26. Dezember 2019 / 08:03 Uhr

Zwischen Aufstiegseuphorie und Ligaalltag: Das war das Jahr der BSG Chemie Leipzig

Zwischen Aufstiegseuphorie und Ligaalltag: Das war das Jahr der BSG Chemie Leipzig

Redaktion Sportbuzzer
RedaktionsNetzwerk Deutschland
Zwei Highlights des Jahres: der Wiederaufstieg in die Regionalliga und das Flutlichtspiel bei Eintracht Frankfurt.
Zwei Highlights des Jahres: der Wiederaufstieg in die Regionalliga und das Flutlichtspiel bei Eintracht Frankfurt. © LVZ-Archiv / Montage
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Wer Chemiker ist, hat die Herztropfen besser in Griffweite: Denn wie der frühere DDR-Meister und heutige Regionalligist BSG Chemie Leipzig den Fußball kämpft und arbeitet, ist nichts für schwache Nerven. 2019 war wieder so ein Beispiel. Wir blicken zurück.

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Leipzig. Wer Chemiker ist, hat die Herztropfen besser in Griffweite: Denn wie der frühere DDR-Meister und heutige Regionalligist Chemie Leipzig den Fußball kämpft und arbeitet, ist nichts für schwache Nerven. 2019 war wieder so ein Beispiel: Chemie schlitterte mit einer fußballerischen Talfahrt ins neue Jahr, der angepeilte Wiederaufstieg von der Ober- in die Regionalliga schien in Gefahr. Mit dem neuen Trainer Miroslav Jagatic kehrte der Siegeswille zurück. Chemie gab bis zum Saisonende nur noch ein Spiel ab, profitierte von Ausrutschern des ärgsten Konkurrenten Luckenwalde und schaffte mit knappem Vorsprung die direkte Rückkehr in die Regionalliga.

DURCHKLICKEN: So lief 2019 für die BSG Chemie

<b>3. März 2019:</b> Die BSG Chemie Leipzig startet erfolgreich ins neue Jahr und besiegt Nordhausens zweite Mannschaft mit 2:1. Der Matchplan des neuen Chemie-Trainers Miroslav Jagatic geht dabei größtenteils auf. Die Tore für Leipzig schießen Druschky und Florian Schmidt. Zur Galerie
3. März 2019: Die BSG Chemie Leipzig startet erfolgreich ins neue Jahr und besiegt Nordhausens zweite Mannschaft mit 2:1. Der Matchplan des neuen Chemie-Trainers Miroslav Jagatic geht dabei größtenteils auf. Die Tore für Leipzig schießen Druschky und Florian Schmidt. ©

Klar war das jedoch erst kurz vor dem letzten Spieltag. Das machte die Aufgabe für den sportlichen Leiter Andy Müller-Papra kompliziert, musste er doch fähige Spieler ins Leutzscher Holz locken, die zur Not auch in der Oberliga für Chemie kicken würden. Doch Müller-Papra ist bestens vernetzt. Mit Benjamin Boltze holte Chemie einen eminent wichtigen Defensiv-Allrounder, mit Tomas Petracek und Rückkehrer Tommy Kind zwei unterschiedliche Stürmertypen – und dazu einen echten Königstransfer: Torhüter Benjamin Bellot, bei Chemie-Vorgänger Sachsen Leipzig ausgebildet, spielte acht Jahre lang für RB Leipzig. Für die Rot-Weißen kam er immerhin auf 13 Zweitligaspiele. Nun, in der Regionalliga, darf er als einer der stärksten Torhüter gelten und ist der Garant für die stabile Defensive der Leutzscher. Mit nur 21 Gegentoren in der aktuellen Saison gehört die BSG Chemie zu den vier abwehrstärksten Teams der Liga. Das reicht für 20 Punkte und Platz 13.

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Tommy Kind ist treffsicherster Stürmer

Vorne ist mit 18 geschossenen Toren allerdings noch Luft nach oben. Bemerkenswert: Tommy Kind, dem so mancher Leutzscher die Regionalliga-Tauglichkeit abgesprochen hatte, rechtfertigte das Vertrauen des Trainerstabs. Mit sechs erzielten Toren ist er aktuell der treffsicherste Stürmer, und er übernimmt Verantwortung: Drei seiner „Buden“ machte er per Elfmeter. Neben ihm wühlt und flitzt der von Bischofswerda gekommene Tomas Petracek. Der Tscheche macht tolle Spiele, im Abschluss fehlt jedoch oft noch das berühmte Quäntchen Glück. Mit der Rückkehr des pfeilschnellen ­Florian Kirstein hat Trainer Jagatic offensiv noch mehr Optionen, defensiv macht vor allem der junge Björn ­Nikolajewski den Zuschauern Hoffnungen – und einen Heidenspaß: Beim denkwürdigen 3:3 in Halberstadt veredelte er die Aufholjagd der Grün-Weißen mit seinem herrlichen Ausgleichstor kurz vor Schluss.

DURCHKLICKEN: Die Bilder vom 3:3 in Halberstadt

Zur Halbzeit lagen die Leutzscher 0:3 hinten. Am Ende steht eine Aufholjagd und ein 3:3 auf der Anzeigetafel. Zur Galerie
Zur Halbzeit lagen die Leutzscher 0:3 hinten. Am Ende steht eine Aufholjagd und ein 3:3 auf der Anzeigetafel. © Christian Donner

Die größte Baustelle in Leutzsch ist also weniger das Sportliche, sondern das Drumherum. Die Sanierung des Alfred-Kunze-Sportparks (AKS) steht an, und sie wird Millionen verschlingen. Bund und Stadt Leipzig haben enorm wichtige Finanzspritzen zugesagt, im Hintergrund laufen seit langem die Vorplanungen.

Für's Flutlicht wird fleißig gesammelt

Die Idee: Bis 2022 sollen die maroden Leitungen im und um den AKS erneuert sein, bis 2024 sollen das aus den 70er Jahren stammende Sozialgebäude und die Toilettenanlagen saniert oder neu gebaut werden. Und dann steht ja noch das Flutlicht an, für das weiter fleißig gesammelt wird, sei es von den Zuschauerinnen und Zuschauern im Stadion oder durch die Freunde von der Frankfurter Eintracht. Die Hessen versteigerten die Originaltrikots des Freundschaftsspiels der beiden Mannschaften. Der Erlös von genau 9302,22 Euro soll direkt an die Flutlichtkampagne der BSG Chemie gehen.

Eine schöne Nachricht kurz vor dem Jubiläumsjahr 2020, in dem die Chemiker das 100-jährige Bestehen ihres AKS feiern werden. Darauf können sich diejenigen Leipziger, deren Herz für Grün-Weiß schlägt, in aller Ruhe vorbereiten. Ganz ohne Herztropfen.

Christopher Resch