02. Mai 2021 / 13:05 Uhr

Zwischen Jahna und Burgberg: Das Waldstadion des SV Zschaitz

Zwischen Jahna und Burgberg: Das Waldstadion des SV Zschaitz

Marc Bohländer
Leipziger Volkszeitung
Vom Waldstadion aus ist ein nur einen Katzensprung zum Burgberg, einer Wallanlage aus dem Frühmittelalter.
Vom Waldstadion aus ist ein nur einen Katzensprung zum Burgberg, einer Wallanlage aus dem Frühmittelalter. © Sven Bartsch
Anzeige

In einer Serie stellen wir die Sportplätze der Region vor. Das Stadion des SV Zschaitz liegt nicht nur idyllisch unter einer Wallanlage, an einem Fluss und mittem im Wald, sondern bietet mit Inventar aus dem Dresdner Rudolf-Harbig-Stadion auch noch besondere Sitzgelegenheiten.

Anzeige

Zschaitz. Hier sagen sich Fuchs und Hase gute Nacht und es kommen zivilisationsmüde Stadtmenschen zur Ruhe: in der Gemeinde Zschaitz-Ottewig vermag die Seele vortrefflich zu baumeln. Das liegt vor allem an der atemberaubenden Natur, an die auch der Name der Heimstätte des ansässigen Sportvereins Zschaitz angelehnt ist. Denn das Waldstadion liegt pittoresk eingerahmt zwischen dem Flüsschen Jahna, dem beliebten gleichnamigen Radweg und dem historischen Burgberg.

Anzeige

Waldstadion und Ostrau im Wechsel

„Es handelt sich um ein Ensemble, wobei unser Sportgelände etwa zwei Drittel ausmacht und das Naherholungszentrum rund ein Drittel“, erklärt Immo Barkawitz, seines Zeichens Fußball-Abteilungsleiter und Bürgermeister der Gemeinde Zschaitz-Ottewig in Personalunion. Gegründet wurde der SV Zschaitz verhältnismäßig spät im Jahre 1952. Dafür ging es dann ruckzuck mit dem eigenen Platz und auch das Funktionsgebäude stand wenig später zur Verfügung. An eben diesem wurde immer weiter gearbeitet: „Nach der Wende haben wir eine Etage aufgestockt, dort ist heute die Gaststätte mit rund 30 Plätzen beherbergt. Wir haben über die Jahre immer wieder was saniert – Duschen, Toiletten, Waschhaus. Es ist eigentlich ein ständiger Prozess“, so Barkawitz.

Mehr zum Fußball im Muldental

In Corona-freien Zeiten finden Fußball- und Sportfreunde im allgemeinen hier beste Bedingungen vor. Neben dem gepflegten Hauptplatz gibt es noch einen beleuchteten Trainingsplatz, sowie einen Hartplatz. Das Männerteam spielt seit einigen Jahren in einer Spielgemeinschaft zusammen mit der zweiten des SV Ostrau in der Kreisliga A. Barkawitz: „Das war ein richtiger und notwendiger Schritt, wir hatten für die Erste Personalprobleme.“

Damit ist der SV Zschaitz natürlich nicht allein, es handelt sich um eine Entwicklung, die landauf und landab zu beobachten ist. Die Zschaitzer haben sich mit ihren Nachbarn vom SVO aber bestens organisiert, trainieren mal im Waldstadion und mal in Ostrau. Wobei die Männer eher Nachzügler waren, die Alten Herren und diverse Nachwuchsteams hatten bereits in der Vergangenheit erfolgreich miteinander kooperiert. Was die Sportfreunde der kleinen Gemeinde (1298 Einwohner) auf die Beine stellen, ist aller Ehren wert. Denn zum Verein zählen nicht nur die Fußballer, es existieren darüber hinaus Abteilungen im Biathlon, Kegeln, Steel-Dart und Frauensport – wobei sich alle genannten in der nahen Sporthalle in Lüttewitz treffen.

„Wir sind kurzerhand hingefahren und haben welche abgeholt“

Angesichts unverändert hoher Inzidenzwerte kommt aber momentan ohnehin niemand zum sportlichen Wettstreit zusammen, weder hier noch anderswo. So hat die Natur noch mehr Zeit und Raum für sich, und das bleibt nicht folgenlos. Augenzwinkernd berichtet Barkawitz von einem renitenten Nager, der im Waldstadion für Unruhe sorgt: „Wir haben aktuell ein bisschen mit hochstehendem Wasser auf dem Hauptplatz zu kämpfen – ein Biber sorgt mit seinem Damm an der Jahna dafür, dass das Wasser nicht so abläuft. Und damit der Platz schlecht abtrocknen kann.“

Da ist es ein nur ein kleiner Trost, dass Corona-bedingt bekanntlich eh nicht gegen den Ball getreten werden kann. Dabei hat das Waldstadion schon einige größere Partien gesehen. 2018 richteten die Zschaitzer alle Kreispokal-Finals im Waldstadion aus. Dazu zählten die Frauen, C-, B- und A-Junioren und natürlich die Männer. In besagtem Jahr krönte sich der Roßweiner SV zum Champion und feierte ausgelassen auf dem satten Grün inmitten heimischer Bäume. „Es lässt sich immer schwer schätzen, aber zwischen 300 und 400 Zuschauer werden es gewesen sein“, berichtet Abteilungsleiter Barkawitz.

Mehr zu Fußball

Wer will, muss übrigens nicht mal stehen. Im Waldstadion sind rund 70 Sitzschalen moniert, 30 davon stammen aus dem alten Rudolf-Harbig-Stadion in Dresden. „Der sächsische Fußballverband hatte damals seine Vereine informiert. Wir sind kurzerhand hingefahren und haben welche abgeholt.“ Darauf kann man sich verlassen: Beim SV Zschaitz behält man auch in Krisenzeiten die Ruhe und hält seine Anlage jederzeit in Schuss. Bleibt nur zu hoffen, dass man sich das Rund inmitten Mutter Natur bald wieder im Rahmen eines Kreisliga-Kicks anschauen kann. Bis dahin ist vielleicht auch der Biber weitergezogen und der Platz abgetrocknet.