28. Oktober 2020 / 09:39 Uhr

Zwischen Erleichterung und Ernüchterung: Fußball-Lockdown kurz vor dem Spiel im Meister-Cup

Zwischen Erleichterung und Ernüchterung: Fußball-Lockdown kurz vor dem Spiel im Meister-Cup

Jürgen Brumshagen
Kieler Nachrichten
Der SV Henstedt-Ulzburg und Trainer Dominik Fseisi (rechts) begrüßen, dass endlich Klarheit herrscht.
Der SV Henstedt-Ulzburg und Trainer Dominik Fseisi (rechts) begrüßen, dass endlich Klarheit herrscht. © Göttsche
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Ministerpräsident Daniel Günther (CDU) ist gestern vorgeprescht. Die Landesregierung verschärft vom Wochenende an die Corona-Maßnahmen. 

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Für zunächst drei Wochen soll landesweit jenes Regelwerk gelten, das für Inzidenzwerte über 50 vorgesehen ist – unabhängig von Entwicklungen in einzelnen Kreisen. Im öffentlichen Raum gilt eine Kontaktbeschränkung auf maximal zehn Personen.

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Damit ist klar: Der Amateur-Teamsport muss pausieren. Der Fußball sogar sofort. Der Landesverband ordnete nachmittags die Einstellung des Spielbetriebs vorerst bis zum 22. November an. Alle Spiele, die bis zum Wochenende hätten stattfinden sollen, fallen aus.

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Das ersparte dem Landesligisten SV Henstedt-Ulzburg gestern den Weg nach Itzehoe. Im Städtischen Stadion sollte um 19.30 Uhr das Erstrundenspiel im Meisterpokal gegen den A-Klassisten Edendorfer SV angepfiffen werden. Viel Lust, sich auf die Tour zu machen, hatte Trainer Dominik Fseisi ohnehin nicht.

„Ich hatte 14, 15 Jungs gefunden, die kicken wollten“, sagte der Kisdorfer. „Ich habe ihnen gesagt, dass es wahrscheinlich für unbestimmte Zeit das letzte Spiel werden würde.“ Fseisi, von Beruf Polizeibeamter, begrüßt die Unterbrechung der Saison: „Endlich wissen wir, woran wir sind. Es gibt weit Wichtigeres als Fußball.“

Auch ohne landesweiten Fußball-Lockdown wären die Henstedt-Ulzburger am Sonntag zum Punktspiel beim SV Büchen-Siebeneichen wahrscheinlich nicht angetreten. „Wir hätten keine Kabine nutzen dürfen“, erklärte Fseisi. „Ich hätte es nicht verantworten können, dass die Spieler bei nasskalter Witterung ungeduscht eine Stunde oder länger im Auto gesessen hätten. Auf der Tour zurück aus dem Südosten Lauenburgs wäre mindestens ein dicker Schnupfen mitgefahren.“

Wie es ist, ohne Zugang zu Sanitär- und Umkleideräumen zu kicken, haben die Kreisligisten TSV Nahe (in Fischbek) und Kaltenkirchener TS II (in Bargfeld) am vergangenen Spieltag auf Plätzen in Stormarn erfahren. „Die Kabinen blieben laut Anordnung verschlossen und wir mussten uns auf dem Parkplatz umziehen“, berichtete Nahes Interimscoach Christopher Otte.

Die Kaltenkirchener hatten sich bereits in den Räumen ihres Sportlerheims am Marschweg umgezogen. Die Halbzeitbesprechung fand, wie beim KT-Kick, draußen im Regen statt. Abgekämpft, durchnässt und verdreckt setzten sich die Akteure beider Segeberger Mannschaften nach dem Abpfiff in ihre Autos. Otte war nicht nur wegen der 1:2-Niederlage genervt: „Damit tut man dem Breitensport keinen Gefallen, so macht Fußball keinen Spaß!“