30. Juni 2020 / 10:35 Uhr

Zweite Chance für Nicht-Absteiger: Die "Lucky Loser" atmen nach der NFV-Entscheidung auf

Zweite Chance für Nicht-Absteiger: Die "Lucky Loser" atmen nach der NFV-Entscheidung auf

David Lidón, Christian Purbs und Nicola Wehrbein
RedaktionsNetzwerk Deutschland
Die Egestorfer um Hasan Stublla (rechts) hatten es schwer.
Die Egestorfer um Hasan Stublla (rechts) hatten es schwer. © Christian Hanke
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Das Votum der Delegierten auf dem außerordentlichen Verbandstag des Niedersächsischen Fußballverbandes (NFV) ist eindeutig gewesen. Die Corona-Pandemie ist schlimm genug – da müssen die Mannschaften, die vor der Unterbrechung auf einem Abstiegsplatz standen, nicht zusätzlich bestraft werden. Einige Teams, die Mitte März bereits abgeschlagen am Tabellenende ihrer Staffel standen, werden dadurch zu Profiteuren des Saisonabbruchs mit Auf-, aber ohne Absteiger.

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In der Bezirksliga 3 hatte der 1. FC Germania Egestorf/Langreder II in 18 Partien lediglich acht Punkte gesammelt. „Zur Winterpause standen nur zwölf Mann im Kader“, sagt Arndt Westphal, der sich bereit erklärt hatte, die Oberligareserve in der zweiten Saisonhälfte zu trainieren. U19-Akteure und Egestorfer Routiniers, wie auch Westphal selbst, hatten das Aufgebot bis Mitte November Woche für Woche aufgefüllt. „Da freut es uns natürlich riesig, dass wir drin geblieben sind“, sagt der Coach, der die Zweitvertretung der Germania zusammen mit Adrian Alexa weiter betreuen wird. Natürlich sei es mehr als glücklich, dass die Formation auch 2020/2021 weiter in der Bezirksliga am Ball sein wird. „Für alle wäre es gerecht gewesen, das sportlich auszutragen“, sagt Westphal.

Mittlerweile hat sich die Kadersituation deutlich verändert. Unter den momentan 20 Spielern befinden sich viele Neuzugänge, die jung und ehrgeizig sind. „Das hat eine gute Entwicklung genommen“, sagt der Trainer, der hofft, Anfang August mit der Vorbereitung starten zu können.

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Kleine Nicht-Abstiegsfeier beim TSV Kolenfeld

Auch für den TSV Kolenfeld wäre es mit großer Wahrscheinlichkeit von der Bezirksliga 2 in die Kreisliga gegangen. „Uns ist bewusst, dass wir enorm von dieser Entscheidung profitieren. Mit acht Punkten aus 18 Spielen drinzubleiben, ist schon außergewöhnlich“, sagt Trainer Steffen Dreier. „Wir hätten uns nicht beschwert, wenn wir durch eine andere Regelung abgestiegen wären.“

Zum Feiern sei ihm zwar nicht zumute gewesen, eine kleine Nicht-Abstiegsfeier kombiniert mit der Saisoneröffnung werde es aber dennoch geben. „Wir warten aber ab, bis es wieder erlaubt ist, sich mit mehreren Leuten zu treffen“, sagt Dreier, der mit seinem Team zurzeit zwei- bis dreimal in der Woche trainiert, „weil alle Lust haben“. Mit dabei sind auch die drei prominenten Neuzugänge vom 1. FC Wunstorf, Robin Ullmann, Deniz Aycicek und Daniel McGuinness. „Sie bringen viel Erfahrung mit, das hat uns gefehlt. Mit diesen Transfers sollten wir es schaffen, in der nächsten Saison nicht da zu stehen, wo wir in dieser Saison standen“, sagt der Kolenfelder Coach.

Mohs: „Wir müssen unsere Hausaufgaben machen“

Eine noch schlechtere Punktebilanz als Egestorf/Langreder II und Kolenfeld hatte der Heeßeler SV bis zum Abbruch der Saison vorzuweisen. In 14 Begegnungen gelang dem Landesligisten nur ein Sieg, in 13 Partien verließ der HSV den Platz als Verlierer. Die Mannschaft von Trainer Martin Mohs hat durch den Klassenerhalt nun die große Chance, es in der kommenden Saison besser zu machen. Da kann eine gute Portion Sachlichkeit in vielen Bereichen sicherlich nicht schaden. „Die Entscheidung hat sich ja abgezeichnet und kommt nicht von ungefähr. Außerdem konnte wir das Ganze ja auch nicht beeinflussen“, sagt Mohs, der seine Gefühlslage nach der NFV-Entscheidung als „neutral“ beschreibt.

Für den HSV-Trainer ist viel wichtiger, dass „wir unsere Hausaufgaben machen, die Fehler nicht wiederholen und eine bessere Rolle spielen“, sagt Mohs. Das gilt auch für die Teams der TSV Burgdorf (Platz 13) und des TSV Godshorn (14), die beide Mitte März in großer Abstiegsgefahr steckten, nun aber gerettet sind.

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"Lucky Loser trifft es ganz gut"

So manches Team im Tabellenkeller der Kreisligen hätte es unter normalen Umständen schwer gehabt, den Klassenerhalt zu schaffen. Die Entscheidung beim NFV-Verbandstag – Saisonabbruch mit Aufsteigern, aber ohne Absteiger – spielt ihnen in die Karten.

Schlusslicht MTV Immensen und der Vorletzte TuS Altwarmbüchen haben in der Kreisliga 1 bis zum Saisonabbruch jeweils drei Siege eingefahren. Vielleicht hätten sie die Kurve noch gekriegt, wer weiß. Nun kam die Rettung vom grünen Tisch. Damit ist die Verpflichtung von Patrick Heldt in Altwarmbüchen fix, dessen Engagement war nur für die Kreisliga aufwärts vereinbart worden.

Aufatmen ist auch beim TSV Bokeloh und der Mannschaft vom TuS Gümmer angesagt, die im Klassement der Kreisliga 2 ganz unten rangieren. „Der Ausdruck Lucky Loser trifft es ganz gut“, meint Bokelohs Teamsprecher Simon Barz lachend. „Aber klar ist auch, dass wir auf sportlichem Wege noch alles in der eigenen Hand gehabt hätten. Deshalb ist die Entscheidung, dass es keine Absteiger gibt, nur fair.“

Dass eine Mannschaft mit einer Bilanz von drei Punkten aus 17 Spielen und einem Torverhältnis von 9:61 drinbleibt, ist außergewöhnlich – auch der TSV Ingeln-Oesselse profitiert vom Saisonabbruch. Das gilt auch für den BSV Gleidingen als Tabellenvorletzten der Staffel 3.

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Das sind die Aufsteiger in die Kreisliga

Die einen bleiben, die anderen kommen. Auf ins Abenteuer Kreisliga – diese Teams sind neu dabei: Der TSV Kleinburgwedel unter der Regie von Coach Aleksandar Budisa ist Meister der 1. Kreisklasse 1. In der Staffel 2 stürmte der SV Eintracht Suttorf mit seiner starken Offensive auf Platz eins. Primus der Staffel 3 ist die SG 05 Ronnenberg II, aufsteigen dürfen sie jedoch nicht, weil die Erstvertretung in der Kreisliga spielt. Stattdessen geht es für den zweitplatzierten FC Eldagsen II eine Etage höher.