20. März 2020 / 15:41 Uhr

Zweifel an Olympia 2020 wachsen – selbst bei Offiziellen: Der schwierige Weg nach Tokio

Zweifel an Olympia 2020 wachsen – selbst bei Offiziellen: Der schwierige Weg nach Tokio

Felix Lill
RedaktionsNetzwerk Deutschland
Die Welt rätselt - und Japan kämpft: Können die Olympischen Spiele wie geplant im Sommer über die Bühne gehen?
Die Welt rätselt - und Japan kämpft: Können die Olympischen Spiele wie geplant im Sommer über die Bühne gehen? © Getty/dpa
Anzeige

Können die Olympischen Spiele wirklich wie geplant im Sommer über die Bühne gehen? Während die Weltgemeinschaft und viele Athleten inzwischen zweifeln, gibt sich das Gastgeberland Japan weiterhin kämpferisch.

Anzeige

Es klingt absurd. Doch am Donnerstag ist die olympische Flamme auf die Reise nach Japan gegangen. Im bis auf wenige Offizielle leeren Athener Olympiastadion von 1896 wurde das Feuer losgeschickt. Die japanische Delegation konnte wegen der Coronavirus-Pandemie nicht kommen. Der Chef des Tokioter Organisationskomitees, Yoshihiro Mori, hielt von Japan aus per Video eine Rede. Er sagte: "Ich verspreche hiermit, dass diese Flamme am 24. Juli im Olympiastadion von Tokio entzündet wird."

Anzeige
Mehr vom SPORTBUZZER

Aber geht diese Entzündung auch mit einer rauschenden Eröffnungsfeier einher – oder bleibt sie ein symbolischer Akt? Bei der Beantwortung dieser Frage muss man auf das hören, was nicht gesagt wird. Wie am Anfang dieser Woche, als Shinzo Abe in einer Videokonferenz mit den G-7-Regierungschefs von seinen Olympiaplänen berichtete. Unmissverständlich betonte der japanische Premierminister danach: "Ich will die Olympischen und Paralympischen Spiele in ihrer Gänze halten, als Beweis dafür, dass die Menschheit das Coronavirus besiegen kann, und dafür habe ich die Unterstützung der G-7-Anführer."

Spekulationen um das Datum: Wann wird Olympia ausgetragen?

Was kämpferisch klang, war das Gegenteil. Denn anders als bei sonstigen Verkündungen zum Thema erwähnte Abe nicht, zu welchem Datum er die Olympischen Spiele abhalten werde. Bisher hatte es geheißen, man bereite sich auf den Beginn am 24. Juli vor. Dafür aber hatte Abe den Rückhalt der G-7-Regierungschefs, die daheim gegen Covid-19 ankämpfen, offenbar nicht.

Es ist das erste Mal, dass ein Offizieller aus der ersten Reihe nicht auf den Plan pocht. Am Dienstag folgte das IOC mit einem Statement, das ähnlich daherkam. Neben der Erwähnung, dass Covid-19 die Welt vor neue Probleme stelle, heißt es: "Das IOC bleibt den Olympischen Spielen Tokio 2020 völlig verpflichtet, und mit etwas mehr als vier Monaten bis zu den Spielen sollten in dieser Situation keine drastischen Entscheidungen getroffen werden; und jede Spekulation wäre in diesem Moment kontraproduktiv."

Der Schritt seitens der japanischen Regierung und des IOC, einen Ausweg vorzubereiten, kommt inmitten wachsender Kritik. Auch in Japan sind Schulen geschlossen, Erwachsene arbeiten im Homeoffice. Premier Abe hat seine Bevölkerung auf einen Ausnahmezustand vorbereitet, zumal das Land laut Analysen den Höchstpunkt an Infektionszahlen noch nicht erreicht hat. Derzeit gibt es über 1600 Fälle.

Sport-Stars in der Corona-Pause: So halten sich Ramos, Hamilton und Co. fit

Der SPORTBUZZER zeigt, wie sich die Sport-Stars während der Corona-Krise fit halten.  Zur Galerie
Der SPORTBUZZER zeigt, wie sich die Sport-Stars während der Corona-Krise fit halten.  ©

IOC-Mitglied kritisiert: Festhalten am Plan ist "verantwortungslos"

Darunter ein Prominenter. Kozo Tashima, Präsident des japanischen Fußballverbands, Mitglied des NOK und Mitglied des Tokioter Organisationskomitees, ist der erste Coronakranke unter den Olympiaoffiziellen. IOC-Mitglied Hayley Wickenheiser kritisierte das Festhalten am Veranstaltungsplan schon als "verantwortungslos". Die einstige Eishockeyspielerin aus Kanada gab zu Bedenken: "Diese Krise ist noch größer als Olympia." Athleten könnten nicht einmal mehr trainieren.

Tatsächlich ist es auch schwierig, die Spiele wie geplant stattfinden zu lassen, weil dafür noch Qualifikationen stattfinden müssten. Derzeit sind laut IOC 57 Prozent der Athleten qualifiziert. Aktuell ist an Qualifikationswettbewerbe, zu denen Athleten aus mehreren Nationen anreisen müssten, nicht zu denken. In Tokio sagte diese Woche auch der Turnverband ein internationales Turnier für April ab. Anfang der Woche hatte schon der Volleyballverband eine Veranstaltung abgesagt.

Trotzdem haben die Offiziellen bisher, ihnen voran IOC-Präsident Thomas Bach und Premierminister Abe, behauptet, dass an den Spielen nicht gerüttelt werde. Um dies zu demonstrieren, wurde das olympische Feuer nach Japan geschickt, wo der Lauf von Fukushima aus gen Tokio weitergehen soll.

Dass weder über Absage noch Verlegung diskutiert wird, scheint eine Kampfansage zu sein

Dass gar nicht über einen Ausfall oder eine Verschiebung von Olympia gesprochen wird, stellt sich dennoch mehr und mehr als Kampfansage heraus. Einerseits berücksichtigt Japans Wirtschaftsministerium einen Olympiaausfall mittlerweile als Szenario. Zudem wird in den Statements der Veranstalter betont, dass man im Austausch unter anderem mit der Weltgesundheitsorganisation stehe. Bach hatte bereits angekündigt, deren Empfehlung folgen zu wollen.