nicht den Eindruck“, dass seine Spieler sich von den vielen Spekulationen ablenken lassen. „Die Spieler wirken sehr konzentriert und fokussiert.“ Er beschreibt: „Wenn mal eine Schlagzeile aufkommt, dann zuckt man ein bisschen. Aber wenn es eigentlich schon fast täglich ist, dann stumpft man ein bisschen ab. Die Mannschaft lässt sich in keinster Weise beeindrucken.“

Für ihn selbst sei es dagegen „relativ unangenehm, wenn du jeden Tag irgendwo irgendetwas liest oder öfter dazu befragst wirst“. Vor ein paar Wochen hatte Glasbner gesagt, das nicht mehr kommentieren zu wollen. Zuletzt aber habe er sich „wieder ein bisschen dazu hinreißen lassen. Und jetzt will wieder zurück, wo ich auch vor ein paar Wochen war“. Er bat darum, zu akzeptieren, dass er fünf Spieltage vorm Ende und dem großen Ziel Champions League den Fokus „auf die Mannschaft und unsere Aufgaben" richten will und betonte: "Ich möchte keine Gerüchte mehr kommentieren.“

Stuttgart war für den VfL zuletzt kein gutes Pflaster - der VfB gewann seine vergangenen drei Heimspiele gegen die Niedersachsen, gegen kein anderes Bundesliga-Team haben die Schwaben so eine Heimserie. Andererseits sieht der VfL gegen Aufsteiger immer gut aus - das 1:3 in der Vorsaison in Köln war die einzige Niederlage gegen einen Neuling in den letzten 15 Spielen.