29. März 2020 / 19:47 Uhr

Zweite Chance für Piergiulio Ruhe

Zweite Chance für Piergiulio Ruhe

Redaktion Sportbuzzer
RedaktionsNetzwerk Deutschland
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„Ich mag solche Herausforderungen“: Profiboxer Piergiulio Ruhe will seine erneute Chance um den Intercontinental-Titel nutzen – diesmal im Mittelgewicht. © Niklas Könner
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Rintelner Boxer wartet auf den nächsten Kampf in der Region. Der Gegner ist bereits gefunden, ein neuer Trainer anscheinend auch.

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Optimismus und Perspektive statt Aufgabe und Resignation: Piergiulio Ruhe hat auch in einer für den Sport schwierigsten Zeit den Blick nach vorne gerichtet und seinen nächsten Kampf angekündigt. Im Rahmen seiner promotioneigenen Veranstaltung „Ruhe vor dem Sturm“ kämpft der Boxprofi um den vakanten GBC-Intercontinental-Titel im Mittelgewicht bis 72,5 Kilogramm. Gegner wird WBC-Youth-Champion Maono Ally aus Tansania sein.

Zeitpunkt und Austragungsort des Events bleiben aufgrund der Corona-Pandemie zunächst allerdings offen. Ein ursprünglicher Termin im Mai musste abgesagt werden. „Die Planung gestaltet sich aktuell sehr schwer“, sagt Ruhe und verweist auf die derzeitige Krisenlage. Fest stehe aber, dass der Kampf „in der Region Schaumburg ausgetragen wird“.

"Eigentlich war ich scharf auf einen Rückkampf"

Für Ruhe bedeutet der bevorstehende Fight vor heimischer Kulisse eine zweite Chance. Noch im November unterlag der 24-Jährige dem Tansanier Hamisi Maya im Duell um den Intercontinental-Titel im Weltergewicht. Nach der Niederlage in der Krefelder Yayla-Arena sei er eigentlich „scharf auf einen Rückkampf gewesen“, erklärt Ruhe. Die Aussichten hätten zunächst auch gut gestanden. Doch bei den finalen Vertragsaushandlungen blockte Mayas Seite mit unprofessionellen Antworten und Verzögerungen. „Dann kam das Angebot für den neuen Kampf im Mittelgewicht gegen Ally. Da habe ich sofort zugesagt“, skizziert der Rintelner die Chronologie.

In der veränderten Gewichtsklasse unternimmt Ruhe den nächsten Anlauf auf den Gürtelgewinn. Bereits bei seinem Debüt im Mai 2018 boxte der Deutsch-Italiener auf der 72,5-Kilo-Stufe. Von der Rückkehr zu seinem Ausgangsgewicht verspricht sich Ruhe individuelle Vorteile: „Ich kann mich automatisch wieder normal ernähren und mehr Power in meine Kämpfe investieren.“

Gerade in den kalten Wintermonaten habe er Probleme gehabt, die 66 Kilogramm zu halten. „Außerdem habe ich unter dem Hungern mental gelitten“, beschreibt der Profiboxer die vergangenen Belastungen im Alltag.

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„Ruhe vor dem Sturm“ heißt die Veranstaltung des Boxprofis – Datum und Ort des Events stehen noch nicht fest. © privat
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"Das befeuert meinen Ehrgeiz"

Volle Energiespeicher und psychische Frische sollen die entscheidenden Faktoren auf dem Weg zum ersehnten Titelcoup werden. Gegen den über 200 Weltranglistenplätze vor ihm platzierten Ally erwartet Ruhe einen „starken Kampf auf Augenhöhe“. Sein Kontrahent mit dem Spitznamen „The Monster of Bagamoyo“ sei „statistisch betrachtet stärker und möglicherweise technisch besser“, schlussfolgert Ruhe aus seiner Videoanalyse. Aber: „Er ist kleiner als ich. In puncto Reichweite bedeutet das einen großen Vorteil für mich.“ Der Deutsche Meister im Weltergewicht weiß, dass er damit den aktiveren Part im Kampf übernehmen kann – und muss. „Ich mag solche Herausforderungen. Das befeuert meinen Ehrgeiz“, betont Ruhe.

Trotz seines charaktertypischen Selbstbewusstseins will der Rintelner Boxprofi fortan auf Siegesversprechen verzichten. „Die Niederlage in Krefeld hat mich damals sehr mitgenommen.“ Aus den begangenen Fehlern habe er jedoch gelernt: „Ich werde mich weniger um Nebenschauplätze kümmern und stattdessen 100 Prozent positiv und fokussiert in den Kampf gehen“, erläutert Ruhe den Matchplan. Der mentale Druck dürfte dabei nicht geringer ausfallen als zuletzt. Immerhin besitzt das Titelduell teils richtungsweisenden Charakter für die weitere Karriere des Rintelners: „Die zweite Chance muss ich nutzen, um dem Verband mein Potenzial zu zeigen. Eine dritte Gelegenheit könnte es sonst nicht mehr geben“.

In Vorbereitung auf den bedeutungsschweren Kampf wurde Ruhes Trainingseifer nun jäh von der Corona-Krise ausgebremst. Kein Sparring, keine Einheiten im Gym. Stattdessen stehen Waldläufe, Schattenboxen und Gewichtheben auf dem Programm. Zwar könne er sich damit problemlos fithalten. „Aber ohne die gewohnten Abläufe ist es ziemlich nervig.“ Kraft und Zuversicht schöpft Ruhe daher aus dem Blick in die Zukunft: Bei der geplanten Aftershow-Party nach dem Kampf „können wir hoffentlich wieder alle zusammen feiern“. Im Idealfall dann den Titelgewinn.

Piergiulio Ruhe trennt sich von seinem Trainer Robert Gaub:

Im Rahmen der Titelkampfankündigung hat Profiboxer Piergiulio Ruhe die Trennung von seinem Trainer Robert Gaub bekanntgegeben. Der langjährige Coach und sein vormaliger Schützling gehen getrennte Wege. „Ich bin Robert unendlich dankbar für alles“, sagt Ruhe. Es habe „verschiedene Ansichten“ gegeben, aber die Trennung sei „im Guten verlaufen“, betont der 24-Jährige ausdrücklich. Designierter Nachfolger in Ruhes Ringecke wird Kai Gutmann von der Sportschule „Tosa Inu“ aus Lemgo. Niklas Könner